Munster liegt an der Örtze in der Lüneburger Heide, etwa auf halbem Weg zwischen Soltau und Uelzen. Im Kaiserreich gehörte der Ort zum Kreis Soltau im Regierungsbezirk Lüneburg der preußischen Provinz Hannover. Meyers Orts- und Verkehrslexikon verzeichnet neben dem Kirchdorf Munster einen zweiten Eintrag, „Munsterlager", ausdrücklich als Truppenübungsplatz. Diese Doppelung erklärt, warum der Name in Garnisonslisten auftaucht, obwohl der Ort selbst klein blieb.
Vor der Ankunft des Militärs war Munster ein Heidedorf mit 470 Einwohnern. Ausschlaggebend für die spätere Entwicklung war die Bahn: Die 1873 eröffnete Strecke Langwedel–Uelzen, im Volksmund Amerikalinie, führte unmittelbar an Munster vorbei und bildete um 1900 die kürzeste Verbindung zwischen Berlin und dem Kriegshafen Wilhelmshaven. Wegen des starken Militärverkehrs wurde sie zwischen 1904 und 1906 zweigleisig ausgebaut.
Ab 1892 kaufte das preußische Kriegsministerium ausgedehnte Heide- und Moorflächen zwischen Munster und Wietzendorf auf, um dem X. Armee-Korps einen eigenen Übungsplatz zu verschaffen. Erworben wurden rund 5.000 Hektar, also etwa 48 Quadratkilometer, weitgehend unbewohntes Land. Die Kabinettsorder zur Einrichtung des Platzes trägt das Datum vom 26. März 1893.
Etwa anderthalb Kilometer vom Ortskern entfernt entstand das Munsterlager. Zur Eröffnung waren rund fünfzig feste Gebäude und 198 Wellblechbaracken fertig. Die erste Belegung erfolgte im Juni 1893 durch das Oldenburgische Infanterie-Regiment Nr. 91, dessen Bataillon der spätere Generalfeldmarschall und Reichspräsident Paul von Hindenburg als Oberstleutnant führte. In den Sommermonaten fassten die Anlagen mehrere tausend Mann; auf dem Höhepunkt der Übungszeit sollen 36.000 Soldaten und 8.000 Pferde gleichzeitig untergebracht gewesen sein.
Erster Kommandant war Oberst Eugen von Schkopp, der das Amt von 1893 bis 1899 versah. Die Kommandantur saß zunächst in der Kreisstadt Soltau; erst am 1. Juli 1909 zog der damalige Kommandant, Generalmajor Ernst Wettich, dauerhaft nach Munsterlager um. Um die Jahrhundertwende diente der Platz auch der Aufstellung und Ausbildung von Verbänden für den Feldzug gegen den Boxeraufstand in China und für die Schutztruppen in Afrika.
Ein Übungsplatz ist damit aber noch keine Garnison. Bis 1912 war das Lager nur während der Übungsmonate belegt, und die Truppenteile wechselten ständig; für 1913 sind 44 verschiedene Verbände überliefert. Den Rang eines Standorts erhielt Munster erst im Herbst 1912, als das Telegraphen-Bataillon Nr. 6 dort einrückte und über den Winter blieb. Für die Einheit wurde im Westen des Hauptlagers eine eigene Unterkunftsanlage gebaut, das Telegraphenlager, dazu ein Fahrzeugschuppen, ein Kammergebäude und eine Schmiede. Damit ist für Munster genau eine Truppengattung der Friedensgliederung belegt: die Verkehrstruppen, zu denen die Telegraphenbataillone zählten.
Über dieses Bataillon widersprechen sich die Quellen. Die Ortschronik und der Regionalhistoriker Matthias Blazek setzen die Aufstellung in den Herbst 1912 und in Munster selbst an; die militärgeschichtliche Literatur nennt den 1. Oktober 1913 als Aufstellungstag und Hannover als Garnison, wobei der vorläufige Übungsplatz noch 1914 in Munster gelegen habe. Beide Lesarten treffen sich darin, dass die Telegraphisten 1913/14 tatsächlich in der Heide lagen — örtliche Zeitungsnotizen vom März 1914 berichten von einem Fußballspiel der Bataillonsmannschaft gegen eine Uelzener Auswahl. Ob Munster oder Hannover als etatmäßige Garnison galt, bleibt offen.
Der Ort wuchs mit dem Lager: 916 Einwohner um 1900, 1.238 im Jahr 1910. Ein Fernsprechnetz mit zehn Anschlüssen kam 1900, ein eigenes Postgebäude 1907, eine Arrestanstalt mit massivem Wachlokal sowie die zweigeschossigen Doppelkompaniebaracken 1910. Ein Gleisanschluss bis ins Lager ließ sich dagegen erst 1918 verwirklichen, und zwar mit Hilfe von Kriegsgefangenen.
Mit der Mobilmachung im August 1914 leerte sich das Lager binnen Tagen, weil die zur Übung anwesenden Infanterie- und Artillerieregimenter abrückten. An ihre Stelle traten Kriegsgefangene: Mitte August trafen die ersten Belgier aus dem Raum Lüttich ein, Anfang September 1.200 Briten aus Nordfrankreich, und im Oktober 1914 erreichte die Belegung mit rund 20.500 Mann ihren Höchststand. Insgesamt gingen etwa 21.000 Gefangene durch das Lager; sie errichteten zwischen August und Dezember 1914 auch den Wasserturm, der bis zu seinem Abbruch 1965 das Ortsbild prägte. 1916 legte ein Gaspionier-Regiment nördlich der Stadt das Lager Breloh an, und im Januar 1917 befahl das Kriegsministerium dort den Bau einer Gasmunitionsanstalt — der Beginn einer Altlast, die Munster bis heute beschäftigt. Diese Einrichtungen gehören jedoch schon in die Kriegszeit und begründen für die Friedensgliederung 1914 keine weitere Truppengattung.
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