Garnison Mülheim a. Ruhr

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

51.4309° N, 6.8661° O

Heutiger Name

Mülheim a. Ruhr

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Über die Garnison Mülheim a. Ruhr

Mülheim an der Ruhr gehört zu den wenigen Ruhrgebietsstädten, die im Kaiserreich tatsächlich eine Garnison besaßen. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Die benachbarten Großstädte Essen und Dortmund, beide deutlich größer, hatten bis 1918 keinen aktiven Truppenteil in ihren Mauern. In Mülheim dagegen lag von 1899 bis 1918 ein vollständiges Infanterieregiment. Die Stadt hatte sich darum bemüht und dafür bezahlt — die Kaserne entstand auf Betreiben des Bürgermeisters Karl von Bock und Polach, und Zeitungen der Zeit vermerkten trocken, dass Stadt wie Private erhebliche Aufwendungen gemacht hätten, in der Erwartung geschäftlicher Belebung durch die Soldaten.

Verwaltungsrechtlich lag Mülheim im Königreich Preußen, in der Rheinprovinz, Regierungsbezirk Düsseldorf. Militärisch gehörte die Stadt zum Bereich des VII. Armeekorps mit Generalkommando in Münster. Innerhalb des Korps war der Standort der 14. Division in Düsseldorf zugeordnet, dort wiederum der 28. Infanterie-Brigade, die aus dem Niederrheinischen Füsilier-Regiment Nr. 39 in Düsseldorf und dem Mülheimer Regiment bestand. Zuvor hatte das Regiment kurzzeitig zur 79. Infanterie-Brigade der 13. Division gehört. Für das Ersatzwesen der Region waren die Landwehrinspektionen Düsseldorf und Essen zuständig.

Das Regiment selbst war jung. Es wurde am 1. April 1897 im Zuge einer Heeresvermehrung aus abgegebenen Verbänden bestehender Truppenteile gebildet, unter anderem aus einem Bataillon des Infanterie-Regiments "Freiherr von Sparr" (3. Westfälisches) Nr. 16 sowie aus Abgaben des Füsilier-Regiments Nr. 39 und der Infanterie-Regimenter Nr. 56 und 57. Zunächst lagen die beiden Bataillone getrennt: das I. in Düsseldorf, das II. in Wesel. Erst der Kasernenbau in Mülheim führte sie zusammen. Der Grundstein an der Kaiserstraße wurde am 30. Oktober 1897 gelegt, 1899 war der Bau fertig.

Der Einzug wurde als Stadtfest begangen. Tausende säumten die Straßen, Geschäfte waren geschmückt, ein Ehrenbogen war errichtet, Kriegervereine, Feuerwehren und Polizei nahmen an der Begrüßung teil. Der Bürgermeister empfing das Regiment mit einer Rede über Treue zum Kaiser. Die Kaiserstraße selbst — bis 1888 noch Dungstraße — war für den Kasernenbau ausgebaut worden. Als Übungs- und Schießgelände diente dem Regiment der Oemberg im Stadtteil Saarn, also ein Gebiet außerhalb des dicht bebauten Industriegürtels.

Eine Besonderheit ist der Regimentsname. Bis 1902 hieß der Verband schlicht Infanterie-Regiment Nr. 159. Mit dem Armeebefehl vom 27. Januar 1902 erhielten zahlreiche jüngere Regimenter ohne landsmannschaftlichen Zusatz einen solchen zur besseren Unterscheidung und zur Traditionsbildung. Die 159er bekamen die Bezeichnung "8. Lothringisches" — eine Zuweisung aus der Nummernsystematik der Reichsland-Regimenter, die mit dem tatsächlichen Standort am Niederrhein nichts zu tun hatte. Das Regiment hat in Lothringen nie in Garnison gelegen.

Im Zuge der Heeresvermehrung von 1913 erhielt das Regiment ein III. Bataillon, das jedoch nicht in Mülheim, sondern in Geldern untergebracht wurde. Die Friedensgliederung von 1914 verzeichnet den Verband deshalb mit zwei Standorten: Regimentsstab sowie I. und II. Bataillon in Mülheim an der Ruhr, das III. Bataillon in Geldern. Rund 2.000 Soldaten prägten das Mülheimer Stadtbild und waren, wie ortsgeschichtliche Darstellungen betonen, stark ins Vereins- und Festleben eingebunden.

Die Mobilmachung erreichte Mülheim am 1. August 1914; das Regiment rückte zwischen dem 2. und 6. August aus und marschierte durch das neutrale Belgien in Richtung Namur. Es folgten Einsätze an der Aisne, in der Champagne und vor Verdun. Das in Mülheim zurückgebliebene Ersatz-Bataillon stellte Stab und I. Bataillon des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 219 auf — eine reine Kriegsformation. Die Verluste waren hoch: Etwa 3.500 Angehörige des Regiments kehrten nicht zurück. Für die Stadt selbst verzeichnet das Stadtarchiv bei rund 125.000 Einwohnern etwa 20.000 eingezogene Männer, mindestens 3.300 Gefallene und weitere 200 Todesfälle an Kriegsfolgen. Hunderte Kriegsgefangene wurden in Mülheimer Steinbrüchen und Rüstungsbetrieben zur Zwangsarbeit eingesetzt.

Am 13. Dezember 1918 kehrten die Reste des Regiments bei strömendem Regen nach Mülheim zurück. Der eben gebildete Arbeiterrat versuchte, den Einmarsch mit einer roten Fahne anzuführen, was kaisertreue Soldaten zurückwiesen — eine Szene, die die Konflikte der folgenden Jahre vorwegnahm. Im Februar 1919 wurde das Regiment nach Burgsteinfurt verlegt und dort demobilisiert; das II. Bataillon war schon am 10. November 1918 aufgelöst worden. Etwa tausend ehemalige 159er traten dem Freikorps Schulz bei und richteten sich gegen die Arbeiterbewegung und die Republik. 1920 wurde das Ruhrgebiet entmilitarisiert, das zuletzt hier liegende Garde-Landesschützen-Korps von Neufville zog ab, die Kaserne wurde militärisch geräumt. 1923 bis 1925 stand die Stadt unter französisch-belgischer Besatzung.

Von der Garnison der Kaiserzeit ist baulich nichts übrig. Die Kaserne an der Kaiserstraße diente in der Zwischenkriegszeit zivilen Zwecken, unter anderem zeitweise als Mülheimer Polizeizentrale, bevor 1938 ein eigener Neubau an der nach dem Bürgermeister benannten Von-Bock-Straße bezogen wurde. Ab dem 6. Oktober 1936 lag mit dem II. Bataillon des Infanterie-Regiments 39 wieder Militär in den alten Gebäuden. Nach 1945 nutzten sie zivile Verwaltungen, Mitte der 1970er Jahre wurde der Komplex abgerissen. Das 1928 auf der Witthaushöhe errichtete Regimentsdenkmal, ein sechs Meter hoher bronzener Fackelträger des Düsseldorfer Bildhauers Carl Moritz Schreiner, im Volksmund "Der nackte Heinrich", wurde 1933 unter nicht vollständig geklärten Umständen abgebrochen und verschrottet. Erhalten blieb die Kupferkassette aus seinem Grundstein: Sie kam 1958 mit einer Bronzetafel für die Gefallenen der Regimenter 159 und 219 in die Ringmauer von Schloss Broich und wurde dort 2014 bei Restaurierungsarbeiten wiederentdeckt — mit 28 Dokumenten, Zeitungen von 1928, Bauplänen, einem Münzsatz und einer Medaille auf den Einzug von 1899.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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Benachbarte Garnisonen

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