Garnison Detmold

Fürstentum Lippe
Heeresstandort

Fürstentum

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

51.9363° N, 8.8792° O

Heutiger Name

Detmold

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Über die Garnison Detmold

Detmold war bis 1918 Residenz des Fürstentums Lippe, eines der kleinsten Bundesstaaten des Deutschen Reiches: rund 1.215 Quadratkilometer, 150.937 Einwohner nach der Zählung von 1910. Bis 1867 unterhielt das Land eine eigene kleine Truppe, das fürstlich-lippische Füsilier-Bataillon, dessen Angehörige als „Lipper Schützen" weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt waren – nicht wegen militärischer Leistungen, sondern durch das Lied „Lippe-Detmold, eine wunderschöne Stadt". Militärisch bedeutete dieses Bataillon wenig; politisch war es der sichtbare Ausdruck der Landeshoheit.

Diese Landeshoheit endete mit dem Eintritt in den Norddeutschen Bund. Am 26. Juni 1867 schloss Lippe eine Militärkonvention mit Preußen, die am 1. Oktober 1867 in Kraft trat. Das Fürstentum gab damit seine Militärhoheit ab; das Füsilier-Bataillon wurde aufgelöst, drei Offiziere und 254 Mann traten in das III. Bataillon des preußischen Infanterie-Regiments (6. Westfälisches) Nr. 55 über, dessen Garnison zugleich von Herford nach Detmold verlegt wurde. 1873 folgte eine neue Fassung der Konvention vom 14. November. Für die Wehrpflichtigen bedeutete der Wechsel längere Dienstzeiten, für das Land höhere Lasten durch die preußische Heeresorganisation.

Dem Landesherrn blieben im Wesentlichen Ehrenrechte als Kontingentsherr: die Ernennung und Besoldung von Offizieren à la suite, die Abstellung von Adjutanten – deren Gehalt Preußen trug – und die Bestimmung von deren Uniformen. Der letzte Fürst, Leopold IV., führte den Titel eines Chefs des III. Bataillons des Regiments Nr. 55 und stand à la suite des 1. Garde-Ulanen-Regiments. Verwaltet wurden diese Reste vom Fürstlich-Lippischen Militärkabinett, das am 19. November 1918 aufgelöst wurde, eine Woche nach dem erzwungenen Thronverzicht Leopolds IV. am 12. November.

Das Regiment Nr. 55 war kein lippischer Traditionsverband. Es wurde am 5. Mai 1860 im Zuge der Heeresreform Roons aufgestellt; Aufstellungsorte waren Minden, Paderborn und Bielefeld. 1864 kämpfte es vor den Düppeler Schanzen und beim Übergang nach Alsen, 1866 in Hannover sowie bei Kissingen und Aschaffenburg, 1870/71 bei Spichern und Colombey. Am 27. Januar 1889 verfügte Wilhelm II. den Ehrennamen „Graf Bülow von Dennewitz" nach dem General der Koalitionskriege. Zu den Kommandeuren zählte Oberst Richard von Seeckt; dessen Sohn Hans besuchte in Detmold das Gymnasium Leopoldinum und wurde später Chef der Heeresleitung der Reichswehr.

Im Verwaltungsgefüge des Kaiserreichs gehörte Lippe zum Ersatzbezirk des VII. Armeekorps mit Generalkommando in Münster, wo auch der Stab der 13. Division lag; das Regiment unterstand der 26. Infanterie-Brigade in Minden. Geschlossen an einem Ort stand der Verband nie: Regimentsstab und III. Bataillon in Detmold, das I. Bataillon in Höxter an der Weser, das II. in Bielefeld. Dass der Stab in der Residenzstadt lag, war für Hof und Stadt vor allem ein Prestigegewinn.

Die Unterbringung blieb lange behelfsmäßig. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfügte Detmold über zwei Kasernen: die Kaserne I an der Leopoldstraße, errichtet vom vielbeschäftigten Detmolder Maurermeister Rackelmann, und die Kaserne II, das 1827/28 als Strafwerkhaus gebaute klassizistische Gebäude an der damaligen Lemgoer Chaussee, das ab 1870 als Kaserne und Zeughaus diente und eine Kompanie aufnahm. Verheiratete Soldaten lagen in Bürgerquartieren der Stadt. Für die drei Kompanien eines Bataillons reichte das kaum aus.

Ein Neubau war heikel, weil ein eigener Etatposten des Heeres die Zustimmung des Reichstags gebraucht hätte. Der Ausweg bestand darin, die Stadt bauen zu lassen: Der Mietvertrag zwischen dem preußischen Heer und Detmold vom 29. August 1900 lief über 25 Jahre, Mietbeginn war der 1. Oktober 1904. Für Planung und Bau stellte die Stadt eigens den Architekten Paul Schuster (1866–1932) ein. So entstand am Stadtrand die Kaserne III an der Emilienstraße, nach dem Ehrennamen des Regiments auch Bülow-Kaserne, nach der Straße Emilienkaserne genannt. Das dabei in Aussicht gestellte zweite Bataillon ist nie nach Detmold verlegt worden.

Im Ersten Weltkrieg stand das Regiment an der Westfront, unter anderem 1916 an der Somme sowie bei Verdun und an der Aisne. Das 55er-Denkmal am Kaiser-Wilhelm-Platz in Detmold beziffert die Verluste von 1914 bis 1918 mit 132 Offizieren und 4.128 Unteroffizieren und Mannschaften, ohne Namensnennung. Ab dem 6. Dezember 1918 wurden in Detmold der Regimentsstab und das III. Bataillon demobilisiert, in Höxter das I. und in Bielefeld das II. Bataillon.

Die Garnison überlebte den Umbruch von 1918/19, obwohl der Versailler Vertrag zahlreiche Standorte kostete: Im Januar 1921 wurde Detmold Standort des Ausbildungsbataillons des Reichswehr-Infanterie-Regiments 18 mit drei Kompanien; einen Regimentsstab gab es in der Stadt nicht mehr. Die Kaserne III wurde bis 1992 militärisch genutzt, nach 1945 zunächst von den britischen Streitkräften. Anschließend erwarb das Land Nordrhein-Westfalen das Gelände, auf dem ab 2003 der „Campus Emilie" der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe entstand; 2007 zogen die Detmolder Fachbereiche dort zusammen. Die Kaserne II an der heutigen Richthofenstraße 3 beherbergt das Justizzentrum mit Sozial- und Arbeitsgericht; die Kaserne I an der Leopoldstraße wurde 1959 abgerissen, auf ihrem Gelände steht der Neubau der Bezirksregierung.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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