Garnison Sennelager

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

51.7730° N, 8.7144° O

Heutiger Name

Sennelager

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Über die Garnison Sennelager

Sennelager verdankt dem Militär nicht nur seinen Namen, sondern seine Existenz. 1851 richtete die preußische Armee im damals weitgehend unbesiedelten Sennegebiet der Gemeinde Neuhaus ein Kavallerie-Übungslager ein — das namensgebende „Senne-Lager“. Die Gegend war dafür kein Zufallsort: Paderborn und Neuhaus waren bereits seit 1820 Kavalleriegarnisonen, und ab 1851 lagen mehrere Eskadronen des 1. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 8 in diesem Raum. Das Regiment bezog 1858 endgültig Neuhaus als Garnison — unmittelbar am späteren Übungsplatz und nahe der Offizier-Reitschule in Paderborn.

Aus dem sommerlichen Reiterlager wurde in mehreren Schritten eine der großen Militäranlagen Preußens. 1881 erwarb die Armee südlich der Strothe einen 15 Hektar großen Kavallerie-Exerzierplatz, der 1888 zu einem Kavallerie-Übungsplatz von 400 Hektar erweitert wurde. 1891 bestimmte die Königlich Preußische Armee die Senne dann zum Standort eines allgemeinen Militärübungsplatzes, der 1892 mit zunächst etwa 35 Quadratkilometern in Betrieb ging — eingerichtet vom VII. Armee-Korps mit Stab in Münster, in dessen Korpsbezirk der Platz lag. Am 5. Juli 1892 begann der Übungsbetrieb; gleichzeitig entstanden der erste Schießstand und ein Barackenlager. Zwar wurden überwiegend unbesiedelte Flächen zum Sperrgebiet, dennoch mussten 49 Haus- und Hofbesitzer ihre Heimat verlassen.

Um den Platz herum wuchs eine feste Infrastruktur. Aus dem ab 1892 im Norden der Gemeinde Neuhaus angelegten Lager für die Übungstruppen — anfangs nicht mehr als Zelte, das spätere Südlager — entwickelte sich der neue Ortsteil Sennelager mit ziviler Ansiedlung von Handwerkern, Gastwirten und Lieferanten. Ab 1901 kam das Neue Lager hinzu, nun in solider Steinbauweise: ein Zeichen, dass die Armee die Senne als Dauereinrichtung betrieb, nicht als Provisorium.

Damit stellt sich die Frage, die viele Übungsplätze des Kaiserreichs unterschiedlich beantworten: War die Senne nur ein Platz mit jährlich wechselnder Belegung — oder eine echte Friedensgarnison? Für die Senne fällt die Antwort eindeutig aus. Das 1897 aus Abgaben der westfälischen Infanterie-Regimenter Nr. 13, 53 und 55 errichtete Infanterie-Regiment Nr. 158 (7. Lothringisches) erhielt Paderborn als Garnison, und die Friedensgliederung von 1914 führt es ausdrücklich „in Paderborn und Senne“ — ein Teil des Regiments lag also ständig am Übungsplatz. Das Regiment unterstand der 25. Infanterie-Brigade der 13. Division im VII. Armee-Korps. Der Eintrag „Senne“ bei der 13. Division bezeichnet demnach keine Kavallerie- oder Remonteeinrichtung, sondern diesen Infanteriestandort; ergänzend lag in Paderborn die Maschinengewehr-Abteilung Nr. 7 des Korps.

Daneben blieb die Senne, was sie zuerst gewesen war: der zentrale Übungsplatz für gefechtsmäßiges Schießen und das Exerzieren in größeren Verbänden. Die Truppen des VII. Armee-Korps und weiterer Verbände belegten die Lager im Wechsel des Übungsjahres. Überregionale Aufmerksamkeit brachten die Kaisermanöver, die 1905 und 1908 auf dem Platz stattfanden.

Mit dem Kriegsausbruch 1914 änderte sich der Charakter des Platzes. Bei Sennelager entstand ein Kriegsgefangenenlager, eines der großen Stammlager Westfalens; etwa fünf Kilometer nördlich wurde am Haustenbach das Lager Staumühle errichtet, das ebenfalls Gefangene aufnahm. Interniert waren unter anderem britische und französische Soldaten sowie — in einem eigenen Bereich — Zivilisten, darunter britische Handelsseeleute und Nordseefischer, von denen viele später in das Internierungslager Ruhleben bei Berlin verlegt wurden. Der Ausländerfriedhof in der Senne mit ursprünglich rund 400 Kriegsgräbern ab 1914 erinnert an die Toten des Lagers, die an Hunger und Ruhr starben oder erschossen wurden; ein Gedenkstein nennt sie auf Russisch, Englisch, Französisch und Flämisch.

Zugleich blieb der Platz Ausbildungsmaschine des Krieges: Ab 1916 wurden im Lager Staumühle Reserve-Infanterieregimenter aufgestellt und ausgebildet. Das Paderborner Infanterie-Regiment Nr. 158 selbst stand ab August 1914 im Feld und wurde unter anderem 1916 beim Sturm auf das Fort Vaux vor Verdun eingesetzt.

Nach 1918 blieb die Senne militärisch — die Reichswehr und ab den 1930er Jahren die Wehrmacht erweiterten den Platz, der 1936 rund 41 Quadratkilometer maß. Am 1. August 1945 übernahm die britische Armee das Gelände; die Lager bei Sennelager dienten zeitweise als Internierungseinrichtung und sind bis heute Kern der britischen Präsenz in Deutschland: Das Sennelager Training Centre wird jährlich von bis zu 10.000 britischen und verbündeten Soldaten für Übungen genutzt. Der Ortsteil Sennelager kam 1975 zur Stadt Paderborn. Weil die militärische Nutzung das Gebiet über 130 Jahre vor Bebauung und intensiver Landwirtschaft bewahrte, gilt der Truppenübungsplatz heute zugleich als einer der wertvollsten Naturräume Westfalens.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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