Arys im Kaiserreich

Königreich Preußen
Ohne Garnison im Kaiserreich

Königreich

Truppengattung

Koordinaten

53.8056° N, 21.9458° O

Heutiger Name

Arys

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Über Arys

Arys, das heutige Orzysz, war bis in die 1890er Jahre eine der kleinsten Städte Ostpreußens: eine masurische Ackerbürgerstadt im Kreis Johannisburg mit 1.324 Einwohnern im Jahr 1890, mit Postamt, Telegraphenstation und einer Weberei. Den entscheidenden wirtschaftlichen Impuls brachte das Militär — 1891 legte die preußische Heeresverwaltung südlich der Stadt einen Truppenübungsplatz an. Bis 1910 wuchs die Einwohnerzahl auf 2.201; die Stadt lebte fortan vom Übungsbetrieb.

Der Platz diente den Verbänden der Provinz als Raum für Gefechtsschießen und Übungen im Verbandsrahmen. Masuren gehörte zunächst zum Bezirk des I. Armee-Korps in Königsberg; mit der Aufstellung des XX. Armee-Korps in Allenstein zum 1. Oktober 1912 fiel die Region — und damit der Übungsplatz — in dessen Korpsbezirk. Arys war damit 1914 einer von 31 Truppenübungsplätzen des deutschen Heeres. Wie alle diese Plätze hatte er eine eigene Kommandantur unter einem Stabsoffizier oder General, die nicht in die Korpsgliederung eingefügt war, sondern unmittelbar der Militärverwaltung in Berlin unterstand.

Eine Friedensgarnison im eigentlichen Sinn war Arys nicht. Die Friedensgliederung des XX. Armee-Korps von 1914 nennt als Standorte Allenstein, Deutsch-Eylau, Ortelsburg, Lötzen und Graudenz — Arys fehlt. Auch Meyers Orts- und Verkehrslexikon verzeichnet für die Stadt keinen Garnisonsvermerk; das zuständige Bezirkskommando saß in Lötzen. Die Belegung des Platzes wechselte mit dem Übungskalender: Verbände wie das Infanterie-Regiment Nr. 45 aus Lötzen und Lyck, das Ulanen-Regiment „Graf zu Dohna” (Ostpreußisches) Nr. 8 aus Lyck oder das Ostpreußische Jäger-Bataillon Nr. 1 rückten für Wochen in das Barackenlager des Platzes ein und kehrten danach in ihre Standorte zurück.

Beliebt war der abgelegene Platz zunächst nicht. Unter den übenden Soldaten kursierte ein Spottvers über Wölfe, die hier Wache hielten, und Füchse, die sich gute Nacht sagten. Das änderte sich, als Arys 1905 mit der Bahnstrecke Lötzen–Johannisburg an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde: Nun ließen sich auch schweres Gerät und Geschütze herantransportieren, und die Bedeutung des Platzes wuchs. 1915 kam mit der Strecke Sensburg–Lyck eine zweite Verbindung hinzu.

Im Frühjahr 1914 übte die 1. Infanterie-Division aus dem Bezirk des I. Armee-Korps mehrere Wochen auf dem Platz — eine Ortskenntnis, die sich wenige Monate später auszahlte. Nach Kriegsbeginn war die Stadt vom 21. August bis 8. September 1914 russisch besetzt. Am 7. und 8. September 1914 durchbrach die Division unter General Hermann von François im Gefecht von Arys, das teils unmittelbar auf dem Übungsgelände ausgetragen wurde, die russischen Stellungen; die deutsche Seite meldete rund 450 Mann Verluste. Der Erfolg öffnete der 8. Armee in der Schlacht an den Masurischen Seen den Weg nach Osten. Vom 10. November 1914 bis zum 12. Februar 1915 war Arys ein zweites Mal besetzt und wurde erst in der Winterschlacht in Masuren zurückgewonnen; die Gefallenen wurden auf einem Ehrenfriedhof bei der Stadt bestattet.

Während des Ersten Weltkriegs richtete die Militärverwaltung auf dem Platz auch ein Kriegsgefangenenlager ein: Arys ist in den Verzeichnissen der deutschen Gefangenenlager als Mannschaftslager im Bezirk des XX. Armee-Korps geführt. Über Belegungsstärke und Zustände dieses Lagers ist wenig überliefert; es gehörte zu dem improvisierten Lagersystem der ersten Kriegsjahre, das häufig an bestehende militärische Anlagen anknüpfte.

Nach 1918 nutzte die Reichswehr den Platz weiter; ab 1929 und dann vor allem 1938 und 1940 wurde er auf rund 20.000 Hektar erweitert und zum größten Übungsplatz der Region ausgebaut. Die Wehrmacht stellte hier unter anderem die 161., die 383. und die 389. Infanterie-Division auf; auch Verbände der Waffen-SS mit belgischen und niederländischen Freiwilligen wurden auf dem Platz ausgebildet. Im Januar 1945 nahm die Rote Armee das Gebiet ein; zeitweise bestand ein Internierungslager des NKWD.

Im August 1945 kam Arys als Orzysz unter polnische Verwaltung — und blieb Militärstandort. Der Poligon Orzysz ist bis heute einer der wichtigsten Übungsplätze der polnischen Streitkräfte; 1970 wurde er förmlich als Ausbildungszentrum der Landstreitkräfte eingerichtet. Seit 2017 ist Orzysz zudem Stationierungsort der multinationalen NATO-Battlegroup Poland im Rahmen der Enhanced Forward Presence, mit Truppen unter Führung der US-Streitkräfte. Die militärische Prägung, die 1891 mit dem kaiserlichen Übungsplatz begann, setzt sich damit ununterbrochen fort.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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