Essen im Kaiserreich

Königreich Preußen
Bezirkskommando der Landwehr

Königreich

Truppengattung

Koordinaten

51.4582° N, 7.0158° O

Heutiger Name

Essen

Aktuelles Wetter in Essen

Wetterdaten werden geladen...

Über Essen

Essen gehört zu den Orten, bei denen militärische Bedeutung und militärische Präsenz weit auseinanderfallen. Zwischen 1871 und 1914 wuchs die Stadt von einer mittelgroßen Kommune zur größten Industriestadt des Ruhrgebiets, und in ihrem Westen lag mit der Gussstahlfabrik Friedrich Krupp der wichtigste Waffenlieferant des Deutschen Reiches. Eine Garnison im militärischen Wortsinn – ein Truppenteil, der dauerhaft am Ort liegt, mit Kaserne, Wachlokal und Standortältestem – hatte Essen in dieser Zeit dennoch nicht.

Verwaltungsrechtlich lag Essen in der preußischen Rheinprovinz, im Regierungsbezirk Düsseldorf. Militärisch fiel es jedoch nicht in den rheinischen Korpsbezirk um Koblenz, sondern in den des VII. Armeekorps mit Generalkommando in Münster, und dort in den Bereich der 14. Division in Düsseldorf. Als preußische Stadt brauchte Essen keine Militärkonvention; sie stellte ihre Wehrpflichtigen unmittelbar der preußischen Armee. In der Gliederung der 14. Division taucht Essen nur an einer Stelle auf: als Sitz einer Landwehrinspektion, neben Düsseldorf. Eine Landwehrinspektion war eine Aufsichtsbehörde über mehrere Bezirkskommandos, zuständig für Musterung, Ersatzgestellung und die Kontrolle der Beurlaubten – Aktenarbeit, keine Truppe.

Die tatsächlichen Standorte lagen ringsherum. Das 8. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 159 lag in Mülheim an der Ruhr und in Geldern, also in Sichtweite der Essener Stadtgrenze. In Düsseldorf standen das Niederrheinische Füsilier-Regiment Nr. 39 und das Westfälische Ulanen-Regiment Nr. 5, in Wesel die Infanterie-Regimenter Nr. 56 und Nr. 57 sowie das 1. Westfälische Feldartillerie-Regiment Nr. 7, in Krefeld das 2. Westfälische Husaren-Regiment Nr. 11. Essen selbst blieb in diesen Listen leer.

Das ist die Besonderheit des Ortes: Was anderswo Aufgabe des Militärs war, erledigte hier eine Firma. Krupp unterhielt im Norden des Werksgeländes einen eigenen Schießstand, auf dem fertige Geschütze unmittelbar erprobt werden konnten; wegen der beengten Lage taugte er nur für kleinere Kaliber. Für die schweren Rohre legte das Unternehmen im Februar 1877 nordöstlich von Meppen im Emsland einen eigenen Schießplatz an, auf dem am 5. September 1877 der Schießbetrieb aufgenommen wurde und der 1878 einen Bahnanschluss erhielt. Erprobung und Abnahme fanden damit auf Firmengelände statt – teils in Essen, teils im Emsland, in beiden Fällen unter den Augen zugereister Offiziere und ausländischer Kommissionen, nicht im Rahmen einer ortsansässigen Truppe.

Auch als Ordnungsmacht war das Militär in Essen ein Gast. Beim Bergarbeiterstreik von 1889 forderten die Behörden in Gelsenkirchen Truppen an, die erst am Nachmittag des folgenden Tages eintrafen. Beim großen Streik von 1912 wurden rund 5000 Soldaten ins Revier verlegt, in die Kreise Dortmund, Hamm und Recklinghausen. Beide Vorgänge zeigen dasselbe Muster: Das Ruhrgebiet galt der Armee als Einsatzraum, in den man Verbände heranführte, nicht als Standort, an dem man sie unterhielt.

Kontingent und Garnison fielen hier deutlich auseinander. Die wehrpflichtigen Essener dienten auswärts, verteilt über die Regimenter des VII. Armeekorps; verwaltet wurden sie vom Landwehrbezirkskommando Essen, das im Krieg in mehrere Kommandobehörden aufgeteilt war. Erst mit dem Krieg entstanden in Essen eigene Formationen: Das 2. Landsturm-Infanterie-Bataillon Essen wurde am 10. September 1914 mobil, das 2. Landsturm-Infanterie-Ersatz-Bataillon Essen am 20. September 1914 durch das stellvertretende Generalkommando des VII. Armeekorps aufgestellt; ein 1. Landsturm-Infanterie-Bataillon Essen ist ebenfalls überliefert. Das sind Kriegsformationen des Landsturms, keine Friedensgarnison.

Die eigentliche Kriegsleistung der Stadt war industriell. Kurz vor 1914 arbeiteten rund 81.000 Menschen für den Krupp-Konzern, 1918 waren es etwa 200.000. Kaiser Wilhelm II. kam wiederholt nach Essen – 1902 zur Beisetzung Friedrich Alfred Krupps, 1912 zur Jahrhundertfeier der Firma, 1918 ein letztes Mal auf den Hügel. Die Verbindung von Krone und Konzern war eng und öffentlich sichtbar; sie ersetzte aber keine Truppe und schuf auch keine.

Deshalb gibt es in Essen kein Kaserneneviertel aus der Kaiserzeit, das man heute umnutzen könnte – es wurde keines gebaut. Militärische Bauten entstanden erst mit der Aufrüstung der Wehrmacht: 1936 die spätere Gustav-Heinemann-Kaserne in Essen-Kray für die Flakartillerie und ab Februar 1937 die am 20. März 1938 eingeweihte Ruhrland-Kaserne auf dem Phönixberg in Essen-Kupferdreh. Beide überdauerten das Reich: Die Kupferdreher Anlage nutzten bis August 1957 britische Truppen, ab Frühjahr 1958 das Luftwaffenflugabwehrbataillon 41, bis sie 1994 aufgegeben wurde. In Kray zog 1960 das Fernmeldebataillon 71 ein; als Fernmeldebataillon 284 verließ die letzte Einheit am 21. März 2003 den Standort und damit das Ruhrgebiet. Das Gelände ging überwiegend an die Medion AG, die dort einen Technologiepark betreibt; seit 2011 sitzt auch das türkische Generalkonsulat auf dem früheren Kasernengrund.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

Werbehinweis: Die vorstehenden Buchverweise führen zur Suche bei Amazon. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Benachbarte Garnisonen

Depesche einbinden

Es ist ausdrücklich gestattet und erwünscht, diese Garnisons-Depesche in eigene Publikationen zu übernehmen. Man kopiere den nachstehenden Quelltext und füge ihn an geeigneter Stelle ein — die Kachel verweist sodann auf diese Seite.