Krotoschin lag im Süden der Provinz Posen, rund achtzig Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Posen und nahe der Grenze zu Schlesien. Die Stadt war Kreisstadt des Kreises Krotoschin im Regierungsbezirk Posen und gehörte damit zum Königreich Preußen. 1905 zählte sie 12.665 Einwohner, 1910 waren es 13.219; unter den Einwohnern von 1905 wurden 7.141 Katholiken, 4.996 Evangelische und 525 Juden gezählt. Seit 1819 war die Stadt zugleich Mittelpunkt des Fürstentums Krotoszyn der Fürsten von Thurn und Taxis, das erst 1927 aufgelöst wurde. Heute heißt der Ort Krotoszyn und liegt in der polnischen Woiwodschaft Großpolen.
Militärisch gehörte Krotoschin zum V. Armee-Korps mit Sitz in Posen. Innerhalb des Korps war die Stadt der 10. Division unterstellt, deren Kommando ebenfalls in Posen stand, und dort der 77. Infanterie-Brigade mit Sitz im benachbarten Ostrowo. Diese Brigade war 1897 im Zuge der Heeresvermehrung aufgestellt worden und führte zunächst die Infanterie-Regimenter Nr. 154 und Nr. 155. 1901 trat an die Stelle des Regiments Nr. 154 das in Krotoschin liegende Füsilier-Regiment Nr. 37, das bis 1918 in diesem Verband blieb.
Der Truppenteil, der die Garnison prägte, war das Füsilier-Regiment „von Steinmetz“ (Westpreußisches) Nr. 37. Es war am 26. Januar 1818 als 35. Infanterie-Regiment errichtet worden, hatte 1866 bei Nachod, Skalitz, Schweinschädel und Königgrätz und 1870/71 bei Weißenburg, Wörth, Sedan und vor Paris gekämpft und trug seit 1889 den Namen des Generalfeldmarschalls Karl Friedrich von Steinmetz. 1881 bezog es die Garnison Krotoschin. Die Friedensgliederung 1914 der 10. Division nennt das Regiment ohne abgesetztes Bataillon allein in Krotoschin, während die Schwesterregimenter der Division jeweils ein Bataillon in einer zweiten Stadt liegen hatten. Krotoschin beherbergte damit den vollen Regimentsstab und alle drei Bataillone.
Die Unterbringung wuchs mit dem Regiment. 1819 lagen in der Stadt 245 Soldaten, 1850 bereits 700. Nach dem Zuzug des Füsilier-Regiments wurde weitergebaut: Ab 1897 war das Regiment vollständig in vier Kasernen untergebracht, 1898 kam eine neue, große Kaserne hinzu. Überliefert ist der Name Füsilier-Kaserne; für die Zeit des Zweiten Weltkriegs wird für Krotoschin außerdem eine Steinmetz-Kaserne genannt, ohne dass sich daraus sicher ablesen ließe, wie die einzelnen Anlagen vor 1918 hießen. Die Kasernengelände liegen im Südteil der heutigen Stadt und werden zivil genutzt.
Andere Waffengattungen waren in Krotoschin nach der Friedensgliederung 1914 nicht stationiert. Die Kavallerie der 10. Division stand mit dem Ulanen-Regiment „Kaiser Alexander III. von Rußland“ (Westpreußisches) Nr. 1 in Militsch und Ostrowo sowie mit dem Regiment Königs-Jäger zu Pferde Nr. 1 in Posen, die Feldartillerie mit den Regimentern Nr. 20 in Posen und Nr. 56 in Lissa. Auch das für die Ersatzgestellung zuständige Bezirkskommando lag nicht am Ort, sondern in Rawitsch. Krotoschin war also eine reine Infanteriegarnison.
Für die Stadt bedeutete das Regiment einen erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktor. Krotoschin war seit 1875 an die Bahnstrecke Jarotschin–Oels angeschlossen, seit 1888 zusätzlich an die Verbindung Lissa–Ostrowo, und entwickelte sich zum Eisenbahnknoten; 1880 zählte man 41 Gaststätten und vierzehn Industriebetriebe, darunter vier Ziegeleien und zwei Brauereien. Zugleich war die Stadt Schauplatz des offen ausgetragenen Nationalitätenkonflikts: Ab 1872 gründeten polnische Einwohner Vereine, Banken und Sparkassen, 1908 entstand eine Abteilung des Turnvereins „Sokół“, während die preußische Verwaltung auf Germanisierung setzte und in den umliegenden Dörfern deutsche Siedler ansetzte.
Mit der Mobilmachung im August 1914 verließ die Garnison die Stadt. Die 77. Infanterie-Brigade trat unter das Kommando der 10. Reserve-Division, kämpfte in der Schlacht bei Longwy und lag ab Ende August 1914 in den Stellungskämpfen vor Verdun. Das Füsilier-Regiment Nr. 37 blieb den ganzen Krieg über an der Westfront und war unter anderem in der Schlacht um Verdun eingesetzt. In Krotoschin verblieben Ersatz- und Reserveformationen, die die Kasernen weiter belegten.
Das Kriegsende beendete die preußische Garnisonszeit. Am 24. November 1918 übernahm ein neugebildeter polnischer Kreisrat die Macht in der Stadt. Anfang Januar 1919 traf ein polnischer Panzerzug ein, und in der Kaserne wurde mit dem deutschen Soldatenrat über die Entwaffnung der Garnison verhandelt; das dort liegende Reservebataillon des Regiments ergab sich den Aufständischen. Vom 6. bis 21. Februar 1919 kam es zu Gefechten mit von Schlesien aus vorstoßenden Freikorpsverbänden. Das Füsilier-Regiment Nr. 37 selbst wurde vom 2. bis 22. Januar 1919 in Goldberg in Schlesien demobilisiert; aus Freiwilligen gebildete Bataillone wurden im Grenzschutz bei Lissa eingesetzt und gingen später im Reichswehr-Schützen-Regiment 9 auf.
Nach 1919 blieb Krotoszyn Garnison, nun unter polnischer Flagge. Die Kasernenanlagen der Kaiserzeit wurden weitergenutzt, unter anderem vom 56. Großpolnischen Infanterieregiment, das die Stadt im September 1939 verteidigte und am 3. September kapitulierte. In den Kasernen internierte die Wehrmacht anschließend rund 4.500 polnische Kriegsgefangene. Die Straßennamen des heutigen Kasernenviertels erinnern an das polnische Regiment; von der deutschen Garnisonszeit zeugen vor allem die erhaltenen Backsteinbauten aus den Jahren um 1898.
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