Garnison Konstanz

Großherzogtum Baden
Heeresstandort

Großherzogtum

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

47.6592° N, 9.1751° O

Heutiger Name

Konstanz

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Über die Garnison Konstanz

Konstanz war im Kaiserreich eine Garnisonsstadt mit nur einem Truppenteil, dafür in einer ungewöhnlichen Lage. Die Reichsgrenze lief mitten durch das besiedelte Gebiet, der thurgauische Nachbarort Kreuzlingen war zu Fuß erreichbar, und jenseits der Grenze stand kein möglicher Gegner, sondern die neutrale Schweiz. Um 1900 zählte die Stadt gut 21.000 Einwohner einschließlich der Garnison, vor dem Ersten Weltkrieg rund 30.000; die Garnison umfasste etwa 3.300 Soldaten und war damit ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Anders als Rastatt, Straßburg oder Metz war Konstanz keine Festung: Es gab keinen Werkgürtel, keine Festungstruppen und keine Sperrstellungen am Seeufer.

Der Truppenteil, der die Stadt prägte, war das 6. Badische Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich III.“ Nr. 114. Es wurde am 26. Oktober 1867 aus dem 5. und 10. Infanterie-Bataillon der Badischen Armee errichtet, lag zunächst in Rastatt und verlegte 1868 nach Konstanz, wo es im ehemaligen Kloster Petershausen untergebracht wurde. Zum 1. Juli 1871 erhielt es die Nummer 114, seit dem 22. September 1877 den Namen des Kronprinzen Friedrich Wilhelm und nach dessen Tod ab dem 2. August 1888 die endgültige Bezeichnung „Kaiser Friedrich III.“. Wegen der grünen Schulterklappen hieß es in der Stadt schlicht das grüne Regiment.

Der Verwaltungsrahmen war badisch, nicht preußisch improvisiert: Das Großherzogtum schloss am 25. November 1870 eine eigene Militärkonvention mit Preußen, gab damit seine Militärhoheit ab und ging in der Preußischen Armee auf. Es trat also nicht der preußisch-sachsen-weimarischen Konvention vom 4. Februar 1867 bei, wie es mehrere Kleinstaaten taten. Das badische Kontingent bildete das XIV. Armee-Korps mit Generalkommando in Karlsruhe, das der V. Armee-Inspektion unterstand. Konstanz gehörte zur 57. Infanterie-Brigade und zur 29. Division, deren Stäbe beide in Freiburg im Breisgau saßen; ein Brigade- oder Divisionsstab lag in Konstanz nicht.

Kontingent und Garnison fielen dabei deutlich auseinander. Ein großer Teil der badischen Regimenter stand nicht in Baden, sondern im Reichsland Elsaß-Lothringen, etwa in Mülhausen, wo Infanterie und die gesamte Kavallerie der 29. Division lagen. Umgekehrt hatte Konstanz weder Feldartillerie noch Reiterei, weder Pioniere noch Train: Diese badischen Verbände lagen in Karlsruhe, Rastatt, Freiburg, Kehl und Durlach. Wer aus dem Bodenseeraum eingezogen wurde, diente deshalb häufig weit entfernt, während in Konstanz selbst ausschließlich Infanterie stand.

Die Unterbringung wuchs aus der Säkularisation. Die Gebäude der 1802 aufgehobenen Benediktinerabtei Petershausen dienten ab 1813/14 als Militärspital und ab 1850 als Kaserne; die romanische Klosterkirche wurde 1819 geschlossen und 1832 abgebrochen. Für das Regiment entstand ab 1874 auf dem Klostergelände nahe der Rheinbrücke ein schlossartiger Kasernenneubau, die Klosterkaserne. Die Pläne stammten von der Bau-Inspektion des preußischen Kriegsministeriums, die betonte Farbigkeit in Rotbraun und Ocker war dagegen an den badischen Landesfarben orientiert – ein sichtbares Nebeneinander von preußischer Norm und badischem Selbstbewusstsein.

Der Alltag dieser Grenzgarnison endete abrupt. Vor 1914 überschritten täglich bis zu 4.000 Konstanzer die Grenze zur Arbeit in Schweizer Betrieben, während rund 1.500 Schweizer in Konstanzer Industrien beschäftigt waren. Am 31. Juli 1914 wurde die Grenze um 19 Uhr geschlossen; Hunderte Kreuzlinger, die an diesem Abend zur Konstanzer Kaserne gekommen waren, kamen nur mit Mühe zurück. Mit der Mobilmachung stellte das Regiment am 2. August 1914 in Konstanz sein 1. Ersatz-Bataillon auf; ein 2. Ersatz-Bataillon folgte im Februar 1915, lag jedoch in Radolfzell und wurde im November 1917 aufgelöst. Für den stark gestiegenen Bedarf entstand von 1914 bis 1917 in Petershausen-West an der Steinstraße eine zweite Anlage, die spätere Jägerkaserne.

Eine Eigenheit, die sich aus der Grenzlage ergab, war die Herkunft mancher Soldaten. Im Ersten Weltkrieg traten Auslandsdeutsche und freiwillige Schweizer aus den Kantonen Thurgau, Zürich, beiden Basel, St. Gallen und Schaffhausen in das Regiment ein; nach Kriegsende kehrten sie in die Schweiz zurück. Erst das Schweizer Militärstrafgesetz vom 13. Juni 1927 stellte den Eintritt in fremden Militärdienst umfassend unter Strafe. An der Westfront kämpfte das Regiment unter anderem bei Loos, an der Lorettohöhe und bei Chérisy; rund 3.200 seiner Angehörigen fielen.

Zugleich veränderte die Grenze die Rolle der Stadt. Konstanz wurde zur Lazarettstadt und ab März 1915 zu einer der Austauschstationen, über die unter Vermittlung des Schweizerischen Roten Kreuzes schwerverwundete und invalide Kriegsgefangene heimgeführt wurden. Die Nähe zum Zeppelin-Standort Friedrichshafen hatte dagegen keine Folgen für die Konstanzer Garnison: Friedrichshafen lag in Württemberg und damit im Bereich des XIII. Armee-Korps, der dortige Luftschiffbau war Industrie, und der 1915 angelegte Luftschiffhafen Löwental lag am anderen Seeufer. In Konstanz stand weder eine Luftschiffer- noch eine Fliegereinheit; der 1910 entstandene Flugplatz Konstanz war eine zivile Gründung von Ernst Schlegel und seinem Gefährten Züst auf dem früheren Exerzierplatz des Regiments im Westen der Stadt.

Nach dem Waffenstillstand marschierte das Regiment zurück, traf ab dem 12. Januar 1919 wieder in Konstanz ein und wurde am 9. Mai 1919 aufgelöst. Die Tradition übernahmen 1921 die in Konstanz stehenden 9. bis 12. Kompanien des 14. (Badischen) Infanterie-Regiments der Reichswehr. Auf dem Riesenberg wurde 1925 nach Plänen von Karl Gruber die Riesenbergkapelle, die 114er-Kapelle, eingeweiht; ihre Eichenholzvertäfelung trägt die Namen der 3.200 Gefallenen, das Altarbild schuf Hans Franke, gepflegt wird sie von der Traditionsgemeinschaft der ehemaligen Garnisonsstadt Konstanz. Beide Kasernen überdauerten: Die Klosterkaserne wurde bis 1977 von französischen Truppen genutzt und beherbergt heute das Polizeipräsidium Konstanz, während in den übrigen Klostergebäuden seit 1984 das Stadtarchiv, seit 1992 das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg sowie eine Musikschule und Teile des Landratsamts untergebracht sind. Die Jägerkaserne kam nach dem französischen Abzug 1978 in Privatbesitz; heute stehen dort Wohnungen und Studentenwohnheime, im ehemaligen Offizierskasino ein Hotel, in Exerzierhalle und Kammergebäude eine Sporthalle und ein Jugendzentrum, und auf dem einstigen Exerzierplatz in der Mitte der Anlage eine Kindertagesstätte.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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