Gruppe lag am westlichen Weichselufer im Kreis Schwetz, Regierungsbezirk Marienwerder, Provinz Westpreußen — rund 20 Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Schwetz und etwa zehn Kilometer südwestlich der Festung Graudenz. Meyers Orts- und Verkehrslexikon führt den Ort als Dorf und Rittergut mit etwa 518 Einwohnern, mit eigenem Standesamt und evangelischer Pfarrkirche; das zuständige Bezirkskommando saß in Graudenz. Heute heißt der Ort Grupa und gehört zur Gmina Dragacz im Powiat świecki, Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Neben Gruppe selbst gab es die Nachbarorte Ober Gruppe (Górna Grupa) und Nieder Gruppe (Dolna Grupa), was die Zuordnung in Listen bis heute erschwert.
Militärisch bedeutend wurde der Ort erst um die Jahrhundertwende. Am 30. Januar 1900 bildete die preußische Verwaltung aus Flächen der Gemeinde Flötenau sowie der Gutsbezirke Groß Sibsau, Ober Gruppe, Ober Sartowitz und Rohlau einen eigenen Gutsbezirk: den Truppenübungsplatz Gruppe. Er umfasste rund 1.250 Hektar und zählte damit zu den kleineren der etwa dreißig Übungsplätze, über die das deutsche Heer 1914 verfügte. Der Gutsbezirk hatte eine ständige Wohnbevölkerung von etwa 192 Personen — Verwaltungs-, Wach- und Wirtschaftspersonal mit Angehörigen. Nutzendes Korps war das XVII. Armeekorps mit Generalkommando in Danzig.
Die Wahl des Geländes hatte handfeste Gründe. Der sandige Kiefernboden westlich der Weichsel warf wenig ab und ließ sich billig erwerben. Die 1879 eröffnete Bahnlinie Graudenz–Laskowice führte unmittelbar am Ort vorbei und gab dem Lager mit dem Bahnhof Gruppe einen Anschluss, über den ganze Bataillone samt Pferden und Geschützen anrollen konnten. Und die Lage im Rücken der Festung Graudenz, keine sechzig Kilometer von der russischen Grenze entfernt, passte zur Vorstellung, die Truppen des Ostens dort üben zu lassen, wo sie im Ernstfall kämpfen würden.
Bis 1914 waren drei Lagerbereiche entstanden. Im Westen, beim Bahnhof, standen Holzbaracken; im Osten gruppierten sich Massivbauten um die Kommandantur, darunter eine Lagerkapelle und ein Offizierkasino mit Park; im Norden kamen Wellblechbaracken hinzu. Nördlich davon lagen die eigentlichen Übungsflächen mit Schießständen und angelegten Feldbefestigungen. Zeitgenössische Postkarten, die Roman und Wojciech Kozłowski gesammelt und veröffentlicht haben, zeigen das Kasino, Kasernenbauten der Jahre 1904, 1906 und 1912 sowie eine als „Ruine Falkenstein“ bezeichnete Anlage im Lagergelände.
Entscheidend für die Einordnung ist, was in Gruppe im Frieden nicht lag: ein Truppenteil. Die Friedensgliederung des XVII. Armeekorps von 1914 verteilt seine Verbände auf andere Standorte — die 35. Division mit den Infanterie-Regimentern Nr. 21 und 61 in Thorn, Nr. 141 in Graudenz, Nr. 176 in Kulm, den Feldartillerie-Regimentern Nr. 71 (Graudenz) und Nr. 81 (Thorn), dem Husaren-Regiment Nr. 5 in Stolp und dem Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 4 in Graudenz; die 36. Division mit den Infanterie-Regimentern Nr. 129 und 175 in Graudenz, dem Grenadier-Regiment Nr. 5 und dem Infanterie-Regiment Nr. 128 in Danzig, den Feldartillerie-Regimentern Nr. 36 (Danzig) und Nr. 72 (Marienwerder und Preußisch Stargard) sowie den beiden Leib-Husaren-Regimentern in Danzig-Langfuhr. Gruppe erscheint in dieser Aufstellung nicht.
Ständig vor Ort war stattdessen die Kommandantur des Truppenübungsplatzes, geführt in der Regel von einem Oberst oder Generalmajor. Sie unterstand nicht dem Generalkommando, sondern wurde in der Rangliste gesondert von den Korpsverbänden geführt und war dem Kriegsministerium zugeordnet. Belegt wurde das Lager abschnittsweise: Bataillone, Abteilungen und Eskadrons rückten aus ihren Garnisonen zum Übungsabschnitt an, blieben Wochen und kehrten zurück. Die Postkartenbeschriftung „Truppenübungsplatz Gruppe, Standort Graudenz“ hält genau dieses Verhältnis fest — der Platz war Übungsgelände des Standorts Graudenz, nicht selbst Friedensgarnison eines Regiments.
Nach 1918 fiel das Areal mit dem Kreis Schwetz an Polen und lag im sogenannten Korridor. Im Januar und Februar 1920 übernahmen Verbände der Armee Hallers das Lager; es diente zunächst als Demobilmachungslager für Soldaten, die auf die Ausreise warteten, und wurde 1921 von einer Choleraepidemie heimgesucht. Danach führte es als Übungslager den Namen Obóz Ćwiczeń imienia Kazimierza Pułaskiego. Im September 1939 tobten hier Kämpfe der Schlacht in der Tucheler Heide; die Gemeinde Dragacz nennt für die anschließende Besatzungszeit mehrere tausend von Angehörigen des Selbstschutzes ermordete Polen, viele davon auf einem Schießplatz des Geländes. Von 1939 bis 1945 lagen dort die Landesschützen-Bataillone 397 und 470 sowie die Kraftfahr-Ersatz-Abteilungen 6 und 26.
Seit 1945 nutzt die polnische Armee das Gelände als Poligon Grupa; im früheren Kasernenbereich, heute der Ortsteil Grupa-Osiedle mit rund 1.600 Einwohnern, arbeitet seit 2011 ein Zentrum für Logistikausbildung. Die in unseren Daten hinterlegten Koordinaten 51,5133 / 7,4860 zeigen auf Dortmund und gehören nicht zu diesem Ort; sie sind auf 53,5042 / 18,6261 berichtigt, den Ortskern von Grupa. Der Lager- und Kasernenbereich schließt etwa einen Kilometer östlich davon an, bei rund 53,505 / 18,641.
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