Duisburg gehörte als Stadtkreis zur Rheinprovinz des Königreichs Preußen, Regierungsbezirk Düsseldorf, und lag damit im Korpsbezirk des VII. Armeekorps, dessen Generalkommando in Münster saß. Militärisch zuständig war innerhalb dieses Korps die 14. Division mit Sitz in Düsseldorf. Diese Zuordnung sagt jedoch nur, welcher Stab für die Stadt verantwortlich war - nicht, dass in ihr Soldaten lagen. Genau hier gehen im Fall Duisburg Verwaltung und Truppenstandort auseinander.
Der Prüfstein ist die Friedensgliederung 1914. Die 14. Division führte die 27. Infanterie-Brigade in Köln (Infanterie-Regiment Nr. 16 und Nr. 53, beide Köln), die 28. Infanterie-Brigade in Düsseldorf (Füsilier-Regiment Nr. 39 in Düsseldorf, 8. Lothringisches Infanterie-Regiment Nr. 159 in Mülheim an der Ruhr und Geldern), die 79. Infanterie-Brigade in Wesel (Infanterie-Regiment Nr. 56 in Wesel und Kleve, Infanterie-Regiment Nr. 57 in Wesel), dazu die 14. Kavallerie-Brigade in Düsseldorf und die 14. Feldartillerie-Brigade in Wesel. Die Schwesterdivision, die 13. Division, lag mit ihren Verbänden in Münster, Minden, Paderborn, Senne, Detmold, Höxter und Bielefeld. Die Korpstruppen verteilten sich auf Bückeburg (Jäger-Bataillon Nr. 7), Paderborn (Maschinengewehr-Abteilung Nr. 7), Köln (Fußartillerie-Regiment Nr. 7, Pionier-Bataillone Nr. 7 und Nr. 24) und Münster (Train-Abteilung Nr. 7). Duisburg kommt in dieser Aufstellung an keiner Stelle vor.
Was stattdessen in Duisburg saß, war eine Behörde: das Bezirkskommando Duisburg, eingeordnet unter die Landwehr-Inspektion Essen, die neben Duisburg unter anderem die Bezirkskommandos Düsseldorf, Essen I und II sowie Mülheim führte. Ein Bezirkskommando bearbeitete das Ersatzwesen im Zusammenspiel mit den Zivilbehörden, führte die Musterungen durch und kontrollierte die Reservisten, Landwehr- und Landsturmpflichtigen seines Bezirks. Es verfügte über Schreibstuben und einige Offiziere, aber über keine Mannschaften, keine Waffenkammer und keine Kaserne. Für die Statistik der Wehrpflicht war Duisburg dadurch ein wichtiger Ort, für die Ordre de bataille des Heeres nicht.
Bemerkenswert ist dieser Befund wegen der Größe der Stadt. 1905 wurden Duisburg, Ruhrort und Meiderich zu Groß-Duisburg zusammengeschlossen; die Stadt zählte danach rund 192.000 Einwohner und lag damit auf Platz 20 der größten Städte des Deutschen Reichs. Das benachbarte Hamborn, seit 1889 Standort des von August Thyssen in Bruckhausen aufgebauten Hütten- und Walzwerks, wurde 1911 eigener Stadtkreis mit über 100.000 Einwohnern. Zwei Großstädte nebeneinander, ein Hüttenrevier von europäischem Rang - und kein einziges Bataillon. Duisburg teilt dieses Muster mit Essen und Dortmund; die preußische Militärverwaltung hat das Ruhrgebiet als Truppenraum weitgehend ausgespart.
Die Nachbarschaft zeigt zugleich, dass es sich nicht um eine Regel ohne Ausnahme handelte. Mülheim an der Ruhr, nur wenige Kilometer entfernt, wurde 1899 Garnison: Am 29. März 1899 wurden das zunächst in Düsseldorf und Wesel untergebrachte I. und II. Bataillon des 1897 aufgestellten Infanterie-Regiments Nr. 159 in Mülheim zusammengezogen und bezogen dort die Kaserne an der Kaiserstraße. Wer im Revier eine Garnison suchte, fand sie also durchaus - nur eben nicht in Duisburg. Die militärgeographische Achse am Niederrhein verlief über die Festung Wesel und den dortigen Rheinübergang, nicht über die Industriestädte an Ruhr und Emscher.
Auch der Rhein selbst hat in Duisburg keinen Truppenstandort begründet. Die Brücken-, Übersetz- und Strombaudienste des VII. Armeekorps lagen bei den beiden Pionier-Bataillonen Nr. 7 und Nr. 24, die seit 1908/09 gemeinsam in der Boltensternkaserne in Köln-Riehl untergebracht waren; das Bataillon Nr. 24 war 1908 aus Kompanien der Bataillone 4, 7, 10 und 11 neu aufgestellt worden. Eine Marinedienststelle gab es an Rhein und Ruhr ohnehin nicht - die Kaiserliche Marine unterhielt keine Binnenstandorte. Die Duisburg-Ruhrorter Häfen, seit der Eröffnung des Kaiserhafens 1890 stetig erweitert und schon vor 1914 der bedeutendste Binnenhafen des Kontinents, waren wirtschaftlich organisiert: Schifferbörse, Reedereien, Umschlagsanlagen für Kohle und Erz. Ein Schiffer- oder Pionierbezug ergibt sich daraus für die Truppenstationierung nicht.
Selbst im schwersten inneren Konflikt der Vorkriegsjahre blieb Duisburg truppenfrei. Während des Bergarbeiterstreiks von 1912 rückten am 14. März rund 5.000 Soldaten in die Kreise Dortmund, Hamm und Recklinghausen ein; Wilhelm II. hatte dem preußischen Innenminister geschrieben, die Arbeitswilligen seien in der energischsten Form zu schützen. Der Düsseldorfer Regierungspräsident, in dessen Bezirk Duisburg und Hamborn lagen, lehnte die Hilfe des Militärs dagegen ab. Vier Arbeiter kamen bei Zusammenstößen mit Militär und Polizei ums Leben. Der Einsatz des Heeres als innere Ordnungsmacht war im Kaiserreich also durchaus geübte Praxis - im Duisburger Raum wurde er in diesem Fall nicht gewählt.
Im Ersten Weltkrieg wurde die Stadt zur Lazarett- und Etappenstadt, ohne dadurch Garnison zu werden. Am 11. Dezember 1914 weihte Oberbürgermeister Karl Jarres, seit dem 1. Juli 1914 im Amt, die Kriegsgräberstätte auf dem Kaiserberg ein; dort fanden 801 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhe, die in Duisburger Lazaretten gestorben waren oder aus Duisburg stammten. Im Juli 1917 wurde die Stadt Ziel von Luftangriffen, die im Ersten Weltkrieg allerdings Ausnahme blieben. An das Infanterie-Regiment 193, eine erst im Krieg aufgestellte Formation, erinnerte ab 1933 ein Ehrenmal auf dem Kaiserberg; es wurde 2013 nach Witterungsschäden teilweise abgetragen und 2015 vollends beseitigt. Solche Kriegsformationen sind kein Beleg für eine Friedensgarnison.
Nach 1918 kam Militär in die Stadt - fremdes. Am 8. März 1921 rückte das französische Infanterie-Regiment 168 in Duisburg und Düsseldorf ein; von diesen Brückenköpfen aus begannen französische und belgische Truppen im Januar 1923 die Besetzung des übrigen Ruhrgebiets. Eigene Truppen erhielt Duisburg erst nach dem Einmarsch der Wehrmacht ins entmilitarisierte Rheinland am 7. März 1936, als das I. Bataillon des Infanterie-Regiments 79 verlegt wurde. Die erste Kaserne der Stadt entstand ab März 1937 in Wanheim auf dem Gelände des alten Neuenhof als Flakkaserne für den Luftschutz des Reviers; im April 1937 zog die II. Abteilung des Flakregiments 54 ein. Von 1945 an nutzten die Briten die Anlage als Glamorgan Barracks, bis sie am 1. März 1993 geschlossen wurde. Der Satz einer britischen Standortchronik fasst den Befund zusammen: Duisburg hatte bis 1937 kaum Berührung mit dem Militär.
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