Garnison Preußisch Stargard

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

53.9672° N, 18.5325° O

Heutiger Name

Preußisch Stargard

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Über die Garnison Preußisch Stargard

Preußisch Stargard lag in der preußischen Provinz Westpreußen, im Regierungsbezirk Danzig, und war seit 1818 Kreisstadt des Kreises Preußisch Stargard. Die Stadt liegt in Pommerellen an der Ferse (polnisch Wierzyca), rund 40 Kilometer südlich von Danzig und etwa 21 Kilometer südwestlich von Dirschau. Sie geht auf eine Gründung des Deutschen Ordens nach 1309 zurück und erhielt 1348 vom Hochmeister Heinrich Dusemer das Kulmer Stadtrecht. Heute heißt der Ort Starogard Gdański und gehört zur polnischen Woiwodschaft Pommern.

In der Friedensgliederung von 1914 stand in Preußisch Stargard die I. Abteilung des Feldartillerie-Regiments „Hochmeister“ Nr. 72. Regimentsstab und II. Abteilung lagen in Marienwerder, dem Sitz des westpreußischen Regierungsbezirks gleichen Namens. Das Regiment war am 25. März 1899 errichtet worden und gehörte zur 36. Feldartillerie-Brigade in Danzig, diese zur 36. Division in Danzig und diese wiederum zum XVII. Armee-Korps, dessen Generalkommando ebenfalls in Danzig saß. Damit war Preußisch Stargard eine reine Artilleriegarnison: Infanterie oder Kavallerie lagen 1914 nicht in der Stadt.

Der Standort verfügte über mehrere Kasernenanlagen, deren Gesamtfassungsvermögen später auf vier Schwadronen Kavallerie sowie ein Bataillon und zwei Kompanien Infanterie beziffert wurde. Die ältesten Gebäude, die sogenannten Weißen Kasernen an der heutigen ulica Paderewskiego, entstanden 1778 bis 1781 unter Friedrich II. und wurden nach polnischer Überlieferung mit Baumaterial aus dem Abbruch der Adelsschlösser in Borzechowo und Osieck errichtet. 1911 kam ein zweiter Komplex hinzu, die späteren „Roten Kasernen“ an der damaligen Mackensenstraße im Bereich der heutigen Straßen Chojnicka, Chopina und Parkowa, mit gemauertem Kasernengebäude, Stallungen und Reithalle.

Neben der Truppe bestand in Preußisch Stargard ein Bezirkskommando. Der zugehörige Landwehrbezirk umfasste die Aushebungsbezirke der Kreise Berent und Preußisch Stargard; das Landwehr-Bataillon Pr. Stargard war der Landwehr-Inspektion Graudenz zugeordnet. Ersatzwesen und Musterung sind allerdings Verwaltungsaufgaben und begründen für sich genommen keine Truppengattung am Ort.

Die Stadt selbst zählte 1905 genau 10 485 Einwohner, davon 6 297 oder 60,1 Prozent Deutsche; der übrige Teil war überwiegend polnisch- beziehungsweise kaschubischsprachig. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es eine evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, eine Präparandenanstalt, ein Amtsgericht, ein Hauptsteueramt und eine Nebenstelle der Reichsbank. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgte 1871, Wasser- und Gasversorgung kamen 1900 hinzu. Wirtschaftlich prägten Getreide-, Tabak- und Lederverarbeitung sowie die Spirituosenfabrik Winkelhausen den Ort. Rund anderthalb Kilometer außerhalb entstand ab 1893 die Provinzial-Irrenanstalt Conradstein, die 1909 bereits 1 282 Patienten beherbergte.

Für die Garnison bedeutete die Grenzlage zu Russland, dass die Mobilmachung im August 1914 unmittelbar in den Einsatz führte. Die 36. Division stand vom 31. Juli bis 7. August mit Teilen im Grenzschutz, focht am 12. August im Gefecht bei Soldau, vom 19. bis 20. August in der Schlacht bei Gumbinnen, vom 23. bis 31. August bei Tannenberg und Anfang September an den Masurischen Seen. Das Feldartillerie-Regiment Nr. 72 blieb mit der Brigade im Osten, bis Warschau genommen war; im Oktober 1915 verlegte die gesamte Division an die Westfront, wo sie bis zum Waffenstillstand kämpfte.

Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrags im Januar 1920 kam Preußisch Stargard ohne Volksabstimmung an die Zweite Polnische Republik. Die Kasernen übernahm das polnische Heer: zunächst das 65. Starogarder Infanterieregiment, ab Mai 1926 das 2. Schwolezer-Regiment „Rokitniański“. Die deutsche Feldartillerie war damit nach kaum zwei Jahrzehnten wieder aus der Stadt verschwunden. Die Gebäude an der ulica Paderewskiego stehen bis heute und beherbergen eine Schule, Wohnungen und Läden.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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