Dortmund im Kaiserreich

Königreich Preußen
Bezirkskommando der Landwehr

Königreich

Truppengattung

Koordinaten

51.5142° N, 7.4653° O

Heutiger Name

Dortmund

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Über Dortmund

Dortmund gehörte im Kaiserreich zum Regierungsbezirk Arnsberg der preußischen Provinz Westfalen und lag damit im Bezirk des VII. Armee-Korps, dessen Generalkommando seit dem 3. April 1820 und bis zur Auflösung 1919 in Münster saß. Die Stadt wuchs in diesen Jahrzehnten durch Kohle, Stahl und Brauereien in eine ganz andere Größenordnung hinein als die westfälischen Garnisonstädte des Korps. Militärisch schlug sich das nicht nieder: In der Friedensgliederung von 1914 taucht Dortmund bei keiner der beiden Divisionen des Korps als Standort eines Truppenteils auf.

Ein Blick auf die Standortliste macht das Muster deutlich. Die 13. Division in Münster verfügte über das Infanterie-Regiment „Herwarth von Bittenfeld“ (1. Westfälisches) Nr. 13 in Münster, das 7. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 158 in Paderborn und im Lager Senne, das Infanterie-Regiment „Prinz Friedrich der Niederlande“ (2. Westfälisches) Nr. 15 in Minden sowie das Infanterie-Regiment „Graf Bülow von Dennewitz“ (6. Westfälisches) Nr. 55 in Detmold, Höxter und Bielefeld; Kavallerie und Feldartillerie standen in Münster, Minden, Paderborn und Schloß Neuhaus. Die 14. Division in Düsseldorf lag mit den Regimentern Nr. 16 und Nr. 53 in Köln, dem Füsilier-Regiment Nr. 39 in Düsseldorf, dem Infanterie-Regiment Nr. 159 in Mülheim an der Ruhr und Geldern sowie den Regimentern Nr. 56 und Nr. 57 in Wesel und Kleve. Dazu kamen das Westfälische Jäger-Bataillon Nr. 7 in Bückeburg, die Maschinengewehr-Abteilung Nr. 7 in Paderborn, das Fußartillerie-Regiment Nr. 7 und die Pionier-Bataillone Nr. 7 und Nr. 24 in Köln sowie die Train-Abteilung Nr. 7 in Münster. Die Truppen des Korps standen also in einem weiten Kranz um das Industrierevier — mit Mülheim an der Ruhr als einziger Ausnahme innerhalb des Reviers —, nicht in seinem Zentrum.

Was Dortmund an dauerhafter militärischer Einrichtung besaß, war eine Behörde, keine Truppe: die Landwehr-Inspektion Dortmund, die in der Friedensgliederung 1914 der 13. Division zugeordnet ist. Landwehr-Inspektionen beaufsichtigten mehrere Bezirkskommandos und waren für Aushebung und Musterung, für die Kontrolle der Reservisten und Landwehrpflichtigen und für die personelle Mobilmachung zuständig. Für eine Stadt mit sehr vielen wehrpflichtigen jungen Arbeitern war das eine erhebliche Verwaltungsaufgabe. Eine Truppengattung begründet sie nicht: In Dortmund wurde gemustert und Buch geführt, exerziert wurde anderswo.

Vor der Reichsgründung hatte das anders ausgesehen. Das Kürassier-Regiment von Driesen (Westfälisches) Nr. 4 bezog 1817 Standorte in Münster, Hamm, Dortmund und Coesfeld; einzelne Eskadrons wurden später nach Paderborn, Neuhaus, Lippstadt, Telgte und Warendorf verlegt. Ab 1871 war das Gros des Regiments in Münster vereinigt, die 4. Eskadron lag in Hamm, die 5. in Telgte; ab 1885 standen alle Eskadrons in Münster. Dortmund erscheint in dieser Reihe nach 1871 nicht mehr. Die Stadt verlor ihre militärische Belegung damit ungefähr in dem Moment, in dem ihr industrielles Wachstum einsetzte.

Damit ist die innenpolitische Seite berührt, die für eine Revierstadt näherliegt als die militärische. Beim Bergarbeiterstreik von 1889 forderten zahlreiche Zechen Polizei- oder Militärschutz für ihre Anlagen und für arbeitswillige Bergleute an; auf der Zeche Schleswig in Dortmund-Neuasseln wurden dabei mehrere Arbeiter erschossen. Beim Streik von 1912, an dem sich zwischen 150.000 und 235.000 Bergleute beteiligten, rückten am 14. März rund 5.000 Soldaten in die Kreise Dortmund, Hamm und Recklinghausen ein; bei Zusammenstößen mit Militär und Polizei kamen vier Arbeiter ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Der Düsseldorfer Regierungspräsident hatte Militärhilfe abgelehnt, Wilhelm II. setzte den Einsatz gleichwohl durch.

Gerade das Wort „einrücken“ ist aufschlussreich. Die Soldaten mussten herangeführt und einquartiert werden, weil im Revier keine Garnison vorhanden war. Die vergleichende Forschung ordnet den Einsatz zurückhaltend ein: Katharina Schmitten zeigt am Vergleich der Ruhrstreiks von 1912 mit den südwalisischen Streiks von 1910/11, dass das Militär auch im Kaiserreich als ultima ratio galt und für die öffentliche Ordnung primär die Polizei zuständig blieb; General von Einem beschränkte sich 1912 auf das, was die Zivilbehörden angefordert hatten. Von einer dauerhaften Militarisierung der Revierstädte kann man daraus nicht ableiten — wohl aber, dass die Option des Truppeneinsatzes im Hintergrund stand.

Mit Kriegsbeginn 1914 wurde das militärische Übergewicht dann formal. Der kommandierende General wurde im Belagerungszustand Träger der vollziehenden Gewalt in seinem Korpsbezirk; das stellvertretende Generalkommando des VII. Armee-Korps in Münster übernahm für die Provinz Westfalen die Funktion einer zivilen Oberbehörde und war für Aushebungen, Pressezensur und Kriegspropaganda zuständig. Am 27. November 1914 wurde der verschärfte Belagerungszustand verhängt. Dortmund erlebte diese Herrschaft als Rüstungsstandort: Im Ruhrbergbau wurden bei Kriegsbeginn schätzungsweise 100.000 Mann eingezogen, in den Dortmunder Stahlwerken die Hälfte der Belegschaft. Im Winter 1917 erfasste eine Streikwelle mit 75.000 bis 100.000 Beteiligten die westfälische Montanregion; der stellvertretende kommandierende General erließ am 22. August 1917 eine Verordnung gegen jeden, der Arbeiter in Rüstungsbetrieben zum Verlassen oder Wechseln ihres Arbeitsplatzes zu bewegen versuchte.

Kasernenbau im Kaiserreich hat es in Dortmund nach den greifbaren Quellen nicht gegeben. Garnisonstadt wurde Dortmund erst unter der Wehrmacht: Am 1. Juni 1935 begann der Bau der Flakkaserne, am 1. Oktober 1935 wurden die ersten drei Blocks bezogen, am 19. Oktober 1935 erhielt die Stadt den offiziellen Garnisonsstatus, und am 29. Oktober 1935 rückte mit der Abteilung I des Flakregiments 4 die erste Truppe ein. Neben dem seit 1925 bestehenden Zivilflughafen im Nordosten entstand ab 1934 ein Fliegerhorst, dessen militärischer Teil den Namen Richthofen-Kaserne erhielt; 1941 waren dort etwa 1.000 Soldaten untergebracht. Die einzige ältere Kasernenanlage, die in der Literatur zu Dortmund auftaucht, ist eine nach dem Ersten Weltkrieg errichtete Polizeikaserne am Hohwart.

Aus diesen Anlagen ist geworden, was heute das Stadtbild prägt. Die britische Rheinarmee übernahm die Richthofen-Kaserne 1945 und benannte sie nach dem Militärhistoriker William Francis Patrick Napier in Napier Barracks um. Mit dem vollständigen Abzug im Juli 1995 wurden elf Standorte mit zusammen rund 270 Hektar frei. Auf dem Gelände der Napier Barracks entstand der Stadtteil Hohenbuschei mit Wohnbebauung, dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund und einem Golfplatz; die Suffolks Barracks am Hohwart wurden ebenfalls zu einem Wohnquartier, die frühere Flak-Kaserne zum Bürostandort Stadtkrone Ost, unter anderem mit der Hauptverwaltung der Continentale. Wer in Dortmund nach militärischem Erbe sucht, findet also die 1930er Jahre und die britische Nachkriegszeit — aus der Kaiserzeit ist an Bausubstanz nichts zu holen, weil damals nichts gebaut wurde.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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Benachbarte Garnisonen

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