Garnison Freiburg

Großherzogtum Baden
Heeresstandort

Großherzogtum

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

47.9961° N, 7.8494° O

Heutiger Name

Freiburg

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Über die Garnison Freiburg

Freiburg im Breisgau war im Deutschen Kaiserreich weniger eine Truppen- als eine Führungsgarnison. Am 1. Juli 1871 wurde hier die 29. Division errichtet, einer von zwei Divisionsstäben des badischen XIV. Armee-Korps, dessen Generalkommando in Karlsruhe saß. Der Korpsbezirk reichte über Baden hinaus in das Oberelsass, weshalb zur Freiburger Division auch Regimenter in Mülhausen und Müllheim gehörten. Der Stab der Division arbeitete nicht in einer Kaserne, sondern in einem angekauften Bürgerhaus: dem Kommandantenhaus Kaiserstraße 22 an der Ecke zur Friedrichstraße, 1828 erbaut und 1872 vom Reichsmilitärfiskus erworben. Im Erdgeschoss lagen die Geschäftszimmer des Divisionskommandos, das gesamte Obergeschoss nahm die Dienstwohnung des Divisionskommandeurs ein.

Der staatsrechtliche Rahmen war ungewöhnlich weitgehend. Baden schloss am 25. November 1870 eine Militärkonvention mit Preußen im Namen des Norddeutschen Bundes und gab damit seine Militärhoheit weiter ab als Bayern, Sachsen oder Württemberg: Es behielt kein eigenes Kriegsministerium und keinen eigenen Kontingentsverband. Zum 1. Juli 1871 traten die badischen Truppen als XIV. Armee-Korps in die preußische Armee über. Sichtbar blieb die Landeszugehörigkeit dennoch – in den Regimentsnamen, im Landeswappen an der Kopfbedeckung, in der Landeskokarde und in der Rekrutierung überwiegend aus badischen Wehrpflichtigen.

Kontingent und Garnison fielen dabei auseinander. Badische Regimenter lagen auch außerhalb des Großherzogtums, etwa im annektierten Elsass; umgekehrt standen in Freiburg ausschließlich badische Verbände. Die Friedensgliederung von 1914 nennt für die Stadt fünf Dienststellen: den Stab der 29. Division, den Stab der 57. Infanterie-Brigade, den Stab der 29. Feldartillerie-Brigade sowie als einzige Truppenteile das 5. Badische Infanterie-Regiment Nr. 113 und das 5. Badische Feldartillerie-Regiment Nr. 76. Kavallerie stand in Mülhausen, das badische Pionier-Bataillon Nr. 14, das Train-Bataillon Nr. 14 und das Fußartillerie-Regiment Nr. 14 lagen anderswo im Korpsbezirk. Andere Freiburger Einrichtungen – das Bezirkskommando und das Hauptmeldeamt im Peterhof, die Garnisonverwaltung, die Garnisonbäckerei, das Proviantamt – waren Verwaltungsstellen, keine Truppe.

Das Regiment Nr. 113 war 1861 als 5. Großherzoglich-Badisches Infanterie-Regiment aufgestellt worden und rückte 1866 nach Freiburg ein; es blieb bis zur Auflösung 1919 in der Stadt. Seine zwölf Kompanien verteilten sich hälftig auf zwei Standorte: sechs lagen im Karlskasernement in der Innenstadt, sechs in der neu gebauten Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne im Norden. Im Ersten Weltkrieg stand das Regiment durchgehend an der Westfront; die Verlustlisten weisen mehrere tausend Tote, Verwundete und Vermisste aus. Die Tradition führte ab 1921 das badische 14. Infanterie-Regiment der Reichswehr fort.

Artilleriegarnison wurde Freiburg erst spät. Das Feldartillerie-Regiment Nr. 76 entstand Anfang Oktober 1899 mit einem Regimentsstab, zwei Abteilungsstäben zu je drei Batterien und leichten Munitionskolonnen; erster Kommandeur war Max von Gallwitz, der von 1901 bis 1903 dann die gleichzeitig in Freiburg aufgestellte 29. Feldartillerie-Brigade führte und 1915 Ehrenbürger der Stadt wurde. Für die berittene Truppe entstand eine eigene Anlage weit vor der damaligen Stadtgrenze, an der Elsässer Straße am Rand des Mooswalds; die erhaltenen Gebäude dort tragen die Jahreszahl 1903.

Baulich prägte das Militär vor allem den Norden und die nördliche Altstadt. Die alte Karlskaserne war 1776 von den breisgauischen Ständen errichtet worden, also noch in vorderösterreichischer Zeit, und erhielt ihren Namen erst nach den Kämpfen Erzherzog Karls am Oberrhein 1796; 1867 kam die neue Karlskaserne am Karlsplatz hinzu. Die Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne wuchs zwischen 1888 und 1895 von einem Exerzierhaus zu einem vollständigen Kasernement mit drei Mannschaftsgebäuden, Wirtschaftsgebäude, Familienwohnhaus für siebzehn verheiratete Unteroffiziere und einer Arrestanstalt mit 28 Zellen, die auch Räume für das Divisionsgericht enthielt. Das Garnisonlazarett in der Vorstadt Herdern, 1874 bis 1876 erbaut, hatte 83 Betten. Zwei ältere Behelfsquartiere, die Rempart- und die Burgkaserne, gab der Militärfiskus 1895 an die Stadt ab. Der Exerzierplatz lag nordwestlich der neuen Kaserne, die Schießstände am Mooswald.

Wie eng Garnison und Stadtbild verzahnt waren, zeigt das Siegesdenkmal. Es wurde am 3. Oktober 1876 unmittelbar vor der Karlskaserne eingeweiht, in Anwesenheit Wilhelms I., Großherzog Friedrichs I. und Bismarcks. Der Karlsruher Bildhauer Karl Friedrich Moest hatte den Wettbewerb gewonnen; der Bronzeschmuck wurde aus erbeuteten französischen Geschützrohren gegossen, die Kosten lagen bei 85.000 Mark. Geehrt wurde das XIV. Armee-Korps unter August von Werder und dessen Gefecht bei Belfort im Januar 1871 – gemeint ist damit der Kriegsverband von 1870/71, nicht das gleichnamige Friedenskorps, das erst danach entstand. Am Vorgartengitter der Karlskaserne hingen Eisengusstafeln mit den Namen der 1870/71 gefallenen Angehörigen des Regiments Nr. 113.

Mit der Mobilmachung im August 1914 stellte Freiburg Ersatzformationen auf; ein I. Ersatz-Bataillon des Regiments Nr. 113 entstand am 2. August 1914, ein zweites im Februar 1915. Die 29. Division kämpfte ausschließlich an der Westfront und wurde nach dem Waffenstillstand bis Ende 1918 aufgelöst. Danach folgte ein Bruch, der Freiburg von den meisten deutschen Garnisonsstädten unterscheidet: Der Versailler Vertrag verbot Truppen und Befestigungen in einem 50 Kilometer breiten Streifen rechts des Rheins. Freiburg lag mitten darin und verlor seine Garnison vollständig – nicht nur einzelne Regimenter, sondern jede militärische Belegung. Erst nach der Remilitarisierung des Rheinlands zog 1936 wieder Militär ein; die 1937 begonnene Schlageter-Kaserne, ab 1945 von der französischen Armee als Vauban-Kaserne genutzt, gehört bereits in diese spätere Schicht.

Von den Bauten des Kaiserreichs steht das meiste noch, in ziviler Verwendung. Die Karlskaserne wurde beim Luftangriff vom 27. November 1944 schwer zerstört; nur der Westflügel entstand 1950/51 vereinfacht wieder und beherbergt heute das Amt für Kinder, Jugend und Familie. Auf dem Gelände der Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne liegt das Verwaltungszentrum Nord mit dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau und dem Finanzamt Freiburg-Stadt; bis 2014 saß hier das Kreiswehrersatzamt. Auf dem früheren Exerzierplatz liegt der Flugplatz Freiburg. Und die Artillerieanlage im Mooswald, in der NS-Zeit nach Gallwitz benannt, ist heute das Wohnquartier Breisacher Hof: rund 2,5 Hektar mit sieben weitgehend erhaltenen Kasernengebäuden um den ehemaligen Exerzierhof, seit den Nachkriegsjahren Wohnungen und inzwischen förmliches Sanierungsgebiet der Stadt.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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