Bochum gehörte im Deutschen Kaiserreich zum Königreich Preußen, zur Provinz Westfalen und dort zum Regierungsbezirk Arnsberg. Die Stadt wuchs in wenigen Jahrzehnten von einem Ackerbürgerstädtchen zu einem der Schwerpunkte des Ruhrbergbaus; Meyers Konversationslexikon verzeichnet für 1900 rund 65.500 Einwohner und für 1905 bereits über 118.000 — der Sprung geht wesentlich auf Eingemeindungen zurück. Bochum war Sitz eines Landgerichts, dem die Amtsgerichte Bochum, Herne, Recklinghausen, Wattenscheid und Witten unterstanden, ferner Sitz des Landratsamts für den Landkreis Bochum, einer Handelskammer, eines Bergreviers, einer Reichsbankstelle und einer Knappschaftskasse. Eine Militärbehörde taucht in dieser Aufzählung nicht auf.
Militärisch zuständig war das VII. Armee-Korps mit Generalkommando in Münster, das den Korpsbezirk Westfalen und den Regierungsbezirk Düsseldorf abdeckte. Prüft man die Friedensgliederung von 1914, fällt das Ergebnis eindeutig aus. Die 13. Division in Münster verteilte ihre Verbände auf Münster, Paderborn, Senne, Minden, Detmold, Höxter, Bielefeld und Schloß Neuhaus. Die 14. Division in Düsseldorf lag mit ihren Regimentern in Köln, Düsseldorf, Mülheim an der Ruhr, Geldern, Wesel, Kleve und Krefeld. Dazu kamen das Jäger-Bataillon Nr. 7 in Bückeburg, die Maschinengewehr-Abteilung Nr. 7 in Paderborn, das Fußartillerie-Regiment Nr. 7 sowie die Pionier-Bataillone Nr. 7 und Nr. 24 in Köln und die Train-Abteilung Nr. 7 in Münster. Bochum steht in keiner dieser Listen.
Was stattdessen für den Korpsbezirk verzeichnet ist, sind zwei Landwehr-Inspektionen: eine in Dortmund und eine in Düsseldorf. Diese Behörden waren keine Truppe, sondern Verwaltung. Sie führten über die ihnen nachgeordneten Bezirkskommandos das Ersatzgeschäft, kontrollierten die Beurlaubten — Reservisten, Landwehrleute, Offiziere des Beurlaubtenstandes — und hielten Bekleidung und Ausrüstung für die im Mobilmachungsfall aufzustellenden Reserve- und Landwehrformationen bereit. Für das dicht besiedelte mittlere Ruhrgebiet war Dortmund der Sitz dieser Inspektion, nicht Bochum.
Dass die Bochumer nicht dienten, folgt daraus keineswegs. Das Gegenteil ist der Fall, und der auffälligste Beleg dafür steht bis heute in der Stadt: das Kriegerdenkmal am Stadtpark. Errichtet wurde es nicht für einen Bochumer Truppenteil, sondern für das 4. Magdeburgische Infanterie-Regiment Nr. 67, das seit 1887 in Metz stand. Die ehemaligen Regimentsangehörigen wählten Bochum als Standort, weil ein großer Teil der Mannschaften aus dem Ruhrgebiet stammte und die alte Garnisonstadt Metz nach 1918 französisch geworden war. Die Einweihung erfolgte am 18. August 1935 zum 75. Regimentsjubiläum. Damit ist das Denkmal ein Musterfall für die Unterscheidung zwischen Kontingent und Garnison: Bochumer Männer dienten in einem Regiment, das gut 300 Kilometer entfernt in Lothringen lag.
Truppen sah Bochum im Kaiserreich gleichwohl, aber nur als kurzfristige Ordnungsmacht. Beim Bergarbeiterstreik von 1889 — dem ersten organisierten Massenstreik im Ruhrbergbau — kam es zu Militäreinsätzen mit elf Toten. Beim Märzstreik 1912 wurden rund 5.000 Soldaten einschließlich Kavallerie und Maschinengewehreinheiten in das nordöstliche Revier verlegt. Solche Einsätze waren ausdrücklich Ausnahmefälle; Militär sollte nur einschreiten, wenn die Polizeikräfte überfordert waren, und im ganzen Reich kam das zwischen 1889 und 1914 weniger als dreißigmal vor. Eine ständige Garnison begründeten diese Verlegungen nicht — die Truppen rückten aus ihren Standorten an und kehrten dorthin zurück.
Militärisch relevant war Bochum auf einem anderen Feld. Der 1842 gegründete Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation richtete bereits 1866 eine eigene Geschützwerkstatt ein und entwickelte sich zu einem leistungsfähigen Rüstungsproduzenten. Im Ersten Weltkrieg fertigte das Werk Geschützrohre bis hinauf zum 21-cm-Mörser mit einer Kapazität von etwa einhundert fertigen Rohren pro Monat; im Juli 1915 erging nach einer Probelieferung ein Auftrag über 130 Rohre im Kaliber 6,9 Zentimeter. Für die Garnisonsfrage ändert das nichts. Eine Waffenfabrik ist kein Truppenstandort — dieselbe Unterscheidung gilt für Essen, wo Krupps Werk ebenfalls keine Kaserne nach sich zog.
Bochum steht mit diesem Befund im Ruhrgebiet nicht allein, aber es gab durchaus Gegenbeispiele. Mülheim an der Ruhr war Garnison des 8. Lothringischen Infanterie-Regiments Nr. 159, Wesel und Düsseldorf trugen die Hauptlast der rheinisch-westfälischen Standorte, Köln war Festungs- und Korpsstandort mit Fußartillerie und Pionieren. Die preußische Standortpolitik folgte Festungslinien, Verkehrsknoten und älteren Traditionsgarnisonen, nicht der Einwohnerzahl. So blieben ausgerechnet die am schnellsten wachsenden Industriestädte des Reviers ohne eigene Truppe.
Garnisonsstadt wurde Bochum erst unter der Wehrmacht. Am 1. April 1936 entstand im Wehrkreis VI das Infanterie-Regiment 79; sein II. Bataillon wurde aus Beständen der Landespolizei in Bochum aufgestellt. In dieselbe Zeit fällt der Bau der Flak-Kaserne im Harpener Feld, Mitte der 1930er Jahre auf Gelände errichtet, das ursprünglich für einen Zentralfriedhof vorgesehen war. Alle militärischen Anlagen der Stadt stammen damit aus der Aufrüstungsphase nach 1935 oder später — ein Kasernenerbe der Kaiserzeit existiert in Bochum nicht, weil es nie eines gab.
Von diesen Anlagen ist einiges erhalten. Die Flak-Kaserne in Harpen übernahmen nach 1945 die Briten, zunächst als Brook Barracks, später als Larkhill Barracks der Rheinarmee; dort lag von 1945 bis zum 5. März 1947 das 3rd Medium Regiment RA, danach wechselnde Verbände. Nach der Räumung ging das Gelände an die Stadt Bochum und dient heute der Zentralwerkstatt des Katastrophenschutzes Nordrhein-Westfalen und einer Löscheinheit der Freiwilligen Feuerwehr. Das Kriegerdenkmal der 67er am Stadtpark verlor seine Figuren in der Nacht zum 2. Februar 1983, als Unbekannte die bronzenen Soldaten stürzten. Der Rat entschied, sie nicht wieder aufzustellen; die Skulpturen kamen ins Stadtarchiv, am Denkmal steht seither die Tafel „Nie wieder Krieg und Faschismus".
Werbehinweis: Die vorstehenden Buchverweise führen zur Suche bei Amazon. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.