Deutsch-Krone, die Kreisstadt im äußersten Westen Westpreußens, war im Kaiserreich keine Garnisonstadt im eigentlichen Sinn. Die Garnisonsliste von 1913/14 führt für den Ort lediglich ein Bezirkskommando auf – eine Ersatz- und Kontrollbehörde, keinen Truppenteil. Damit stand die Stadt für einen im preußischen Osten häufigen Typus: eine Kreisstadt, deren militärische Rolle sich im Verwaltungs- und Ersatzwesen erschöpfte, während die Regimenter in den Nachbarstädten lagen.
Verwaltungsmäßig gehörte Deutsch-Krone zum Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen; der Kreis Deutsch-Krone war 1772 mit dem Netzedistrikt an Preußen gekommen und lag als Grenzkreis zwischen Pommern und der Provinz Posen. Militärisch orientierte sich dieser westliche Zipfel Westpreußens nicht nach Danzig, dem Sitz des XVII. Armeekorps, sondern nach Stettin: Das für die Gegend zuständige 6. Westpreußische Infanterie-Regiment Nr. 149 im nahen Schneidemühl unterstand über die 7. Infanterie-Brigade und die 4. Division (beide Bromberg) dem II. Armeekorps.
Das Bezirkskommando verwaltete den Landwehrbezirk Deutsch-Krone: Gemeinsam mit dem Landrat organisierte es Musterung und Aushebung, führte die Kontrolle über Reservisten und Landwehrleute und bereitete die Mobilmachung vor. Eine solche Behörde bestand aus wenigen Offizieren – meist älteren oder reaktivierten – und Militärbeamten. Kasernen, Exerzierplätze oder ein städtisches Garnisonsleben, wie es Schneidemühl oder Bromberg prägte, brachte sie nicht hervor.
Genau hier liegt ein Quellenwiderspruch, der sich auflösen lässt. Die Friedensgliederung der 4. Division nennt für 1914 das III. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 149 in Deutsch-Krone; die Garnisonsliste 1913/14 führt das Regiment dagegen vollständig in Schneidemühl. Der Schlüssel steckt in einem Vermerk der zeitgenössischen Stamm- und Ranglistenüberlieferung: Dem III. Bataillon des am 31. März 1897 errichteten Regiments war Deutsch-Krone als Standort bestimmt, es blieb jedoch "vorläufig" in Schneidemühl – und dieses Provisorium dauerte bis zum Kriegsausbruch 1914. Kasernen wurden in Deutsch-Krone im Kaiserreich nie gebaut, die Stadtgeschichte von Wałcz kennt Militär erst ab den 1930er Jahren. Die Divisionsgliederung gibt also eine Papierzuweisung wieder, keinen tatsächlichen Truppenstandort.
Wirklichkeit wurde die Stationierung erst nach dem Ersten Weltkrieg. Das 4. (Preußische) Infanterie-Regiment der Reichswehr, mit Grenzschutzaufgaben in den Abschnitten Hammerstein und Deutsch-Krone betraut, legte sein III. Bataillon mit Stab sowie 9. und 10. Kompanie nach Deutsch-Krone, die 11. und 12. Kompanie nach Schneidemühl – eine auffällige Spiegelung der nie vollzogenen kaiserzeitlichen Planung; belegt ist diese Gliederung für die Endphase des Regiments bis 1934. 1932 wurde die Stadt zum Festungsbereich erklärt, 1934 bis 1936 entstand ein Kasernenkomplex, 1935 verlegte die Wehrmacht eine Artillerie-Abteilung hierher. Deutsch-Krone wurde zugleich Stützpunkt der Pommernstellung (Wał Pomorski); auf dem Kasernengelände stand die Befehlsstelle des Abschnitts mit einem 18 Meter hohen betonierten Turm als Artillerie-Befehlsstand.
Das zivile Deutsch-Krone des Kaiserreichs war vor allem Schul- und Behördenstadt. Aus dem 1618 begründeten Jesuitenkolleg – im 17. und 18. Jahrhundert als "Wałczer Athen" überregional bekannt – war 1781 ein königliches Gymnasium hervorgegangen, das 1855 wieder zum Vollgymnasium erhoben wurde. 1828 erhielt die Stadt Anschluss an die Fernstraße Berlin–Königsberg, 1881 mit der Strecke von Schneidemühl die Eisenbahn und entwickelte sich bis 1898 zum kleinen Bahnknoten; um 1898 zählte sie rund 7.300 Einwohner, die von Landwirtschaft, Handwerk, Handel und den Kreisbehörden lebten.
Seit 1945 ist die Stadt als Wałcz polnisch; im Februar 1945 durchbrach die Rote Armee hier die Pommernstellung, etwa ein Viertel der Bebauung wurde zerstört. Ausgerechnet heute ist Wałcz, was Deutsch-Krone im Kaiserreich nie war: eine Garnisonstadt. In den Kasernen der 1930er Jahre liegen das im Jahr 2000 aufgestellte 100. Fernmeldebataillon und das 2007 gebildete 104. Sicherstellungsbataillon, die dem Multinationalen Korps Nordost in Stettin zuarbeiten, dazu Teile der 1. Regionalen Logistikbasis und das 107. Militärkrankenhaus. Die Bunker der Pommernstellung sind teils als Museum (Grupa Warowna Cegielnia) zugänglich; daneben lebt die Stadt an den Seen Raduń und Zamkowe vom Tourismus und vom Olympia-Trainingszentrum Bukowina.
Werbehinweis: Die vorstehenden Buchverweise führen zur Suche bei Amazon. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.