Garnison Posen

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Koordinaten

52.4064° N, 16.9252° O

Heutiger Name

Posen

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Über die Garnison Posen

Posen, das heutige Poznań, war im Deutschen Kaiserreich die Hauptstadt der preußischen Provinz Posen und einer der militärisch dichtesten Orte des Reiches östlich der Oder. Die Stadt vereinigte drei Funktionen, die anderswo auf mehrere Orte verteilt waren: Sie war Sitz der Provinzialverwaltung mit Oberpräsident und Oberlandesgericht, Standort eines Generalkommandos und zugleich eine Festung, die amtlich als Festung ersten Ranges geführt wurde. Die Volkszählung von 1905 wies 136.808 Einwohner aus, darunter 78.309 mit polnischer und 58.552 mit deutscher Muttersprache; 6.381 Personen zählten als aktives Militär. Rund jeder zwanzigste Einwohner trug also Uniform — ein Verhältnis, das die Stadt prägte.

Verwaltungsrahmen war das V. Armeekorps. Sein Generalkommando ging am 30. Mai 1818 aus dem bestehenden Generalkommando in der Provinz Posen hervor und blieb bis zu seiner Auflösung Ende Dezember 1918 in der Stadt. 1914 gehörte das Korps zur VIII. Armee-Inspektion und bestand aus der 9. Division in Glogau und der 10. Division in Posen. Für die Korpsführung entstand ein eigener Neubau im Neurenaissance-Stil an der Kreuzung der heutigen Straßen Działowa und Solna, der 1889 fertiggestellt wurde.

In Posen selbst lagen 1914 die Stäbe der 19. und der 20. Infanterie-Brigade, der 10. Kavallerie-Brigade und der 10. Feldartillerie-Brigade. An Truppen standen dort das Grenadier-Regiment „Graf Kleist von Nollendorf“ (1. Westpreußisches) Nr. 6, das seit 1860 in der Stadt lag, Teile des Infanterie-Regiments „Graf Kirchbach“ (1. Niederschlesisches) Nr. 46 — dessen III. Bataillon in Wreschen —, das I. Bataillon des Infanterie-Regiments „König Ludwig III. von Bayern“ (2. Niederschlesisches) Nr. 47, das Regiment Königs-Jäger zu Pferde Nr. 1, das 1. Posensche Feldartillerie-Regiment Nr. 20 sowie das Niederschlesische Fußartillerie-Regiment Nr. 5. Hinzu kamen Korpstruppen, die den Festungscharakter unterstrichen: das Posensche Pionier-Bataillon Nr. 29, die Niederschlesische Train-Abteilung Nr. 5, die Festungs-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 6, die Festungs-Fernsprech-Kompanie Nr. 8 und Teile des Flieger-Bataillons Nr. 2.

Die Befestigung war älter als das Kaiserreich. Ab 1828 entstand auf den Höhen nördlich der Stadt das Kernwerk Fort Winiary, benannt nach dem Festungsbaumeister Johann Leopold von Brese-Winiary; bis 1839 waren die Hauptteile fertig. Dazu kam ab 1839 eine geschlossene Umwallung der Innenstadt mit mehreren Innenforts. Nach 1871 reichte diese Anlage nicht mehr aus, weil gezogene Geschütze die Wirkung der Artillerie stark vergrößert hatten. Ab 1876 wurde deshalb mehrere Kilometer vor der Stadt ein Fortgürtel angelegt: neun Hauptforts nach dem System des Ingenieurs Hans Alexis von Biehler, im Kern bis etwa 1883 vollendet, ergänzt durch Zwischenwerke, Infanterie- und Munitionsräume bis in die 1890er Jahre. Insgesamt entstanden achtzehn Außenwerke — eine der größten Anlagen ihrer Art in Europa. Das 1887 bis 1890 gebaute Fort VII trug wie die übrigen einen Namen aus der preußischen Militärgeschichte, hier „Colomb“.

Der äußere Gürtel machte die alte Stadtumwallung überflüssig. Im September 1902 genehmigte Wilhelm II. ihren Abbruch, und auf dem freigewordenen Ring entstand ein neues Stadtviertel. Die Planung lag bei dem Stadtbaumeister Joseph Stübben, der 1904 die Entwürfe für ein sogenanntes Kaiserforum vorlegte: Residenzschloss, Theater, Postgebäude, Königliche Akademie, Sitz der Ansiedlungskommission und Bismarckdenkmal in einer Achse. Kernstück war das von Franz Schwechten entworfene Kaiserschloss, 1905 bis 1910 für rund fünf Millionen Mark im neuromanischen Stil errichtet und am 21. August 1910 eingeweiht. Die Formensprache war Absicht: Der Bau sollte die Stadt als altgermanischen Ort erscheinen lassen. Wilhelm II. hielt sich dort nur zweimal auf.

Diese Bautätigkeit gehörte zu einer Politik, die auf die dauerhafte Verdrängung des Polnischen zielte. Der Kulturkampf traf die katholische, überwiegend polnischsprachige Bevölkerung besonders hart; der polnische Schulunterricht wurde schrittweise zurückgedrängt. 1886 wurde die Königlich Preußische Ansiedlungskommission für Westpreußen und Posen gegründet, die polnischen Grundbesitz aufkaufen und an deutsche Siedler weitergeben sollte. 1894 entstand der Deutsche Ostmarkenverein als Druckgruppe. Auf sein Betreiben schuf ein Gesetz von 1908 die Möglichkeit zur Enteignung; 1912 wurden auf dieser Grundlage vier polnische Güter mit zusammen 1.655 Hektar zwangsweise übernommen. Die Garnison war Teil dieses Gefüges — sie sicherte den Staatsapparat, band Kaufkraft und deutsche Beamtenfamilien an die Stadt und war öffentlich sichtbares Zeichen der Herrschaft. Zum erklärten Ziel einer deutschen Bevölkerungsmehrheit führte all das nicht: Polen blieben in der Stadt und in der Provinz in der Mehrheit.

Im Ersten Weltkrieg lag Posen weit hinter der Front. Die Festung wurde nicht angegriffen; die Stadt diente als Ersatz-, Ausbildungs- und Etappenstandort für die an der Ostfront eingesetzten Verbände des V. Armeekorps. Das Ende kam nicht durch Kampfhandlungen an der Front, sondern innerhalb der Stadt: Am 27. Dezember 1918, angestoßen durch den Besuch des Pianisten und späteren Ministerpräsidenten Ignacy Jan Paderewski, begann der Großpolnische Aufstand. Die deutschen Truppen in Posen wurden entwaffnet, binnen zweier Wochen fiel fast die Provinz an die Aufständischen. Der Waffenstillstand von Trier beendete die Kämpfe am 16. Februar 1919; der Versailler Vertrag sprach den größten Teil der Provinz ohne Volksabstimmung Polen zu.

Vieles davon steht noch. Die 1880 errichtete Kaserne des Grenadier-Regiments Nr. 6 an der heutigen ulica Arnolda Szylinga beherbergte ab 1919 das 57. großpolnische Infanterieregiment, nach 1945 polnische Militäreinrichtungen und seit dem Umbau um 2010 die Woiwodschafts-Polizeidirektion Poznań. Vom Gebäude des Generalkommandos blieb nach den Kämpfen des Jahres 1945 nur ein Teil erhalten, der heute zur Kunstuniversität gehört. Das Kaiserschloss, das die Nationalsozialisten ab 1940 zu einer Residenz Hitlers umbauen ließen, dient seit 1947 als Kulturzentrum. Fort Winiary wurde 1945 im Kampf um die Stadt weitgehend zerstört; auf dem Gelände liegen heute ein großer Park sowie Waffen- und Armeemuseum. Fort VII, in dem die deutsche Besatzung ab 1939 ein Lager einrichtete, ist seit 1979 Gedenkstätte und Museum.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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