Garnison Grafenwöhr

Königreich Bayern
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Koordinaten

49.7210° N, 11.9018° O

Heutiger Name

Grafenwöhr

Aktuelles Wetter in Grafenwöhr

Wetterdaten werden geladen...

Über die Garnison Grafenwöhr

Grafenwöhr kam spät zum Militär. Die kleine Oberpfälzer Stadt lag jahrzehntelang abseits jeder Garnison, bis die bayerische Armee am 1. April 1900 ihr III. Armeekorps mit Sitz in Nürnberg aufstellte. Die beiden älteren Korps in München und Würzburg verfügten mit dem Lechfeld und Hammelburg über eigene Übungsplätze; das neue Korps brauchte ein eigenes Gelände. Am 5. Juli 1904 empfahl Generalmajor Lobenhofer als Vorsitzender des Erkundungskommandos dem Kriegsministerium das waldreiche, dünn besiedelte Gebiet um Grafenwöhr, und am 9. Dezember 1906 genehmigte Prinzregent Luitpold die Errichtung des Platzes schriftlich.

Ab Anfang 1907 kaufte der Staat die Flächen zusammen: Von den geplanten rund 9.000 Hektar waren etwa zwei Drittel bereits Staatswald, der Rest musste von 695 Eigentümern für über sechs Millionen Mark erworben werden. Rund 240 Menschen verloren ihre Heimat; neun Weiler und Ortschaften wurden aufgelöst, darunter Annahütte, Wolfslegel, Grünhund, Ziegelhütte, Erzhäusl und die Flügelsburg. Mit Verordnung vom 27. März 1908 erhielt das Gelände die offizielle Bezeichnung „Truppenübungsplatz Grafenwöhr“, zugleich wurde eine Garnisonsverwaltung eingerichtet.

Für den Lagerbau verpflichtete das Kriegsministerium 1907 den in Nürnberg tätigen Architekten Jürgen Sievers, der für die Unterkünfte fränkisches Fachwerk wählte — bis heute das Erscheinungsbild des alten Lagers. 1909 wurde der Bahnanschluss vollzogen und eine Feldbahn ins Gelände begonnen, 1911 der Wasserturm vollendet, der zum Wahrzeichen des Platzes wurde. Zum 1. April 1910 erhielt der Platz ein eigenes Militärforstamt für die über 5.700 Hektar Wald. Als Geburtsstunde gilt der 30. Juni 1910: Soldaten des 2. bayerischen Fußartillerie-Regiments feuerten aus einer Feldhaubitze den offiziellen ersten Schuss ab.

Im Frühjahr 1910 trat mit Generalmajor Oskar Menzel, einem gebürtigen Weidener, der erste Kommandant des Übungsplatzes seinen Dienst an; er blieb bis Kriegsende 1918 im Amt. Anders als bei den preußischen Plätzen Alten-Grabow oder Gruppe blieb es aber nicht bei Kommandantur und Verwaltung: In den letzten Friedensjahren wurde das 3. Feldartillerie-Regiment „Prinz Leopold“, ein 1848 in München errichteter Traditionsverband, auf den Truppenübungsplatz verlegt. Die Friedensgliederung von 1914 führt das Regiment mit Standort Grafenwöhr, unterstellt der 6. Feldartillerie-Brigade des III. Armeekorps, deren zweites Regiment in Nürnberg lag. Grafenwöhr war damit im letzten Friedensjahr des Kaiserreichs eine echte Garnison. Zum 1. Oktober 1914 wurde Amberg als Garnison des Regiments bestimmt — da stand der Verband allerdings bereits im Feld; er kämpfte den ganzen Krieg über an der Westfront und wurde ab Januar 1919 in Amberg demobilisiert.

Den Alltag des Platzes prägte der Übungsbetrieb: Die Verbände des III. Armeekorps rückten kompanie-, regiments- und brigadeweise zu Schieß- und Gefechtsübungen an. Das Barackenlager bei der Stadt wuchs von 1908 bis 1915 auf rund 250 Gebäude für etwa 9.000 Soldaten und fast 4.000 Pferde an — mit Munitionsanstalt, Stalllager, Reithäusern, Kläranlage und Kanalisation. Für das 900-Einwohner-Städtchen Grafenwöhr bedeutete der Platz einen wirtschaftlichen Aufschwung, der den Ort bis heute prägt.

Mit Kriegsbeginn 1914 entstand auf dem Platz das größte Kriegsgefangenenlager Bayerns. Ende 1914 waren dort 21.501 kriegsgefangene Soldaten — vor allem Franzosen und Russen — sowie über 1.700 Zivilgefangene interniert, unter ihnen 99 Kinder; die Belegungsfähigkeit war auf 23.600 Mann veranschlagt. Das Lager bestand aus drei Teilen: dem Stallager in umgenutzten Pferdeställen, dem Hüttenlager aus 61 Holzbaracken und dem Zivilgefangenenlager, dazu das Arbeitslager Flügelsburg für den Torfstich. Kommandant war zunächst Platzkommandant Menzel in Personalunion, ab 27. Januar 1915 der reaktivierte Oberst Ferdinand Hocheder; die Bewachung stellten ältere Landsturm- und Landwehrleute. Eiseskälte in den Baracken, Strohsäcke als einzige Schlafunterlage und schwere Mängel bei Heizung und Hygiene rügten dänisch-russische Kommissionen und das Internationale Rote Kreuz gleichermaßen; rund 800 Gefangene starben und wurden auf einem eigenen Friedhof am Platzrand beerdigt. Ab 1915 wurden Tausende zur Arbeit abgestellt — in elsässische Bergwerke, die bayerische Braunkohlenindustrie und die Landwirtschaft —, sodass das Lager bei seiner Verlegung nach Bayreuth am 1. April 1918 noch 6.466 Gefangene zählte. Das geräumte Stallager diente ab 1916 der Ausbildung deutscher Rekruten.

Nach der Auflösung der bayerischen Armee übernahm die Reichswehr den Platz. Die Wehrmacht erweiterte ihn 1936 bis 1938 von rund 96 auf etwa 230 Quadratkilometer; dafür mussten mehr als 3.500 Menschen ihre Dörfer verlassen — ein Vielfaches der Umsiedlung von 1907. Im April 1945 besetzte die US Army das Gelände und nutzt es seither: Die Grafenwoehr Training Area ist heute der größte Truppenübungsplatz der USA in Europa, Sitz des 7th Army Training Command in den nach dem alten Wasserturm benannten Tower Barracks und wird auch von Bundeswehr und weiteren NATO-Staaten genutzt. Die Fachwerkbauten des kaiserzeitlichen Lagers und der Wasserturm von 1911 stehen noch; an die Frühzeit erinnert das Kultur- und Militärmuseum in der Stadt.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

Werbehinweis: Die vorstehenden Buchverweise führen zur Suche bei Amazon. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Benachbarte Garnisonen

Depesche einbinden

Es ist ausdrücklich gestattet und erwünscht, diese Garnisons-Depesche in eigene Publikationen zu übernehmen. Man kopiere den nachstehenden Quelltext und füge ihn an geeigneter Stelle ein — die Kachel verweist sodann auf diese Seite.