Mannheim gehörte im Kaiserreich zum Großherzogtum Baden, doch militärrechtlich war das badische Kontingent ein Sonderfall unter den Mittelstaaten. Die Militärkonvention, die Baden am 25. November 1870 in Versailles schloss, ging weiter als die bayerischen, sächsischen oder württembergischen Regelungen: Das großherzogliche Kriegsministerium und der badische Generalstab wurden aufgelöst, die Truppen vollständig in die preußische Armee eingegliedert. Zum 1. Juli 1871 entstand daraus das XIV. Armee-Korps mit Generalkommando in Karlsruhe. Ein badischer Soldat in Mannheim diente also in einem preußischen Regiment, das lediglich den Zusatz „badisch“ in der Nummerierung führte.
Der dauerhafte Truppenkörper der Stadt war das 2. Badische Grenadier-Regiment „Kaiser Wilhelm I.“ Nr. 110, im Volksmund „die 110er“. Seine Standortgeschichte war lange unruhig — 1852 Rastatt, 1857 erstmals Mannheim, 1859 Konstanz, 1866/67 Karlsruhe, danach wechselnde Teilungen zwischen Mannheim, Rastatt und Durlach. Erst 1881 stellte sich die Verteilung ein, die bis 1918 hielt: Regimentsstab und zwei Bataillone in Mannheim, ein Bataillon in Heidelberg. Das Regiment unterstand der 55. Infanterie-Brigade, deren Stab jedoch in Karlsruhe lag, zusammen mit dem 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109; übergeordnet waren die 28. Division und das XIV. Armee-Korps. Einen Brigade- oder Divisionsstab hatte Mannheim damit nicht — die Führungsebenen saßen sämtlich in der Residenzstadt.
Untergebracht waren die Grenadiere zunächst in der Innenstadt. Das Zeughaus in Quadrat C 5, 1777/78 von Peter Anton von Verschaffelt für die kurpfälzische Armee vollendet, und die benachbarte Rheintorkaserne dienten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts als Quartier. Um die Jahrhundertwende zog das Regiment in einen Neubau in der Neckarstadt-Ost, die Kaiser-Wilhelm-Kaserne auf rund dreizehn Hektar. Über deren Bauzeit widersprechen sich die Quellen: Die Stadt Mannheim nennt 1899 bis 1901, die deutschsprachige Wikipedia dagegen 1890 bis 1894. Belegt ist, dass die alten Militärgebäude in C 6 nach dem Auszug abgebrochen und durch die Kurfürst-Friedrich-Schule ersetzt wurden.
Der zweite, ungewöhnlichere Teil der Mannheimer Garnison entstand 1913. Im Zuge der Neugliederung der Luftschiffertruppe — am 1. Oktober 1913 wurden in Berlin die Inspektion der Luftschiffertruppen und die Inspektion der Fliegertruppen eingerichtet — kam das Luftschiffer-Bataillon Nr. 4 zum XIV. Armee-Korps. Stab und 1. Kompanie lagen in Mannheim, die 2. Kompanie in Metz, die 3. in Lahr im Schwarzwald, die 4., königlich württembergische Kompanie ab dem 1. Oktober 1913 in Friedrichshafen. Die Lahrer Kompanie musste 1913 vorübergehend nach Gotha ausweichen, weil die dortige Halle zwar für Parseval-Luftschiffe, nicht aber für die größeren Zeppeline ausreichte. Truppendienstlich unterstand das Bataillon dem Korps in Karlsruhe, für den Einsatz war die Berliner Inspektion zuständig.
Diese Zuordnung ist nicht nur aus Ranglisten, sondern aus laufender Dienstpost belegt. Feldpostbelege aus Mannheim tragen zwischen 1915 und 1918 durchgehend Stempel wie „Königl. Preuss. Luftschiffer-Bataillon Nr. 4, 1. Komp. Mannheim“ oder „Kassenverwaltung des Luftschiffer-Bataillons Nr. 4“. Wo die Mannschaften anfangs wohnten, ist konkreter fassbar als bei den meisten Einheiten: Ein Beleg vom 4. August 1914 nennt als Aufenthaltsort die Relaisstraße in Mannheim-Rheinau, unmittelbar bei der Schütte-Lanz-Werft. Ehemalige Mannschafts- und Offiziersgebäude an der Relaisstraße und Am Diestelsand stehen dort bis heute und werden bewohnt.
Anfang 1914 überließ die Stadt dem Militär große Waldgebiete bei Mannheim-Sandhofen im Norden der Stadt. Dort entstanden nach und nach eine Luftschifferkaserne, eine Luftschiffhalle, Werksanlagen und ein Fluggelände. Große Teile der 1. Kompanie wurden dorthin verlegt, weil von hier aus die fertiggestellten Luftschiffe übernommen wurden und zum Einsatz abgingen. Die Luftschiffer waren ausschließlich für die Tätigkeiten rund um das Schiff zuständig; die Bewachung des Platzes übernahmen im Kriegsverlauf Soldaten anderer Einheiten und eine Kampf-Flieger-Abteilung. Der Betrieb lässt sich über die gesamte Kriegszeit von 1914 bis 1918 nachweisen.
Dass Mannheim überhaupt zum Luftschifferstandort wurde, hängt mit der Industrie zusammen, ersetzt sie aber nicht. Der Luftschiffbau Schütte-Lanz, am 22. April 1909 von dem Ingenieur Johann Schütte und dem Industriellen Karl Lanz in Mannheim-Rheinau gegründet, war der größte deutsche Konkurrent des Luftschiffbaus Zeppelin. SL 1 stieg am 17. Oktober 1911 erstmals auf; bis 1918 entstanden 22 Luftschiffe für Heer und Marine. Das Kriegsministerium überließ der Firma später die militärischen Hallen in Sandhofen und Darmstadt zur Montage, während die Einzelteile weiter in Rheinau und Brühl gefertigt wurden. Die Belegschaft wuchs von rund 65 Personen im Jahr 1914 auf über 1500 zu Beginn des Jahres 1918. Eine Fabrik allein begründet keine Truppengattung — hier fallen Werk und Garnison aber tatsächlich zusammen, weil das Bataillon selbst am Ort lag.
Von den Formationen, die erst mit der Mobilmachung entstanden, ist die Friedensgliederung sauber zu trennen. Das I. Ersatz-Bataillon des Grenadier-Regiments Nr. 110 wurde am 2. August 1914 in Mannheim aufgestellt; aus dem Luftschiffer-Bataillon ging eine Ersatz-Abteilung für Luftschiffer Nr. 4 mit Rekrutendepot hervor, deren Stempel ab 1916 die Feldpost prägen. Die in Sandhofen eingesetzte Kampf-Flieger-Abteilung war ebenfalls eine Kriegsformation. Eine Fliegertruppe im Friedensbestand von 1914 hatte Mannheim dagegen nicht.
Von der militärischen Vergangenheit ist in Mannheim viel Bausubstanz übrig. Das Zeughaus beherbergt heute einen Teil der Reiss-Engelhorn-Museen und wurde nach umfassender Sanierung am 24. Januar 2007 wiedereröffnet. Die Kaiser-Wilhelm-Kaserne diente ab 1936 der Wehrmacht, wurde 1945 von der US-Armee übernommen und nach dem gefallenen Soldaten Samuel J. Turley benannt; nach dem Abzug 2007 entsteht auf den 12,6 Hektar des Turley-Areals seit 2012 ein gemischtes Quartier mit rund 800 Wohnungen. Das Sandhofener Gelände wurde 1935 zum Fliegerhorst der Luftwaffe ausgebaut und heißt seit 1947 Coleman Barracks. Die Hallen von Schütte-Lanz mussten dagegen 1922 infolge des Versailler Vertrags abgebrochen werden; die Sandhofener Halle ging als Reparationsleistung nach Südfrankreich.
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