Garnison Bückeburg

Fürstentum Schaumburg-Lippe
Heeresstandort

Fürstentum

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

52.2611° N, 9.0489° O

Heutiger Name

Bückeburg

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Über die Garnison Bückeburg

Bückeburg war im Kaiserreich die Hauptstadt und Residenz des Fürstentums Schaumburg-Lippe, eines der kleinsten Bundesstaaten des Deutschen Reiches: rund 340 Quadratkilometer, knapp 45.000 Einwohner, eine Stimme im Bundesrat. Die Stadt selbst zählte 1905 nur etwa 5.500 Einwohner. Ein einziges Bataillon leichter Infanterie reichte deshalb aus, um Bückeburg zu einer Garnisonsstadt zu machen, in der das Militär im Straßenbild allgegenwärtig war.

Die Weichen dafür stellte der Deutsche Krieg von 1866. Der Vertreter des Fürstentums beim Frankfurter Bundestag sollte für die Mobilmachung der Mittelstaaten gegen Preußen stimmen, enthielt sich aber, weil ihn die Weisung seiner Regierung zu spät erreichte. Am 16. Juni 1866 erlaubte Fürst Adolf I. Georg den Durchmarsch preußischer Truppen durch sein Gebiet und stellte sich damit offen auf die Seite Berlins. Am 18. August 1866 trat Schaumburg-Lippe dem preußischen Bündnis und in der Folge dem Norddeutschen Bund bei; die staatliche Selbständigkeit des Kleinstaates blieb erhalten.

Militärisch war diese Selbständigkeit allerdings weitgehend eine Form ohne Inhalt. Nach Bildung des Norddeutschen Bundes schloss Schaumburg-Lippe am 30. Juni 1867 eine Militärkonvention mit Preußen. Das bisherige landeseigene Militär wurde aufgelöst, die Soldaten konnten in den preußischen Dienst übertreten. Wie bei den übrigen Konventionsstaaten trat der Landesherr sein Recht auf die Ernennung der Offiziere seines Kontingents an die preußische Krone beziehungsweise ab 1871 an den Kaiser ab. Echte Reservatrechte über eigene Truppen, wie sie Bayern, Württemberg und Sachsen behielten, gab es für Schaumburg-Lippe nicht.

Im Gegenzug erhielt die Residenzstadt eine preußische Garnison. Per Kabinettsorder vom 22. August 1867 wurde das Westfälische Jäger-Bataillon Nr. 7 nach Bückeburg und Stadthagen befohlen. Es marschierte am 20. September 1867 aus Kleve ab und erreichte nach zwölf Marschtagen am 2. Oktober 1867 Bückeburg. Ab 1870 war Bückeburg alleiniger Garnisonsort. Der Verband war kein schaumburg-lippisches Erbe, sondern ein alter rheinisch-westfälischer Truppenteil: 1815 in Paris als „Rheinisches Schützenbataillon“ gestiftet, 1845 in Jäger umgewandelt, 1860 zum Westfälischen Jäger-Bataillon Nr. 7 formiert, mit Feldzügen 1849, 1864 und 1866 hinter sich.

Für die Unterbringung entstand zwischen Ulmenallee und Bergdorfer Straße ab 1867 unter Fürst Adolf I. Georg eine Kasernenanlage, die 1871 fertiggestellt war und nach ihrer Belegung Jägerkaserne hieß. Zur Anlage gehörten unter anderem Stabsgebäude, Hauptgebäude, Offizierskasino, Handwerkerhaus und Festhalle. Sie liegt etwa einen Kilometer östlich des Stadtzentrums und steht heute in großen Teilen unter Denkmalschutz.

Verwaltungsmäßig gehörte das Fürstentum zum Ersatzbezirk des VII. Armee-Korps mit Generalkommando in Münster, näherhin zum Bereich der 26. Infanterie-Brigade. Das Jägerbataillon war im Frieden brigadefrei und unmittelbar dem Korps unterstellt; erst mit der Mobilmachung trat es zur 26. Infanterie-Brigade und damit zur 13. Division. Bemerkenswert ist, dass die schaumburg-lippischen Rekruten zunächst gar nicht in Bückeburg dienten: Von 1867 an bildeten die Kontingente der beiden lippischen Fürstentümer gemeinsam das III. (Füsilier-)Bataillon des Infanterie-Regiments „Graf Bülow von Dennewitz“ (6. Westfälisches) Nr. 55 in Detmold. Erst ab 1897 wechselte das schaumburg-lippische Kontingent zum Jäger-Bataillon Nr. 7 in der eigenen Residenzstadt.

Die Verbindung zwischen Bataillon und Hof war dennoch eng und wurde bewusst gepflegt. Vom 25. Oktober 1869 bis zu seinem Tod führte Fürst Adolf I. Georg die Ehrenbezeichnung eines Chefs des Bataillons, ab dem 15. Mai 1893 sein Nachfolger Fürst Georg. Aus dieser Nähe erwuchs der Beiname „Bückeburger Jäger“, unter dem der Verband weit über Schaumburg-Lippe hinaus bekannt war. Auch Angehörige des Hauses dienten in der Einheit; die 1912 aufgestellte Radfahrkompanie wurde im Ersten Weltkrieg von Prinz Heinrich zu Schaumburg-Lippe geführt.

Der Erste Weltkrieg zerstörte das Bataillon mehrfach. Schon beim Einmarsch in Belgien im August 1914 erlitt es beim Vorgehen auf Lüttich so schwere Verluste, dass es auf Kompaniestärke zusammenschmolz. Die Reste kämpften bei Halen, verlegten im November 1914 mit der 4. Kavallerie-Division an die Ostfront, standen dort bis November 1917, wurden anschließend in den Gebirgskrieg in den Venetischen Alpen und an die Piave geworfen und kehrten im März 1918 an die Westfront zurück. Zuletzt betrug die Gefechtsstärke 35 Mann. 791 Angehörige des Bataillons fielen. Nach dem Einzug in Berlin am 12. Dezember 1918 kehrte der Rest nach Bückeburg zurück und wurde noch im selben Monat größtenteils aufgelöst.

Die Kaserne überdauerte das Bataillon. In der Reichswehr lagen dort Stab, 11. und 12. Kompanie des 18. Infanterie-Regiments, ab 1935 das III. Bataillon des Infanterieregiments 58, das den Namen „Bückeburger Jäger“ weiterführte. Ende 1944 wurde die Anlage mehrfach bombardiert, im April 1945 von amerikanischen, danach von britischen Truppen übernommen und 1957 an die Bundesrepublik übergeben. Seit 1963 diente sie der Heeresfliegerwaffenschule, deren Nachfolger seit 2015 das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum ist; 2020 zog zusätzlich das Kommando Hubschrauber in das Stabsgebäude ein. Damit gehört die Jägerkaserne zu den ältesten von der Bundeswehr genutzten Liegenschaften. Die Ausstellungsstücke zum Jäger-Bataillon Nr. 7 befinden sich seit 2017 im Preußen-Museum Minden, das Schriftgut im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Bückeburg.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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