Garnison Sensburg

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

53.8642° N, 21.3049° O

Heutiger Name

Sensburg

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Über die Garnison Sensburg

Sensburg lag im Süden Ostpreußens am Westufer des Czos-Sees, am Rand der Masurischen Seenplatte und rund 60 Kilometer östlich von Allenstein. Der Deutsche Orden errichtete hier um 1348 eine hölzerne Burg; die Siedlung erhielt 1444 durch Hochmeister Konrad von Jungingen das Stadtrecht nach Kulmer Recht. Seit 1818 war der Ort Sitz des Landkreises Sensburg. Verwaltungsrechtlich gehörte die Kreisstadt zur Provinz Ostpreußen und zum Regierungsbezirk Gumbinnen; am 1. November 1905 kam der Kreis zum neu gebildeten Regierungsbezirk Allenstein.

Wirtschaftlich blieb die Stadt lange klein und holzwirtschaftlich geprägt. 1871 zählte sie 3270 Einwohner, 1890 sogar nur 3562. Den Umschwung brachten zwei Ereignisse dicht hintereinander: 1897 der Anschluss an das Eisenbahnnetz und 1898 der Beginn des Kasernenbaus. Bis 1905 stieg die Einwohnerzahl auf 5838, 1910 auf 6492. Meyers Konversations-Lexikon nennt für 1905 ausdrücklich, dass diese Zahl die Garnison einschließt. Neben Land- und Forstwirtschaft gab es um 1900 Maschinen-, Kunststein- und Möbelfabrikation sowie Sägewerke, eine evangelische und eine katholische Kirche und eine Synagoge.

Der Anlass für die Garnison lag in der Außenpolitik. Nach dem Auslaufen des Rückversicherungsvertrags und der russisch-französischen Annäherung hielt die Heeresleitung die Kräfte in Ostpreußen für zu dünn und stellte neben dem alten I. Armee-Korps ein zweites auf: das XX. Armee-Korps mit Stab in Allenstein, das den weniger gefährdeten südwestlichen Grenzabschnitt decken sollte. Dafür wurden neue Infanterieregimenter aufgestellt und neue Standorte gesucht. Sensburg war einer davon.

Ab 1898 entstanden im Süden der Stadt, zwischen dem Blockberg und dem Czos-See, ausgedehnte Kasernenbauten aus rotem Backstein in neugotischen Formen. Der Komplex umfasste die Mannschaftsgebäude I bis XVI, Wirtschaftsgebäude, zwei Kantinen und ein Offizierkasino; er liegt an den heutigen Straßen Wojska Polskiego, Kopernika und Piaskowa und steht als Ensemble unter Denkmalschutz. Zuerst bezogen Behelfsunterkünfte Teile des 1. Masurischen Infanterie-Regiments Nr. 146. Für 1905 verzeichnet Meyers als Garnison zwei Bataillone dieses Regiments und die Maschinengewehr-Abteilung Nr. 6.

1908 wurden die Verbände umgruppiert: Das Ostpreußische Jäger-Bataillon Nr. 1 aus Ortelsburg und das in Sensburg liegende Bataillon des Regiments Nr. 146 kamen nach Allenstein. An ihre Stelle trat das 2. Ermländische Infanterie-Regiment Nr. 151. Dieses Regiment war am 31. März 1897 aufgestellt worden, lag zunächst in Wittenberg und Neuruppin beim brandenburgischen III. Armee-Korps und kam 1898 nach Allenstein zum I. Armee-Korps. 1909 verlegte es endgültig: Stab sowie I. und III. Bataillon nach Sensburg, das II. Bataillon nach Bischofsburg, wo es im April 1909 das abrückende Bataillon des Regiments Nr. 146 ablöste. 1912 wechselte das Regiment vom I. zum XX. Armee-Korps.

In der Friedensgliederung von 1914 gehörte das Regiment Nr. 151 damit zur 73. Infanterie-Brigade mit Stab in Lyck, zur 37. Division mit Stab in Allenstein und zum XX. Armee-Korps in Allenstein. Sensburg war folglich Standort eines Regimentsstabes und zweier Infanteriebataillone – die einzige belegte Truppengattung am Ort ist Infanterie. Kavallerie, Artillerie und Pioniere des Korps lagen anderswo, vor allem in Allenstein, Rastenburg, Lyck und Arys.

Der Krieg erreichte die Stadt sofort. Ende Juli 1914 rückte die 37. Division zur Grenzsicherung aus; die Sensburger und Bischofsburger Bataillone bezogen Stellungen im Seengebiet um Nikolaiken, Alt-Ukta und Rudczanny. Am 1. August folgte der Mobilmachungsbefehl. Bei der Mobilmachung trat das Ostpreußische Jäger-Bataillon Nr. 1 zur 73. Infanterie-Brigade. Das Regiment kämpfte vom 23. bis 31. August in der Schlacht bei Tannenberg, anschließend an den Masurischen Seen; die Division wurde bis Anfang 1917 an die Westfront verlegt. Am 29. Dezember 1918 kehrte nur ein Teil des Regiments nach Sensburg zurück, da die nicht ostpreußischen Mannschaften entlassen wurden. In der Stadt bildete sich ein Soldatenrat aus 25 Mitgliedern; Teile des Regiments gingen zum Grenzschutz nach Willenberg.

Von der Garnisonszeit ist einiges erhalten. Der Kasernenkomplex steht noch und wird heute für Schulen, Ämter und Wohnungen genutzt. An der Brzozowa-Straße liegt neben dem alten evangelischen Friedhof ein Militärfriedhof mit zwei Reihen Stelen; dort ruhen auch Soldaten, die im örtlichen Lazarett starben, sowie in einem Sammelgrab 27 russische Gefallene unter der Inschrift „Hier ruhen 27 russische Krieger Weltkrieg 1914-18“. Das Regimentsdenkmal von Hans Dammann mit der Inschrift „Dem ruhmreichen 2. Ermländischen Infanterie-Regiment Nr. 151 und seinen Toten 1914-1918“ stand an der Ecke des heutigen Kreisamtsgebäudes; von ihm ist nur ein Eckpfeiler übrig. Oberhalb des Friedhofs steht der 1905/06 auf Jaenikes Höhe errichtete, 23 Meter hohe Bismarckturm.

Bei der Volksabstimmung im Abstimmungsgebiet Allenstein am 11. Juli 1920 entfielen in der Stadt Sensburg 3660 Stimmen auf den Verbleib bei Ostpreußen und keine auf Polen. Die Stadt blieb deutsch bis 1945 und heißt seit 1947 Mrągowo, benannt nach dem evangelischen Pfarrer und Sprachforscher Christoph Cölestin Mrongovius.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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