Die Wahner Heide zwischen Köln, Troisdorf, Rösrath und Lohmar gehört zu den ältesten Militärflächen Preußens im Rheinland. Ab 1817 erwarb die preußische Militärverwaltung Teile der Heide als Schießplatz für die 1816 aufgestellte und in Köln stationierte 7. Königlich Preußische Artillerie-Brigade; 1818 trat die Gemeinde Wahn rund 127 Hektar Heide- und Waldland an den Staat ab. Der Platz maß anfangs etwa 835 mal 1520 Meter. Geübt wurde mit Feldkanonen und Haubitzen vom 3- bis zum 12-Pfünder, an Sonntagen ab 15 Uhr; die übenden Truppen waren in den ersten Jahren bei Privatleuten in den umliegenden Gemeinden Heumar, Rath und Wahn einquartiert.
Im 19. Jahrhundert wuchs der Platz mit der Reichweite der Geschütze. Ab 1833 schossen hier Feld- und Festungsartillerie sowie reitende Abteilungen, neben der 7. übte regelmäßig auch die 8. Artillerie-Brigade. Die gezogenen Geschütze der 1860er Jahre erzwangen Erweiterungen; 1873 verdoppelte sich die Länge des Schießplatzes nach Osten. Ab 1877 entstand ein Feldbahnnetz, das 1916 rund 24 Kilometer Gleise mit acht Lokomotiven umfasste. Um 1900 ersetzten Steinbauten einen Teil der Baracken des Übungslagers.
Eine Friedensgarnison war Wahn dennoch nie. Die Verwaltung lag zunächst bei der 8. Artillerie-Brigade, ab 1873 bei einer eigenen Schießplatzverwaltung, ab 1901 bei einer Kommandantur; 1909 ist Oberst z. D. Waldemar Christ als Kommandant des Fußartillerie-Schießplatzes Wahn nachweisbar — ein reaktivierter Offizier außer Dienst, wie er für Platzkommandanturen typisch war. Die Belegung wechselte mit den Schießperioden: Fuß- und Feldartillerie der rheinischen Korpsbezirke rückte zu den Übungen an und kehrte danach in ihre Garnisonen wie Köln oder Koblenz zurück. Ein ständig in Wahn stationierter Truppenteil ist für die Friedensgliederung nicht belegt.
Die oft behauptete Rolle als Platz der Kruppschen Abnahmeschießen beruht auf einer Namensverwechslung: Die Friedrich Krupp AG erprobte ihre weittragenden Geschütze ab 1877 auf ihrem eigenen Schießplatz bei Meppen im Emsland — unmittelbar neben der dortigen Hümmling-Gemeinde Wahn, deren Pfarrhaus bei Versuchen sogar einmal getroffen wurde. Für den rheinischen Schießplatz Wahn bei Köln sind Kruppsche Abnahme- oder Versuchsschießen nicht belegt; hier schoss die Truppe selbst.
Eine Besonderheit brachte das Jahr 1913: Auf dem Platz entstand die Artilleriefliegerstation Wahn mit einer kleinen Flugzeughalle von 18 mal 22 Metern und einer nur 150 Meter langen Startbahn; 1914 kamen zwei Ballonhallen hinzu. Flugzeuge des Fliegerbataillons Nr. 3 flogen vom Kölner Butzweilerhof zu den scharfen Schießübungen ein, um Beobachter für das Zusammenwirken von Artillerie und Flugzeug auszubilden. Ein eigener Fliegerverband lag nicht in Wahn — aus diesem bescheidenen Flugbetrieb entwickelte sich aber die Keimzelle des heutigen Flughafens Köln/Bonn.
Im Ersten Weltkrieg wurde die Heide Sperrgebiet und Schauplatz düsterer Kapitel. Ab Oktober 1914 fanden hier frühe Reizstoff- und Gasversuche statt, unter anderem mit Chlor, später mit Phosgen und Gasgranaten. Auf dem Platz entstand ein großes Kriegsgefangenenlager: Allein im Nordlager waren bis 1917 etwa 10.000 Gefangene untergebracht, insgesamt werden bis zu 50.000 Gefangene verschiedenster Nationalitäten genannt — ein Vorläufer war schon 1870/71 ein Barackenlager für 2.300 französische Gefangene westlich des Mauspfads gewesen. Am 5. September 1917 wurden auf dem Schießplatz Wahn die Todesurteile gegen die Matrosen Max Reichpietsch und Albin Köbis vollstreckt, die als Wortführer der Flottenproteste verurteilt worden waren.
Nach 1918 besetzten zunächst kanadische, ab Januar 1919 britische und ab 1920 französische Truppen das Gelände; mit dem Ende der Besatzung 1926 lag der Platz in der entmilitarisierten Zone still, Teile wurden Anfang der 1930er Jahre unter Naturschutz gestellt. Nach der Rheinlandbesetzung 1936 übernahm die Wehrmacht den Platz erneut, legte einen Fliegerhorst an und erweiterte das Gelände von 2035 auf 5200 Hektar; dafür wurde 1938 das Dorf Altenrath geräumt.
Ab 1945 baute die Royal Air Force den Fliegerhorst mit einer 1830 Meter langen Betonbahn zu einer ihrer Hauptbasen in Deutschland aus. 1957 übergab sie das Gelände der Bundeswehr, die dort die bis heute bestehende Luftwaffenkaserne Wahn einrichtete; auf dem Nordteil des alten Schießplatzes wuchs der zivile Flughafen Köln/Bonn. Den Südteil der Heide nutzten von 1953 bis 2004 belgische Streitkräfte als Übungsgelände; heute ist die Wahner Heide zugleich Standortübungsplatz und eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete des Rheinlands.
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