Düsseldorf gehörte staatsrechtlich zur preußischen Rheinprovinz und war Sitz des gleichnamigen Regierungsbezirks. Militärisch fiel die Stadt jedoch nicht an das rheinische VIII. Armee-Korps in Koblenz, sondern an das VII. Armee-Korps, dessen Generalkommando von 1820 bis 1919 in Münster saß und dessen Ersatzbezirk vor allem Westfalen umfasste. Diese Zuordnung quer zur Provinzgrenze ist der erste Merkposten für Düsseldorf: Die niederrheinische Industrie- und Verwaltungsstadt stellte ihre Rekruten einem westfälischen Korps und trug deshalb Regimentsnamen mit dem Zusatz „Westfälisches“, obwohl sie am linken Rand des Korpsbezirks lag.
Innerhalb des VII. Armee-Korps war Düsseldorf der Standort der 14. Division. Deren Stab lag seit dem 5. September 1818 ununterbrochen in der Stadt und blieb dort bis zur Auflösung 1919. Hinzu kamen die Stäbe der 28. Infanterie-Brigade und der 14. Kavallerie-Brigade sowie eine Landwehr-Inspektion. Düsseldorf war damit vor allem eine Kommando- und Verwaltungsstadt des Heeres. Die Truppen der Division selbst standen weit verstreut: die 27. Infanterie-Brigade in Köln, die 79. in Wesel, Teile der 28. Brigade in Mülheim an der Ruhr und Geldern, die Feldartillerie-Brigade in Wesel. Wer die Divisionsgliederung liest, findet in Düsseldorf mehr Stäbe als Bataillone.
Der Hausverband der Stadt war das Niederrheinische Füsilier-Regiment Nr. 39, 1818 als 36. Infanterie-Regiment errichtet und 1860 zum Füsilier-Regiment umgewandelt. Nach dem Deutschen Krieg von 1866 lag es vollständig in Düsseldorf. Bis 1898 wohnte es in der alten Kaserne an der Königsallee im Bereich der Carlstadt, danach in den Neubauten an der Tannenstraße in Derendorf. Am 26. Oktober 1918, wenige Tage nach Ludendorffs Entlassung, erhielt es den Namenszusatz „General Ludendorff“ – eine Ehrung, die kaum noch Wirkung entfalten konnte. Die Demobilmachung begann am 14. Dezember 1918 in Bad Driburg; das III. Bataillon ging in das Freikorps Niederrhein und von dort in das Reichswehr-Infanterie-Regiment 61 über.
Die Kavallerie prägte das Stadtbild mindestens ebenso stark. Das Westfälische Ulanen-Regiment Nr. 5 rückte am 29. Juni 1822 in Düsseldorf ein und blieb bis 1919. Seine erste Unterkunft war die von Gottfried Bandhauer bis 1822 errichtete Kavalleriekaserne zwischen der damaligen Kavalleriestraße – dem heutigen Jürgensplatz – und der Neusser Straße. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lag das Regiment in der Ulanenkaserne an der Roßstraße, ab 1890 zogen Teile in die neuen Derendorfer Anlagen. Dauerhaft in Düsseldorf stand außerdem seit 1888/89 eine Eskadron des 2. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 11, dessen Regimentsstab in Krefeld verblieb.
Artillerie kam vergleichsweise spät hinzu. Im Juli 1895 verlegte die reitende Abteilung des 1. Westfälischen Feldartillerie-Regiments Nr. 7 von Wesel in die Kaserne Kaiserhain in Derendorf; vor dem Ersten Weltkrieg standen Regimentsstab und I. Abteilung in Wesel, die II. Abteilung in Düsseldorf. Andere Waffengattungen des Korps blieben der Stadt fern: Das Westfälische Fußartillerie-Regiment Nr. 7 und die Pioniere lagen in Köln, der Train in Münster. Wer die Friedensgliederung 1914 ernst nimmt, findet in Düsseldorf also Infanterie, Kavallerie und Feldartillerie – aber keine Fußartillerie, keine Pioniere und keinen Train.
Baulich konzentrierte sich all das nach 1890 auf ein einziges, rund zehn Hektar großes Kasernenareal im Norden von Derendorf, begrenzt von Roßstraße, Johannstraße, Ulmenstraße und Tannenstraße. Die Anlagen wurden 1898 bezogen und waren nach Waffengattung farblich unterschieden: gelb geklinkert für die Füsiliere, rot für Ulanen, Husaren und Kanoniere. Zwei Straßen am neu angelegten Frankenplatz erhielten die Namen Füsilierstraße und Kanonierstraße; sie erinnern bis heute an die Belegung. Für damalige Verhältnisse lag das Areal weit draußen – etwa drei Kilometer vor der Stadt.
Die zweite Düsseldorfer Besonderheit liegt im Norden, auf der Golzheimer Heide, die dem Standort lange als Exerzierplatz diente. Aus der Zeppelin-Begeisterung nach 1909 heraus errichtete die Stadt dort eine eigene Luftschiffhalle, die von der Deutschen Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft (DELAG) genutzt wurde; am 22. Juni 1910 landete Graf Zeppelin selbst. Der zivile Betrieb blieb unglücklich: Im Mai 1911 wurde LZ 8 „Deutschland“ beim Ausbringen von einer Bö gegen die Halle gedrückt, 1912 verunglückte LZ 10 „Schwaben“ auf dem Platz, und der Linienverkehr wurde noch im selben Jahr aufgegeben. Ab 1913 baute das Heer das Gelände weiter nördlich bei Lohausen zur Luftschiffbasis aus: eine neue feste Halle südlich von Zeppenheim, eine Verlängerung der älteren städtischen Halle und eine Luftschifferkaserne. Ende 1913 bezog die 2. Kompanie des Luftschiffer-Bataillons Nr. 3 den Standort – Stab und 1. Kompanie lagen in Köln, die 3. Kompanie in Darmstadt. Damit ist die Luftschiffertruppe für Düsseldorf als stationierte Einheit belegt, nicht nur als Bauwerk; sie zählte damals zu den Verkehrstruppen.
Am 10. August 1914 wurde das Heeresluftschiff Z IX (LZ 25) nach Düsseldorf verlegt und flog von hier aus Aufklärungs- und Bombenunternehmen gegen Antwerpen, Ostende, Calais und Dünkirchen. Am 8. Oktober 1914 startete Flight Lieutenant Reginald Marix vom Royal Naval Air Service mit einer Sopwith Tabloid aus dem noch gehaltenen Antwerpen, stieß aus rund 900 Metern durch die Wolken und warf zwei Bomben aus etwa 180 Metern auf die Halle. Der Wasserstoff entzündete sich, Z IX brannte vollständig aus. Es war das erste Luftkriegsereignis im Rheinland und einer der ersten wirksamen Luftangriffe auf deutsches Gebiet überhaupt. Die Quellen widersprechen sich in drei Punkten, die hier nicht geglättet werden sollen: Die deutsche Wikipedia schreibt den Angriff dem Royal Flying Corps zu, während englischsprachige Darstellungen und die Biografie von Marix eindeutig den Royal Naval Air Service nennen; eine lokalhistorische Darstellung datiert den Angriff auf den 11. Oktober statt auf den 8.; und ob die alte Golzheimer oder die neue militärische Halle getroffen wurde, ist selbst unter Luftschiffhallen-Spezialisten strittig.
Vom militärischen Düsseldorf ist mehr erhalten, als man vermutet. Nach 1918 übernahmen französische Besatzungstruppen die Derendorfer Kasernen; die Ulanenkaserne diente bis 1925 als Hauptquartier der Rheinarmee, ab 1936 nutzte sie die Wehrmacht erneut. Heute steht auf dem Areal ein Wohn- und Gewerbequartier, in dem die denkmalgeschützten Backsteinbauten weiterleben. Das Gelände der Ulanenkaserne an der Roßstraße trägt heute das Landesamt für Information und Technik Nordrhein-Westfalen. Die Luftschiffhallen ließen die Franzosen nach dem Krieg abbrechen, doch die Luftschifferkaserne bei Lohausen überstand sie und wurde 1927 zum ersten Empfangsgebäude des zivilen Flughafens; auf ihrem Platz steht heute das General Aviation Terminal. Der Düsseldorfer Flughafen liegt damit buchstäblich auf dem Exerzier- und Luftschiffplatz der Kaiserzeit.
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