Elberfeld im Kaiserreich

Königreich Preußen
Bezirkskommando der Landwehr

Königreich

Truppengattung

Koordinaten

51.2491° N, 7.1514° O

Heutiger Name

Elberfeld

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Über Elberfeld

Elberfeld war bis zum Zusammenschluss mit Barmen, Vohwinkel, Cronenberg, Ronsdorf und Beyenburg am 1. August 1929 eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Düsseldorf der preußischen Rheinprovinz; aus dem Kreis Elberfeld war sie schon am 1. Juni 1861 ausgeschieden. Militärisch gehörte dieser nördliche Teil der Rheinprovinz nicht zum VIII. (Rheinischen) Armeekorps in Koblenz, dessen Truppen nur im Süden der Provinz bis Köln standen, sondern zum Bezirk des VII. (Westfälischen) Armeekorps mit Generalkommando in Münster. Zuständiger Großverband war die 14. Division in Düsseldorf. Eine Militärkonvention brauchte es hier nicht: Elberfeld lag im preußischen Stammland, die Frage nach einem eigenen Landeskontingent stellt sich für die Stadt nicht.

Der Prüfstein für den Garnisonsstatus ist die Friedensgliederung des VII. Armeekorps von 1914. Sie führt als Standorte Münster (13. Division und Westfälische Train-Abteilung Nr. 7), Düsseldorf (14. Division), Bückeburg (Westfälisches Jäger-Bataillon Nr. 7), Paderborn (Maschinengewehr-Abteilung Nr. 7) sowie Köln für das Westfälische Fußartillerie-Regiment Nr. 7 und das Pionier-Kommando mit zwei Bataillonen. Innerhalb der 14. Division lagen die Infanterie-Regimenter Nr. 16 und Nr. 53 in Köln, das Niederrheinische Füsilier-Regiment Nr. 39 in Düsseldorf, das Infanterie-Regiment Nr. 159 in Mülheim an der Ruhr und Geldern sowie zwei weitere Regimenter in Wesel und Kleve. Die Kavallerie stand mit dem 2. Westfälischen Husaren-Regiment Nr. 11 in Krefeld und dem Westfälischen Ulanen-Regiment Nr. 5 in Düsseldorf, die Feldartillerie-Brigade in Wesel. Elberfeld kommt in dieser Aufstellung an keiner Stelle als Garnison vor — und ebenso wenig in den Regimentsverzeichnissen der beiden Divisionen.

Was die Stadt stattdessen besaß, war Militärverwaltung ohne Truppe. Elberfeld war Sitz eines Bezirkskommandos, also der Behörde, die zusammen mit den zivilen Landratsämtern das Aushebungswesen führte und die Beurlaubten — Reserve, Landwehr, Landsturm — kontrollierte. Ein Bezirkskommando hatte einen Kommandeur, einige Offiziere und Schreibstuben, aber keine Kompanie und keine Kaserne. Im Bereich der 14. Division bestanden die Landwehr-Inspektionen Düsseldorf und Essen, denen die Bezirkskommandos der Industriestädte unterstanden. Der Fall liegt damit ähnlich wie in Dortmund oder Essen: eine große, wehrpflichtige Bevölkerung, erfasst von einer Behörde am Ort, aber kein Bataillon in der Stadt.

Diese Zuordnung hat eine Vorgeschichte. In der Landwehrordnung des Vormärz gehörten die Offiziere aus dem Wuppertal zum Landwehr-Bataillon Essen des 36. Infanterie-Regiments, dessen Bezirk den Kreis Essen sowie die Städte Barmen und Elberfeld umfasste. Am 17. September 1867 wurde das Reserve-Landwehr-Bataillon Nr. 39 aufgestellt und ihm der Kreis Mettmann samt Barmen und Elberfeld zugewiesen. Auch das waren Rahmenverbände der Wehrersatzorganisation, nicht Truppen im Quartier. Die Elberfelder Wehrpflichtigen rückten zu ihren Einheiten aus — sie dienten auswärts, in den Standorten des VII. Armeekorps.

Dass eine Stadt dieser Größe leer ausging, ist im rheinischen Zusammenhang weniger überraschend, als es klingt. In der Rheinprovinz waren siebzehn Städte mit Garnisonen belegt; die größten bestanden in Köln mit Deutz, Koblenz mit Ehrenbreitstein, in Wesel und in den ehemaligen Residenzen Düsseldorf, Bonn und Trier. Die preußische Standortpolitik folgte Festungen, Rheinübergängen und alten Residenzstädten, nicht der Industriedichte. Wie wenig Militär im Wuppertal selbst verfügbar war, zeigte sich schon 1849: Beim Elberfelder Aufstand im Mai jenes Jahres mussten reguläre Truppen von außen in die Stadt gelegt werden — am 9. Mai rückten sie gegen den Willen des Oberbürgermeisters Johann Adolf von Carnap ein, woraufhin die Barrikaden entstanden.

Auch die zeitgenössischen Stadtbeschreibungen bestätigen den Befund indirekt. Die Übersichten zur Jahrhundertwende zählen für Elberfeld — 156.966 Einwohner 1900, 170.195 im Jahr 1910 — Landgericht mit Schwurgerichtssaal, Gewerbegericht, Königliche Eisenbahndirektion, Hauptzollamt und Reichsbankstelle auf, dazu sieben Bahnhöfe, elektrische Straßenbahn und seit 1901 die Schwebebahn. Eine Garnison oder ein Truppenteil erscheint in diesen Behördenlisten nicht, obwohl solche Werke Garnisonsorte sonst regelmäßig ausweisen. Wirtschaftlich stand die Stadt für Türkischrotfärberei, Kattundruck, Baumwoll-, Woll- und Seidenstoffe sowie für die Alizarin- und Anilinfarbenfabrikation, aus der die chemische Großindustrie hervorging.

Im Ersten Weltkrieg wurde Elberfeld dennoch militärisch beansprucht — als Lazarettstadt und als Rüstungsstandort, nicht als Garnison. Für die Toten aus den großen Lazaretten wurde zu Kriegsbeginn auf der Königshöhe ein Ehrenfriedhof angelegt, gestaltet von den Architekten Heinrich Rudolf Jacobs und Walter Schwagenscheidt; auf rund 2,1 Hektar ruhen dort 567 Gefallene des Ersten Weltkriegs, dazu 20 Opfer des Kapp-Putsches von 1920. Das Kriegerdenkmal mit vierzehn Bronzetafeln und Steinreliefs des Bildhauers Wilhelm Rex wurde am 21. November 1926 eingeweiht. Kriegsgefangene wurden zu Bauarbeiten herangezogen, unter anderem beim Anlegen der Hindenburgstraße. Die Ersatz- und Landsturmformationen, die der Landwehrbezirk nach der Mobilmachung stellte, gehören zu den Kriegsformationen ab August 1914 und begründen keinen Friedensstandort.

Garnison wurde das Tal erst unter der Wehrmacht. Am 17. Oktober 1936 schloss die Stadt Wuppertal einen Garnisonsvertrag; Vermessungstrupps hatten seit 1935 auf den Südhöhen an der Grenze von Elberfeld, Barmen und Ronsdorf geeignetes Gelände gesucht. Am 15. März 1938 bezog die II. Abteilung des Artillerie-Regiments 76 die neu errichtete Saarburg-Kaserne am Freudenberg in Elberfeld, benannt nach dem lothringischen Saarburg. Weitere Anlagen entstanden ab 1936/37 auf Ronsdorfer und Barmer Gebiet. Zwischen 1871 und 1918 gab es in Elberfeld nichts dergleichen — es existierte schlicht keine Kaserne, weil nie eine gebaut worden war.

Von diesem späten militärischen Kapitel ist in Elberfeld heute der Freudenberg geblieben. Nach 1945 nutzten britische Truppen die Anlage als Bangor Barracks, später die Bundeswehr; seit 2003 beherbergt das Gelände den Campus Freudenberg der Bergischen Universität Wuppertal, in dem unter anderem ingenieurwissenschaftliche Einrichtungen untergebracht sind. Die Angaben zur Bundeswehrzeit gehen in den Quellen auseinander: Die Darstellung zu den Wuppertaler Kasernen nennt 1965 bis 1993, die Chronik des örtlichen Offiziervereins bereits 1957 als Jahr des Einzugs erster Bundeswehreinheiten am Freudenberg. Der Ehrenfriedhof auf der Königshöhe ist demgegenüber das ältere und für die Kaiserzeit aussagekräftigere Zeugnis: Er erinnert an eine Stadt, die Soldaten stellte und Verwundete versorgte, ohne je Standort eines Regiments gewesen zu sein.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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