Grünberg in Schlesien im Kaiserreich

Königreich Preußen
Ohne Garnison im Kaiserreich

Königreich

Preußen

Truppengattung

Ohne Garnison

Koordinaten

51.9355° N, 15.5064° O

Heutiger Name

Grünberg in Schlesien

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Über Grünberg in Schlesien

Grünberg in Schlesien lag im nordwestlichen Zipfel der preußischen Provinz Schlesien, nahe der Grenze zur Provinz Posen und zur Neumark. Seit 1816 war die Stadt Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises im Regierungsbezirk Liegnitz; an dieser Zuordnung änderte sich während der gesamten Kaiserzeit nichts. Was Grünberg von allen anderen Kreisstädten des Reiches unterschied, war der Weinbau. Die Rebflächen reichten nach der Überlieferung bis ins Mittelalter zurück, die ersten Weinberge entstanden um 1314. Um 1900 wurde der Weinbau auf rund 700 Hektar innerhalb des Stadtgebiets und auf etwa 800 Hektar in der Umgegend betrieben; die Ernte lieferte neben Speisetrauben für den Versand jährlich etwa 30.000 bis 35.000 Hektoliter Wein. Damit war Grünberg das nördlichste geschlossene Weinbaugebiet im deutschen Sprachraum, ein Sonderfall zwischen Kiefernwald, Braunkohle und Tuchfabriken.

Aus dem Weinbau erwuchs ein zweiter, überregional bekannter Zweig: die Schaumweinherstellung. Friedrich August Grempler, Karl Samuel Häusler und Friedrich Gottlob Förster begannen 1826 in Grünberg mit der Produktion; 1828 entstand daraus das Unternehmen Grempler & Co., das sich als „Älteste Deutsche Sektkellerei“ bezeichnete. Verarbeitet wurde vor allem der „Schwarze Clevner“, ein Schwarzburgunder. Der Anspruch auf das höchste Alter blieb nicht unwidersprochen, da im selben Jahr 1826 auch die Kellerei Kessler in Esslingen am Neckar gegründet wurde; Einspruch gegen die Grünberger Bezeichnung erhob sie jedoch nicht. Die Produktion in Grünberg lief bis 1944. Neben dem Sekt nennen die zeitgenössischen Ortsbeschreibungen für die Kaiserzeit auch eine Kognakbrennerei und eine Bierbrauerei.

Militärisch trat Grünberg im Kaiserreich nicht in Erscheinung. Die Stadt war keine Garnisonsstadt, sondern eine Verwaltungs- und Industriestadt ohne stehende Truppe. Das Ortslexikon der Kaiserzeit weist für Grünberg das zuständige Bezirkskommando in Neusalz aus, also außerhalb des eigenen Kreises; ein Landwehr- oder Bezirkskommando am Ort ist nicht belegt. Der gesamte Regierungsbezirk Liegnitz gehörte zusammen mit dem Regierungsbezirk Posen zum Korpsbezirk des V. Armee-Korps, dessen Generalkommando bis zur Auflösung Ende Dezember 1918 in Posen saß. Die Friedensgliederung 1914 der in Glogau stehenden 9. Division führt als Standorte ihrer Regimenter Glogau, Fraustadt, Görlitz, Lauban, Liegnitz, Jauer, Striegau, Lüben und Züllichau auf — Grünberg fehlt in dieser Aufzählung.

Erst der Krieg brachte Uniformen dauerhaft in die Stadt. Die Wehrpflichtigen aus Grünberg wurden unter anderem zum Ersatzbataillon des 3. Posenschen Infanterie-Regiments Nr. 58 eingezogen, dessen Friedensgarnison in Glogau und Fraustadt lag und das zur 9. Division des V. Armee-Korps gehörte. Dieses Ersatzbataillon lag bis zum 1. September 1917 in Grünberg und wurde dann endgültig nach Glogau verlegt; eine Meldestelle bestand in der Züllichauer Straße. Es handelte sich damit um eine vorübergehende Kriegsbelegung, nicht um eine gewachsene Garnison. Eine militärische Infrastruktur mit Kasernen, Exerzier- und Schießplätzen entstand in Grünberg erst nach 1935, als 1936 eine Sanitätsstaffel, ein Wehrmeldeamt und eine Heeres-Standortverwaltung eingerichtet wurden und im November 1938 ein Ergänzungsbataillon aufgestellt wurde.

Wirtschaftlich trug die Stadt die Tuchmacherei. Schon im 17. Jahrhundert zählte Grünberg 800 Tuchmacher; 1823 waren noch 841 Meister im Gewerbe tätig. Mit der Fabrikproduktion verschob sich das Gewicht rasch: 1873 arbeiteten 1.790 Beschäftigte in Fabrikanlagen, 1888 bereits 2.991. Die Ortsbeschreibungen um 1900 nennen eine bedeutende Fabrikation von Tuch, Woll- und Halbwollwaren, Filz und Teppichen, dazu Glas- und Papierherstellung, Zwirnerei und Seilerei, Fabriken für Brückenbau und Maschinen sowie Braunkohlenbergbau und Obstbau. Grünberg war damit ein Textilstandort mit breit gefächertem Nebengewerbe und einer landwirtschaftlichen Sonderkultur — eine Mischung, die im Osten des Reiches selten war.

Die Einwohnerzahl folgte dieser Entwicklung. 1871 lebten 11.735 Menschen in Grünberg, 1890 waren es 16.092, 1900 dann 20.983; für 1905 werden 21.631 Einwohner angegeben, womit die Stadt den 202. Platz unter den größten Städten des Deutschen Reiches einnahm. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgte am 1. Oktober 1871 mit der Strecke von Liegnitz über Glogau und Grünberg nach Rothenburg an der Oder; 1874 wurde die Verbindung bis Reppen verlängert, so dass Grünberg an der Staatsbahnlinie Glogau–Reppen lag und Umsteigeverbindungen nach Berlin, Cottbus, Guben, Leipzig und Posen bestanden. Um 1900 verfügte die Stadt über zwei evangelische Kirchen, eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Realgymnasium, ein Amtsgericht und eine Nebenstelle der Reichsbank.

Heute heißt der Ort Zielona Góra und ist mit 138.932 Einwohnern (Stand 1. Januar 2024) Hauptstadt der Woiwodschaft Lebus. Die Universität wurde 2001 gegründet, die Stadt besitzt eine Philharmonie und liegt an der elektrifizierten Hauptbahn Wrocław–Szczecin. Der Weinbau ist geblieben, wenn auch in kleinerem Maßstab: Rund 200 Hektar bilden eines der größten zusammenhängenden Anbaugebiete Polens, das als das nördlichste geschlossene Weinbaugebiet der Welt gilt. Jedes Jahr im September wird das Weinfest Winobranie gefeiert, das zugleich als mehrtägiges Stadtfest begangen wird.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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