Rheydt im Kaiserreich

Königreich Preußen
Bezirkskommando der Landwehr

Königreich

Truppengattung

Koordinaten

51.1675° N, 6.4458° O

Heutiger Name

Rheydt

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Über Rheydt

Rheydt war im Kaiserreich eine Stadt, die schnell wuchs und deren Wachstum ausschließlich von der Textilindustrie getragen wurde. 1900 lebten hier 34.036 Menschen, 1905 waren es 40.149, 1910 bereits 43.999. Baumwolle, Seide und Samt bestimmten die Erwerbsstruktur, dazu kamen Spinnereien, Webereien, Färbereien, eine Kabelfabrik mit rund 800 Beschäftigten, Maschinenbau und Schuhfabriken. Seit 1856 galt die Rheinische Städteordnung, am 1. April 1907 schied Rheydt aus dem Kreis Gladbach aus und wurde kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Düsseldorf, Rheinprovinz, Königreich Preußen.

Militärisch lag Rheydt im Bereich des VII. Armeekorps mit Generalkommando in Münster, dessen Korpsbezirk neben Westfalen den Regierungsbezirk Düsseldorf umfasste. Zuständig war die 14. Division mit Stab in Düsseldorf. Wer die Friedensgliederung dieser Division für 1914 durchgeht, findet die Standorte Köln, Düsseldorf, Wesel, Kleve, Krefeld, Mülheim an der Ruhr und Geldern: das Infanterie-Regiment Nr. 16 und das Infanterie-Regiment Nr. 53 in Köln, das Niederrheinische Füsilier-Regiment Nr. 39 in Düsseldorf, das Infanterie-Regiment Nr. 159 in Mülheim an der Ruhr und Geldern, die Infanterie-Regimenter Nr. 56 und Nr. 57 in Wesel und Kleve, das Husaren-Regiment Nr. 11 in Krefeld, das Ulanen-Regiment Nr. 5 in Düsseldorf sowie die Feldartillerie-Regimenter Nr. 7 und Nr. 43 in Wesel, Düsseldorf und Kleve. Rheydt steht auf dieser Liste nicht.

Was in Rheydt lag, war eine Behörde, kein Truppenteil. Das Königliche Bezirkskommando, zuständig für Wehrerfassung, Musterung und Einberufung, für die Kontrolle der Reservisten und Landwehrpflichtigen und für die Lagerung von Bekleidung und Ausrüstung der Landwehr- und Reservebataillone, wurde zum 1. April 1899 von Erkelenz nach Rheydt verlegt. Vorausgegangen war eine Neuordnung der Landwehrbezirke von 1895, bei der Erkelenz sein Standquartier verlor, ohne von der Entscheidung vorher unterrichtet worden zu sein. Solche Kommandos waren winzig; für Erkelenz sind zeitweise ein Major, ein Adjutant und zwölf Mann überliefert, später rund neunzehn Soldaten insgesamt. Ein Bezirkskommando begründet keine Garnison, so wenig wie ein Landratsamt eine Behördenstadt zur Festung macht.

Rheydt nahm den Zuwachs allerdings ernst. 1900 entstand am neu gestalteten Marktplatz ein eigenes Gebäude für das Bezirkskommando: ein dreigeschossiger Zweiflügelbau aus Backstein mit gotisierender Stuckdekoration, die Hauptfront mit sieben Achsen zum Markt, die Seitenfront mit neun Achsen zur Limitenstraße. Er gehörte zum selben städtebaulichen Programm wie das Rathaus und die evangelische Hauptkirche. Heute ist der Eckbau Teil des Rheydter Rathauses; die Inschrift "Königl. Bezirkskommando" ist an einem Eingang noch zu lesen. Es ist das einzige Gebäude der Stadt, das aus der Kaiserzeit eine militärische Zweckbestimmung mitbringt - und es war ein Bürogebäude.

Der Blick auf das benachbarte München-Gladbach ändert das Bild nicht, sondern verschärft es. Auch die größere Nachbarstadt, 1900 mit 58.023 Einwohnern das Hauptzentrum der rheinischen Baumwollindustrie, erscheint in der Friedensgliederung 1914 nicht als Garnison. Zwei unmittelbar aneinandergrenzende Industriestädte mit zusammen weit über 100.000 Einwohnern kamen also ohne einen einzigen aktiven Truppenteil aus. Die preußische Standortverteilung am Niederrhein folgte anderen Kriterien: der Festung Wesel, den Rheinübergängen und den Verwaltungszentren Düsseldorf, Köln und Krefeld. Die Textilstädte westlich davon blieben außen vor, obwohl sie näher an der Grenze lagen als mancher Garnisonsort.

Militärisch wichtig war Rheydt trotzdem - als Eisenbahnknoten. Die Stadt war Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Rheydt-Neuß, Krefeld-Rheydt und Aachen-Rheydt. Vor allem aber beginnt hier der sogenannte Eiserne Rhein, die Verbindung über Wegberg und Dalheim durch das niederländische Roermond und Weert nach Antwerpen. Der zugrundeliegende Staatsvertrag mit den Niederlanden datiert vom 13. November 1874, der Bau des deutschen Abschnitts begann am 6. August 1877, der reguläre Betrieb am 20. Juli 1879. Die Strecke war als kürzeste Schienenverbindung zwischen dem Ruhrgebiet und dem Antwerpener Hafen gedacht.

Im Ersten Weltkrieg wirkte sich gerade diese Linienführung gegen die deutsche Seite aus. Da der Mittelabschnitt über neutrales niederländisches Gebiet lief, stand er für den Aufmarsch gegen Belgien 1914 nicht zur Verfügung; die Ausladebahnhöfe für den Vormarsch lagen weiter südlich, etwa in Aachen. Erst im April 1917 öffneten die Niederlande den Abschnitt Dalheim-Roermond-Hamont für bis zu 24 Züge täglich, wobei Waffen ausdrücklich ausgeschlossen blieben; transportiert wurden Rohstoffe und Ausrüstungsgüter. Rheydt war damit im Krieg ein Verkehrsknoten mit begrenztem Nutzen, aber kein Standort.

Nach 1918 war eine Garnison rechtlich ausgeschlossen. Rheydt lag in der belgischen Besatzungszone der alliierten Rheinlandbesetzung, die sich von Kleve bis Aachen erstreckte und von Aachen aus kommandiert wurde; die Besatzung dauerte bis 1929/30. Der Versailler Vertrag erklärte das gesamte linksrheinische Gebiet und einen 50 Kilometer breiten Streifen rechts des Rheins für dauerhaft entmilitarisiert. Erst der Einmarsch der Wehrmacht am 7. März 1936 beendete diesen Zustand. In dieselbe Zeit fällt der Bau des Fliegerhorstes Gladbach/Rheydt auf dem Gelände des Flugfeldes Holter Heide, das 1910 von flugbegeisterten Bürgern angelegt und zwischen 1927 und 1929 für die Zivilluftfahrt ausgebaut worden war.

Das Lexikon der Wehrmacht führt Rheydt folgerichtig erst als Luftwaffenstandort: Fliegerhorst-Kommandantur E 16/VI, Stab und I. Gruppe des Jagdgeschwaders 3, III. Gruppe des Jagdgeschwaders 1, I. Gruppe des Jagdgeschwaders 11, III. Gruppe des Kampfgeschwaders 51, dazu Flakverbände der Flakgruppe Düsseldorf. Das Gelände lag auf Gladbacher Stadtgebiet, weshalb dieselben Einheiten in den Standortverzeichnissen unter beiden Stadtnamen auftauchen. Von 1946 bis 1996 nutzte die Britische Rheinarmee das Areal als Ayrshire Barracks; die Räumung des Nordteils erfolgte am 28. Juni 1996. Heute stehen dort der Nordpark und das Stadion von Borussia Mönchengladbach. Eine Kaiserzeit-Kaserne gibt es in Rheydt nicht, weil nie eine gebaut wurde.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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Benachbarte Garnisonen

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