Pyrmont im Kaiserreich

Fürstentum Waldeck-Pyrmont
Ohne Garnison im Kaiserreich

Fürstentum

Waldeck-Pyrmont

Truppengattung

Ohne Garnison

Koordinaten

51.9861° N, 9.2528° O

Heutiger Name

Pyrmont

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Über Pyrmont

Pyrmont zählte im Kaiserreich zu den bekannteren Heilbädern Norddeutschlands. Der Ort verfügte über drei Stahlquellen — Hauptquelle, Helenenquelle und Brodelbrunnen — sowie drei kohlensäurereiche Solquellen mit Temperaturen zwischen zehn und fünfzehn Grad; ein Moorbad stand seit 1891 in Betrieb. Eine Kurtaxe war bereits 1864 eingeführt worden. Zeitgenössische Nachschlagewerke bezifferten die Zahl der Kurgäste auf jährlich etwa 23.000. Baulich erreichte der Kurbetrieb um die Jahrhundertwende seinen Höhepunkt: Das Fürstliche Kurhaus entstand 1898/99 im Stil des Neoklassizismus, zwischen 1905 und 1909 kam östlich davon an der Heiligenangerstraße ein zweigeschossiger Anbau als Kurhotel hinzu. 1911 brannten Obergeschoss und Dach des Kurhauses ab; noch im selben Jahr wurden die Reste des Baus beim Wiederaufbau in das Kurhotel einbezogen.

Der Ruf des Bades war älter als das Kaiserreich und beruhte wesentlich auf Gästen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Überliefert sind der Aufenthalt Zar Peters I. im Jahr 1716, der König Georgs I. von Großbritannien 1725, die Kuraufenthalte Friedrichs II. von Preußen 1744 und 1746 sowie der Besuch Johann Wolfgang von Goethes 1801 und Königin Luises 1806. Für die Jahre 1871 bis 1918 nennen die herangezogenen Darstellungen keine namentlich gesicherten prominenten Kurgäste; die überlieferte Prominenz gehört überwiegend der vorangegangenen Epoche an, deren Ansehen der Badebetrieb des Kaiserreichs weiterhin nutzte.

Staatsrechtlich gehörte Pyrmont zum Fürstentum Waldeck und Pyrmont, einem der kleinsten Bundesstaaten des Reiches. Bereits am 1. August 1862 war eine Militärkonvention mit Preußen geschlossen worden; im Oktober 1867 folgte der Akzessionsvertrag, nach dem das Fürstentum nominell selbständig blieb, Preußen aber vom 1. Januar 1868 an die Staatsdefizite sowie die innere Verwaltung einschließlich Justiz- und Schulwesen übernahm, und zwar nach waldeckischem Recht. Preußen setzte hierfür einen Landesdirektor ein; dem Fürsten verblieben unter anderem Kirchenhoheit, Begnadigungsrecht, die Zustimmung zur Gesetzgebung und die Domäneneinkünfte. Der Vertrag wurde jeweils auf zehn Jahre erneuert und blieb bis 1926 in Kraft. Bei der Zählung von 1910 hatte das Fürstentum 61.707 Einwohner in 121 Gemeinden auf 1.120,96 Quadratkilometern.

Militärisch trat Pyrmont im Kaiserreich nicht in Erscheinung. Das waldeckische Kontingent ging 1867 im preußischen Heer auf und bildete bis 1918 das III. (Füsilier-)Bataillon des Infanterie-Regiments „von Wittich“ (3. Kurhessisches) Nr. 83, dessen Stab und erste beide Bataillone in Kassel lagen. Standort des waldeckischen Bataillons war Arolsen: Dorthin war 1866 die 4. Kompanie aus Helsen verlegt worden, 1867 rückte das Füsilier-Bataillon des Regiments Nr. 83 ein, und ab 1869 entstanden dort Einquartierungshaus, Lazarett und Exerzierhaus. Die Fürsten Georg Viktor und Friedrich zu Waldeck und Pyrmont waren Regiments- beziehungsweise Bataillonschef. In Pyrmont selbst ließen sich für 1871 bis 1918 weder eine Kaserne noch dauerhaft stationierte Truppen belegen; die Ortsbeschreibung der Zeit führt an öffentlichen Einrichtungen Amtsgericht, höhere Knabenschule, Armen- und Krankenhaus, Theater und ein Kriegerdenkmal auf. Das Denkmal erinnerte an gefallene Landeskinder, begründete aber keinen Garnisonsstatus.

Eine militärhistorische Note besitzt gleichwohl das Schloss. Graf Friedrich VI. von Spiegelberg ließ ab 1526 eine Festung mit Wohnbau errichten, an deren Stelle 1557 ein Schlossbau der Weserrenaissance trat. Die Anlage ist nahezu quadratisch, umfasst rund 4,5 Hektar und wird von einem 30 bis 40 Meter breiten Wassergraben umschlossen; die gefährdete Nordseite sicherte eine steinerne Bastion, die Tordurchfahrt verläuft im Zickzack, und in den Mauern liegen Kasematten für Geschütze. Auf dem Sockelgeschoss entstand ab 1706 ein barocker Neubau, der 1710 vollendet wurde; als Bauleiter gilt Hermann Korb. Im Kaiserreich diente das Schloss dem Fürstenhaus als Sommerresidenz inmitten des Badeortes. Seit 1956 ist es im Eigentum des Landes Niedersachsen und beherbergt ein Museum zur Stadt- und Badegeschichte.

Die Stadt selbst blieb klein. Für 1905 werden 1.527 Einwohner für die Stadt Pyrmont und 2.324 für Pyrmont mit Ösdorf angegeben, für das Fürstentum Pyrmont 9.162; der Kreis Pyrmont zählte 1910 auf 65,53 Quadratkilometern 9.349 Einwohner in elf Gemeinden, wobei Ösdorf mit 2.426 und Holzhausen mit 2.397 Einwohnern die größten waren. Neben dem Badebetrieb bestanden Schirm- und Zigarrenfabriken. Verkehrlich wurde der Ort 1872 an die Bahnstrecke Hannover–Altenbeken angeschlossen, 1879 verband eine Pferdebahn Bahnhof und Stadt. Seit 1914 durfte sich der Ort amtlich Bad Pyrmont nennen. Nach der Novemberrevolution wurde Fürst Friedrich am 13. November 1918 für abgesetzt erklärt, das Fürstentum wurde Freistaat. Auf eine Volksabstimmung im Jahr 1921 und einen Staatsvertrag mit Preußen vom 29. November 1921 hin schied der Landesteil Pyrmont zum 1. April 1922 aus und kam zur preußischen Provinz Hannover, wo er mit dem Kreis Hameln zum Landkreis Hameln-Pyrmont vereinigt wurde.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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