Garnison Lauban

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

51.1181° N, 15.2889° O

Heutiger Name

Lauban

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Über die Garnison Lauban

Lauban lag am linken Ufer der Queis im östlichen Teil der Oberlausitz, rund 24 Kilometer östlich von Görlitz. Mit dem Wiener Kongress war der Ostteil der sächsischen Oberlausitz 1815 an Preußen gefallen; 1816 kam das Gebiet zum Regierungsbezirk Liegnitz der Provinz Schlesien, und Lauban wurde Sitz des gleichnamigen Kreises. Diese Zuordnung — Königreich Preußen, Provinz Schlesien, Regierungsbezirk Liegnitz — galt für die gesamte Kaiserzeit. Heute heißt die Stadt Lubań und ist Kreisstadt im polnischen Powiat lubański.

Garnison war Lauban seit dem 1. Oktober 1898. An diesem Tag bezog das II. Bataillon des Infanterie-Regiments „von Courbière“ (2. Posensches) Nr. 19 eine neu errichtete Kaserne in der Stadt. Regimentsstab, I. Bataillon und Füsilier-Bataillon blieben in Görlitz. Damit hatte Lauban ein einziges, dauerhaft stationiertes Bataillon Infanterie — die Friedensgliederung von 1914 weist für den Ort keine weitere Truppe aus.

Die Vorgeschichte dieser Verlegung zeigt, wie beweglich preußische Garnisonen sein konnten. Nach 1871 standen Stab und I. Bataillon des Regiments in Görlitz, das II. Bataillon in Jauer, das Füsilier-Bataillon in Hirschberg. Erst Mitte der 1890er Jahre kam das II. Bataillon von Jauer nach Görlitz — und schon zwei Jahre später zog es weiter in die Nachbarstadt Lauban, wo Bauland und ein Neubau zur Verfügung standen. Ein 1893 gebildetes IV. (Halb-)Bataillon war bereits 1897 an das Infanterie-Regiment Nr. 154 abgegeben worden.

Verbandsmäßig gehörte das Regiment Nr. 19 zur 17. Infanterie-Brigade der 9. Division, deren Stab in Glogau saß; die Division unterstand dem V. Armee-Korps mit Sitz in Posen. Der Laubaner Standort war also militärisch nach Osten orientiert, obwohl die Stadt geographisch am westlichen Rand Schlesiens lag. Bei der Mobilmachung am 2. August 1914 rückte das Regiment geschlossen ins Feld und stellte zusätzlich ein Ersatz-Bataillon zu vier Kompanien sowie zwei Rekrutendepots auf.

Neben der Truppe bestanden in Lauban militärische Verwaltungseinrichtungen: Das Meyersche Orts- und Verkehrslexikon führt für die Stadt ein Bezirkskommando, daneben Amtsgericht und Standesamt, während das zuständige Landgericht in Görlitz lag. Aus den Kriegsjahren ist für 1917/18 ein Reservelazarett in Lauban überliefert. Beides sind Einrichtungen der Militärverwaltung beziehungsweise Kriegsformationen und begründen keine eigene Truppengattung am Ort.

Wirtschaftlich lebte Lauban von der Textilindustrie. 1779 hatte ein Meister namens Weinert die erste Taschentuch-Handweberei gegründet; um 1900 arbeiteten im Kreis rund 6.000 Beschäftigte an etwa 3.500 Webstühlen und stellten täglich etwa 420.000 Taschentücher her — nach zeitgenössischer Angabe rund 90 Prozent des deutschen Bedarfs. Die karierten Laubaner „Schnupptüchel“ wurden auf der Pariser Weltausstellung 1900 ausgezeichnet. Dazu kamen Keramik und Ziegelei (ein Betrieb für rote Verblendziegel und Bauterrakotten entstand 1854), Nahrungsmittel- und Metallgewerbe.

Die Eisenbahn erschloss die Stadt in kurzer Folge: 1865 die Strecke nach Kohlfurt, 1866 die Verbindung Richtung Görlitz und Hirschberg, 1896 eine Linie nach Marklissa. 1867/68 entstand eine königliche Hauptwerkstatt für Lokomotiven, die zu einem der größten Arbeitgeber der Stadt wurde. Parallel modernisierte sich die Kommune — Gaswerk 1863, Wasserleitung 1867, Kanalisation 1870, elektrisches Licht ab 1894 —, und die mittelalterlichen Befestigungen wichen Straßen und Grünanlagen.

Entsprechend wuchs die Einwohnerzahl: von 6.603 im Jahr 1861 über 10.087 (1875) und 12.235 (1895) auf 13.793 um 1900, wobei das Infanteriebataillon in dieser Zahl enthalten war. Der Kreis Lauban zählte 1905 rund 71.700 Einwohner. Für eine Stadt dieser Größe war ein Bataillon eine spürbare, aber keine prägende Größe — Lauban war Industrie- und Kreisstadt zuerst und Garnison in zweiter Linie.

Nach 1918 endete die Garnison mit der Auflösung des Regiments. Erst am 15. Oktober 1935 wurde Lauban erneut Standort, als dort das IV. Bataillon des Infanterie-Regiments 30 aufgestellt wurde. Im Februar und März 1945 wurde die Stadt in schweren Kämpfen zu etwa 60 Prozent zerstört; 1945 kam sie unter polnische Verwaltung, die verbliebene deutsche Bevölkerung wurde 1946 ausgewiesen.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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