Samter, seit 1918 Szamotuły, lag rund 32 Kilometer nordwestlich von Posen an der Samica im Regierungsbezirk Posen der preußischen Provinz Posen. Die Stadt war Sitz des Landrats des Kreises Samter, der bei der Neuordnung der Kreiseinteilung zum 1. Januar 1818 gebildet worden war und bis 1918 bestand. Nach dem Wiener Kongress war das Gebiet 1815 an das Königreich Preußen zurückgefallen; die Angabe Königreich Preußen in unseren Daten trifft also zu, ebenso die Zuordnung zur Provinz Posen.
Die Stadt war klein und wuchs im 19. Jahrhundert langsam. Um 1800 zählte Samter knapp tausend Einwohner, 1910 waren es 6.878, davon 2.287 Deutsche, also ein Drittel; zwei Drittel der Bevölkerung waren Polen. Meyers Orts- und Verkehrslexikon von 1912 verzeichnet für die Stadt eine Fläche von 752 Hektar, zwei katholische Pfarrkirchen, eine evangelische Pfarrkirche und eine Synagoge, dazu ein Amtsgericht im Bezirk des Landgerichts Posen, ein Standesamt und ein Bezirkskommando. Seit 1848 lag Samter an der Bahnstrecke Posen–Stettin, einer der ältesten Eisenbahnverbindungen der Region.
Das Bezirkskommando ist der einzige militärische Eintrag, den die zeitgenössischen Nachschlagewerke für Samter kennen — und es ist keine Truppe. Ein Bezirkskommando war die dem Generalkommando nachgeordnete Militärbehörde eines Landwehrbezirks. Es führte zusammen mit dem Landrat das Ersatzgeschäft, musterte die Wehrpflichtigen, kontrollierte die Beurlaubten, verwahrte Bekleidung und Ausrüstung der Reserve- und Landwehrformationen und rief zu Übungen und im Mobilmachungsfall die Mannschaften ein. Bedienstet war es mit einem Bezirkskommandeur und wenigen Offizieren und Beamten, nicht mit einer Kompanie oder Eskadron.
Der Kreis Samter gehörte zum Korpsbezirk des V. Armee-Korps mit dem Generalkommando in Posen, dem die 9. Division in Glogau und die 10. Division in Posen unterstanden. Die Truppen dieses Korpsbezirks lagen jedoch in anderen Städten. Für Posen selbst nennt eine Übersicht von 1905 das Grenadier-Regiment Nr. 6, die Infanterie-Regimenter Nr. 46 und 47, ein Kavallerieregiment, das Feldartillerie-Regiment Nr. 20, das Fußartillerie-Regiment Nr. 5 und ein Train-Bataillon. Samter erscheint in keiner dieser Aufstellungen als Standort.
Auch die polnische Überlieferung zum Großpolnischen Aufstand stützt diesen Befund. Das Institut für Nationales Gedenken hält für die Region Szamotuły ausdrücklich fest, dass das Fehlen ständiger militärischer Garnisonen die Vorbereitung des Aufstands begünstigte. Am 27./28. Dezember 1918 ging die Macht in der Stadt in polnische Hand über, unter anderem indem ein von Kreuz nach Posen rollender Militärtransport entwaffnet wurde. Mit dem Vertrag von Versailles vom 28. Juni 1919 kam Samter förmlich an den polnischen Staat.
Eine militärische Vorgeschichte hat der Ort dennoch, sie liegt aber vor der Reichsgründung. Bis zur Heeresreform von 1860 bestand in Samter ein Landwehr-Stammbataillon; für 1854 ist ein Bataillon des 18. Landwehr-Regiments dort nachgewiesen. Bei der Reform gingen die Stammbataillone Posen, Samter und Unruhstadt in einem kombinierten Infanterie-Regiment auf, aus dem das spätere Infanterie-Regiment Nr. 46 hervorging. Nach 1871 blieb von dieser Verbindung nur die Verwaltungsstelle des Landwehrbezirks in der Stadt zurück.
Dass Samter bei der Mobilmachung im August 1914 als Ersatz- und Aufstellungsort in Erscheinung trat, ändert daran nichts. Landwehrformationen des V. Armee-Korps wurden aus den Landwehrbezirken Posen, Samter und Unruhstadt aufgefüllt, doch solche Kriegsformationen entstanden erst nach dem 1. August 1914 und begründen keine Friedensgarnison. Maßgeblich ist die Friedensgliederung, und in ihr steht in Samter kein Truppenteil.
Für unsere Daten heißt das zweierlei. Die Koordinaten sind korrigiert: Samter liegt bei 52,6119 Nord und 16,5794 Ost, nicht bei Naumburg an der Saale. Und die Einordnung als Heeresgarnison ist nicht zu halten — belegt ist ein Bezirkskommando, also eine Militärbehörde ohne stationierte Truppe. Wer die Stadt heute besucht, findet keine Kasernen aus preußischer Zeit, sondern das Schloss der Familie Górka mit dem Turm der Schwarzen Dame, die gotische Stiftskirche von 1423–1430 und die barocke Klosteranlage von 1675–1682.
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