Barmen war seit 1861 ein eigener Stadtkreis in der preußischen Rheinprovinz, Regierungsbezirk Düsseldorf, und um 1900 mit 141.944 Einwohnern eine der größten Industriestädte des Reiches; 1905 zählte die Stadt 156.148 Einwohner und rangierte damit an 29. Stelle der deutschen Städte. Militärisch blieb dieser Ballungsraum jedoch leer. Zwischen der Reichsgründung 1871 und dem Ende des Kaiserreichs 1918 lag in Barmen kein aktiver Truppenteil — weder ein Bataillon noch eine Eskadron noch eine Batterie. Wer nach einer Barmer Kaserne der Kaiserzeit sucht, findet keine, weil nie eine gebaut wurde.
Der militärische Bezugsrahmen war das VII. Armeekorps mit Generalkommando in Münster. Als preußische Stadt gehörte Barmen unmittelbar zum preußischen Heer; eine Militärkonvention, wie sie die Klein- und Mittelstaaten mit Preußen schlossen oder wie sie 1867 zwischen Preußen und Sachsen-Weimar vereinbart und von weiteren Staaten durch Beitritt übernommen wurde, war hier gegenstandslos. Innerhalb des Korpsbezirks war Barmen Sitz eines Bezirkskommandos, das der Landwehr-Inspektion Düsseldorf unterstand — gemeinsam mit den Bezirkskommandos Crefeld, Düsseldorf I und II, Elberfeld, Hagen, Lennep und Solingen. Ein Bezirkskommando war eine Ersatzbehörde, keine Truppe: Es führte die Stammrollen, überwachte Reservisten und Landwehrpflichtige, regelte Musterung und Einberufung und verwahrte Bekleidung und Ausrüstung für den Mobilmachungsfall. Es bestand aus wenigen Offizieren und Schreibern.
Die Vorgeschichte dieses Bezirks reicht weit zurück. 1838 gründeten vierzehn Reserveoffiziere aus dem Wuppertal unter Premierleutnant Karl-Heinrich Boeddinghaus einen Offizierverein; sie gehörten zum Landwehrbataillon Essen des 36. Infanterie-Regiments, dessen Bezirk neben dem Kreis Essen auch Barmen und Elberfeld umfasste. 1867 entstand das Reserve-Landwehr-Bataillon Nr. 39 für den Kreis Mettmann sowie die Städte Barmen und Elberfeld. 1886 nannte sich der Verein „Offizierverein im Landwehrbezirk Barmen“; als am 1. März 1900 in Elberfeld ein eigenes preußisches Bezirkskommando eingerichtet wurde, teilte er sich in einen Barmer und einen Elberfelder Zweig. 1914 zählten beide zusammen 622 Mitglieder, davon 268 in Barmen. Das zeigt, wie viele Reserveoffiziere in der Stadt lebten — und zugleich, dass sie eben Reserveoffiziere waren und keine Standortbesatzung.
Der entscheidende Prüfstein ist die Friedensgliederung von 1914. Die für den Niederrhein zuständige 14. Division in Düsseldorf verteilte ihre Verbände auf Köln (Infanterie-Regiment „Freiherr von Sparr“ Nr. 16 und Infanterie-Regiment Nr. 53), Düsseldorf (Niederrheinisches Füsilier-Regiment Nr. 39), Mülheim an der Ruhr und Geldern (Infanterie-Regiment Nr. 159) sowie Wesel, Kleve und Krefeld. Barmen kommt in dieser Aufstellung nicht vor, ebenso wenig bei den Korpstruppen, die in Köln, Paderborn, Bückeburg und Münster lagen. Die nächstgelegenen Standorte waren Düsseldorf und Köln, rund dreißig beziehungsweise fünfzig Kilometer entfernt. Barmen war also Rekrutierungsraum, nicht Standort — zwei Dinge, die leicht verwechselt werden.
Mit dem Krieg änderte sich das nur teilweise. Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 53 wurde im August 1914 aufgestellt und rekrutierte sich aus Solingen, Barmen und Elberfeld; von rund 2.000 Mann fielen etwa 1.500, davon allein etwa 800 aus Barmen. Als Kriegsformation begründet dieses Regiment keinen Friedensstandort, es prägte aber das Gedenken der Stadt bis heute. Barmen richtete bereits 1914 einen Ehrenfriedhof im Barmer Wald ein — den ersten im Regierungsbezirk Düsseldorf und Vorbild für andere Kommunen. Das Gelände stellte der Barmer Verschönerungsverein bereit, die erste Beisetzung fand am 24. September 1914 statt, ohne Unterschied nach Konfession oder Rang. Zunächst nur für in Lazaretten Gestorbene gedacht, nahm die Anlage ab 1918 auch von der Front überführte Gefallene und verstorbene Kriegsgefangene auf; heute liegen dort rund 1.225 Tote beider Weltkriege.
Was Barmen im Kaiserreich prägte, war nicht das Militär, sondern die Textilindustrie. Die Bandwirkerei und die „Barmer Artikel“ — Bänder, Litzen, Borten und Besätze — beherrschten Weltmärkte; dazu kamen Färbereien, mechanische Webereien, die 1863 in Barmen gegründeten Farbenfabriken Bayer, der Klavierbau Ibach und die Teppichfabrik Vorwerk. Eine solche Stadt konnte für die Kriegswirtschaft ab 1914 erhebliche Bedeutung entfalten, ohne je Truppen beherbergt zu haben; das entspricht dem Befund für Essen, wo Krupps Rüstungswerk ebenfalls keine Garnison begründete. Auch die Schwebebahn, das bekannteste Bauwerk des Tals, ist kein Militärprojekt: Ihre erste Teilstrecke ging 1901 auf Elberfelder Gebiet in Betrieb, der Barmer Abschnitt von der Kluse bis Rittershausen — dem heutigen Oberbarmen — folgte am 27. Juni 1903.
Garnison wurde das Tal erst lange nach dem Kaiserreich. Barmen ging 1929 mit Elberfeld, Ronsdorf, Cronenberg, Vohwinkel und Beyenburg in der neuen Stadt Wuppertal auf. 1935 suchten Vermessungstrupps der Wehrmacht Bauland auf den Südhöhen, am 17. Oktober 1936 schloss die Stadt einen Garnisonsvertrag und stellte 70,9 Hektar im Wert von 150.000 Reichsmark bereit; die Erschließung finanzierte sie über ein Darlehen von 1,6 Millionen Reichsmark. Am 15. März 1938 bezog das Artillerie-Regiment 76, aus dem schlesischen Sagan verlegt, die erste fertige Kaserne. Auf Barmer Gebiet entstand auf dem Lichtscheid die Colmar-Kaserne, bezogen im November 1938.
Die vier Wuppertaler Kasernen sind Bauten der NS-Aufrüstung, nicht der Kaiserzeit. Nach 1945 nutzten britische Truppen sie weiter — die Colmar-Kaserne hieß nun Harding Barracks —, bevor sie am 21. Oktober 1969 an die Bundeswehr überging; bis 2004 wurde der gesamte Standort aufgegeben. Auf dem Barmer Gelände am Lichtscheid arbeitet heute das Technologiezentrum W-Tec. Vom Militär der Kaiserzeit blieb in Barmen dagegen nichts Gebautes. Was an jene Jahre erinnert, sind der Ehrenfriedhof mit dem 1922 enthüllten Löwendenkmal Paul Wynands und das am 17. Juli 1938 in den Barmer Anlagen am Ernst-von-Eynern-Platz aufgestellte Denkmal für das Reserve-Infanterie-Regiment 53 von Fritz Lücken — Gedenkorte einer Stadt, die Soldaten stellte, aber keine beherbergte.
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