Standorte im Deutschen Kaiserreich (Stand 1914)
Nicht jeder Ort, der in militärischen Verzeichnissen des Kaiserreichs auftaucht, war eine Garnison. Diese Übersicht sammelt die Standorte, bei denen die Prüfung ergeben hat, dass zwischen 1871 und 1918 keine Truppe dauerhaft stationiert war — und erklärt, warum sie trotzdem in den Listen stehen.
Der häufigste Grund ist das Bezirkskommando: eine reine Verwaltungsbehörde, die gemeinsam mit den Zivilbehörden Musterung und Aushebung abwickelte, den Beurlaubtenstand überwachte und Ausrüstung verwahrte. Ein solches Kommando ließ einen Ort in den Verzeichnissen des Heeres erscheinen, begründete aber keine Garnison. Daneben gibt es Sonderfälle wie ein monatlich wechselndes Wachkommando aus einer Nachbargarnison, das an einer fürstlichen Residenz den Wachdienst versah.
Manche dieser Orte waren militärisch dennoch bedeutsam — nur eben nicht als Truppenstandort: Rottweil etwa beherbergte die Pulverfabrik Duttenhofers, die im Ersten Weltkrieg zusammen mit dem Kölner Werk einen Großteil des deutschen Pulverbedarfs deckte. Wer hier nach Kasernen sucht, sucht vergebens; wer nach Rüstungsgeschichte sucht, wird fündig.
Residenz des Fürstentums Reuß älterer Linie. Statt einer Garnison versah ein monatlich wechselndes Wachkommando des Infanterie-Regiments Nr. 96 aus Gera die Hauptwache am Burgplatz — belegt von 1866 bis zum Ersten Weltkrieg.
Weinbau- und Tuchstadt (heute Zielona Góra) ohne Friedensgarnison; der Ort unterstand dem Bezirkskommando in Neusalz.
Goldstadt der Schmuck- und Uhrenindustrie im Bereich des XIV. Armee-Korps — weder Garnison noch Kaserne; ein Bezirkskommando ist ab 1913 belegt.
Kur- und Badeort im Fürstentum Waldeck-Pyrmont ohne Garnison; das waldeckische Kontingent lag als III. Bataillon des preußischen Infanterie-Regiments Nr. 83 in Arolsen.
Keine Garnison: Sitz eines Königlichen Bezirkskommandos der Landwehr und Standort der Pulverfabrik Max Duttenhofers, die rauchschwaches Pulver für das Heer lieferte.