Garnison Neustrelitz

Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz
Heeresstandort

Großherzogtum

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

53.3617° N, 13.0630° O

Heutiger Name

Neustrelitz

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Über die Garnison Neustrelitz

Neustrelitz ist eine am Reißbrett entworfene Stadt. Nachdem das Schloss im benachbarten Strelitz 1712 abgebrannt war und Herzog Adolf Friedrich III. seine Residenz nach Glienecke verlegt hatte, rief er am 20. Mai 1733 zur Ansiedlung auf und vergab Bauplätze kostenlos. Aus dem Marktquadrat laufen acht Straßen sternförmig in alle Himmelsrichtungen – eine barocke Idealstadtanlage, die in dieser Reinheit selten ist. Die Stadt blieb klein: 1875 zählte sie 8.525 Einwohner, 1890 waren es 9.481, um 1905 rund 11.500. Militärisch bedeutete das, dass Garnison und Residenz denselben engen Raum teilten.

Das Militär von Mecklenburg-Strelitz war entsprechend bescheiden dimensioniert. Seine Stammlinie reichte auf die am 23. März 1701 von Herzog Adolf Friedrich II. errichtete Leibgarde zu Fuß zurück. 1821 formierte das Land daraus ein Infanterie-Bataillon von 720 Mann. Untergebracht war es zunächst in Bürgerquartieren in Alt-Strelitz und Neustrelitz; als Garnisonort ist Neustrelitz von 1813 an durchgehend belegt. Ein eigenes Armeekorps, eine Festung oder eine Rüstungsindustrie hat es in diesem Kleinstaat nie gegeben – das Kontingent war ein Bataillon, nicht ein Heer.

Nach dem Krieg von 1866 wurden die beiden mecklenburgischen Kontingente zusammengelegt. Am 1. Oktober 1867 entstand das Großherzoglich Mecklenburgische Grenadier-Regiment Nr. 89. Der Schweriner Anteil stellte Stab sowie I. und III. Bataillon, das Strelitzer Bataillon wurde zum II. Bataillon des Regiments – und blieb in Neustrelitz stehen. Damit ist auch die verbreitete Verwechslung geklärt: Das Füsilier-Regiment „Kaiser Wilhelm“ Nr. 90 war das zweite mecklenburgische Regiment, lag aber in Rostock und Wismar und speiste sich aus Mecklenburg-Schwerin. Für Strelitz ist die Nummer 89 die richtige.

Die rechtliche Grundlage schufen mehrere Militärkonventionen. Mecklenburg-Strelitz schloss am 9. November 1868 eine Konvention mit Preußen; ihr folgten die Abkommen vom 19. und 23. Dezember 1872, auf deren Grundlage die mecklenburgischen Truppenteile zum 1. Januar 1873 vollständig in den Etat der preußischen Armee übergingen. Der Großherzog gab damit die Verwaltung seines Kontingents und die Ernennung der Offiziere aus der Hand und behielt im Wesentlichen Ehrenrechte; das Eigentum an den militärischen Gebäuden und Liegenschaften blieb dem Land. Sichtbar blieb die Herkunft im Namenszusatz „Großherzoglich Mecklenburgisch“, im Landeswappen am Helm und in der mecklenburgischen Kokarde.

Im Verwaltungsgefüge des Kaiserreichs gehörte Neustrelitz zum IX. Armee-Korps mit Generalkommando in Altona, das Schleswig-Holstein, die Hansestädte und beide Mecklenburg umfasste. Das Regiment Nr. 89 unterstand der 17. Division in Schwerin und dort der 34. Infanterie-Brigade, zu der auch das Füsilier-Regiment Nr. 90 zählte. Für eine Residenzstadt von rund zehntausend Einwohnern war ein einzelnes Bataillon eine spürbare Größe – es prägte Straßenbild, Wirtschaft und gesellschaftliches Leben stärker als in einer großen Korpsstadt.

Neben der Infanterie lag Artillerie in der Stadt. Bei der Aufstellung des Holsteinischen Feldartillerie-Regiments Nr. 24 im Jahr 1872 wurde die Großherzoglich Mecklenburgische Batterie in Neustrelitz eingegliedert. Sie wechselte im Lauf der Jahrzehnte mehrfach die Nummer – geführt als 2. Batterie (1874–1888), als 9. Batterie (1887–1899) und als 3. Batterie (1888–1914) –, blieb aber bis zur Auflösung des Regiments 1919 am Ort. Auch dieses Regiment gehörte zum IX. Armee-Korps und zur 17. Division; sein Stab lag zunächst in Schwerin, ab 1887 in Güstrow.

Untergebracht waren die Truppen in der Artillerie- und Infanteriekaserne an der Strelitzer Straße 22–25 Ecke Kasernenstraße, die 1846 nach Entwürfen des Landbaumeisters Friedrich Wilhelm Buttel auf dem Gelände eines früheren Friedhofs entstand und 1861 erweitert wurde. Der gelbe Backsteinbau mit 28 Achsen und zwei Risaliten ist bis heute erhalten. Wenige Schritte entfernt, in der Augustastraße 8, errichtete Buttel im selben Jahr das eingeschossige Offizierskasino mit zwei Giebelrisaliten; es diente den Offizieren des Bataillons bis 1919.

Mit der Mobilmachung im August 1914 stellte Neustrelitz ein Ersatz-Bataillon des Regiments Nr. 89 auf. Das Regiment kämpfte ausschließlich an der Westfront. Am 17. Februar 1916 wurde das II. Bataillon – also der Strelitzer Verband – bei Miraumont an der Ancre aufgerieben; die Reste ließen sich nur noch zu einer Kompanie zusammenfassen. Nach dem Waffenstillstand kehrten die Überbleibsel in die Heimatgarnisonen Schwerin und Neustrelitz zurück, wo die Demobilmachung stattfand. Im Februar 1919 war die Auflösung abgeschlossen; damit endete auch die Militärgeschichte des Landes, dessen letzter Großherzog 1918 abdankte.

Die Bauten überlebten ihre Nutzer. Die alte Kaserne diente von 1919 bis 1934 der Ordnungspolizei, ab 1935 dem Infanterieregiment Döberitz beziehungsweise Infanterieregiment 48, für das am Ende der Penzliner Straße zusätzlich neue Kasernen entstanden. 1945 bis 1949 belegte die Rote Armee das Gebäude, von 1960 bis 1990 die Bereitschaftspolizei der DDR. Seit dem Umbau 2009 wird der Bau als Büro- und Geschäftshaus unter dem Namen Husarenmarkt genutzt. Das Offizierskasino ist nach einem Umbau Wohnhaus. Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz und markieren im Stadtbild bis heute den Bereich, den die Garnison einst einnahm.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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