Danzig, Hauptstadt der 1878 wiedererrichteten Provinz Westpreußen, zählte im Deutschen Kaiserreich zu den bedeutendsten Militärstandorten des östlichen Preußen. Im Jahr 1890 wurde das XVII. Armee-Korps aufgestellt; sein Generalkommando nahm noch im selben Jahr in Danzig seinen Sitz und verblieb dort bis zur Auflösung des Korps 1919. Dem Korps unterstanden 1914 die 35. Division in Thorn und die 36. Division in Danzig selbst. Erster Kommandierender General war August von Lentze (1890 bis 1902); von Januar 1908 bis November 1914 führte August von Mackensen das Korps, dessen militärische Laufbahn eng mit der Stadt verbunden war. Danzig vereinte damit Provinzverwaltung, Generalkommando und Divisionsstab an einem Ort.
Die Danziger Garnison umfasste nach dem Stand von 1909 das Grenadier-Regiment Nr. 5, das Infanterie-Regiment Nr. 128, die Leib-Husaren-Brigade mit den Regimentern Nr. 1 und Nr. 2, das Feldartillerie-Regiment Nr. 36 sowie das I. Bataillon des Fußartillerie-Regiments Nr. 17. Das 2. Westpreußische Fußartillerie-Regiment Nr. 17 verteilte sich auf die Standorte Danzig und Pillau; hinzu trat die Westpreußische Train-Abteilung Nr. 17. Damit waren alle Waffengattungen des Feldheeres — Infanterie, Kavallerie, Feld- und Fußartillerie sowie Train — in der Stadt vertreten.
Das bekannteste Aushängeschild der Garnison stand im Vorort Langfuhr: Das 1. Leib-Husaren-Regiment Nr. 1 lag dort bereits seit dem 7. Mai 1817; am 14. September 1901 folgte das 2. Leib-Husaren-Regiment „Königin Viktoria von Preußen“ Nr. 2. Beide Regimenter bildeten die Leibhusaren-Brigade. Wegen des gestickten weißen Totenkopfs über gekreuzten Knochen an der Kopfbedeckung waren sie im ganzen Reich als „Totenkopfhusaren“ bekannt; das 1. Regiment ritt zudem auf Schimmeln. August von Mackensen kommandierte das 1. Leib-Husaren-Regiment vom 17. Juni 1893 bis zum 26. Januar 1898, ehe er später als General der Kavallerie an die Spitze des Danziger Korps zurückkehrte.
Neben dem Heer war auch die Kaiserliche Marine mit einem großen eigenen Betrieb in der Stadt vertreten. Die Kaiserliche Werft Danzig ging auf einen 1844 eingerichteten Korvettendepotplatz zurück, wurde 1854 zur Königlichen Werft erhoben und trug seit der Reichsgründung 1871 den Namen Kaiserliche Werft. Sie war neben Kiel und Wilhelmshaven eine von drei staatlichen deutschen Marinewerften — und als einzige von ihnen baute sie U-Boote: Zwischen 1908 und 1915 entstanden hier 23 Boote, beginnend mit U 2. 1909 lief mit dem Kreuzer SMS Emden das letzte größere Kriegsschiff der Werft vom Stapel; danach entstanden wegen baulicher Beschränkungen vor allem kleinere Einheiten. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs beschäftigte die Werft etwa 7.000 Mitarbeiter. Nach 1918 wurde sie in die international verwaltete Danziger Werft mit britischer, französischer, polnischer und Danziger Beteiligung überführt.
Danzig blieb im Kaiserreich zunächst Festungsstadt. Die Werke auf dem Hagelsberg und dem Bischofsberg waren 1868 bis 1874 grundlegend umgebaut worden; entlang der Küste zwischen Brösen und Neufähr entstanden ab der Jahrhundertmitte dreizehn Küstenbatterien. In den Jahren 1895 bis 1919 wurden jedoch die meisten Stadtbefestigungen niedergelegt — die Entfestigung schuf unter anderem Raum für den Hauptbahnhof und die wachsende Stadt. Erhalten blieben Bastionen im Südwesten der Altstadt sowie die Höhenwerke: Auf dem Hagelsberg ist in den Festungsanlagen heute das 2018 eröffnete Bildungszentrum Hewelianum untergebracht, zahlreiche Bastionen und Tore des heutigen Gdańsk stehen als Denkmäler.
Die Stadt selbst wuchs in der Kaiserzeit kräftig: von 120.338 Einwohnern im Jahr 1890 über 140.563 (1900) auf 170.337 im Jahr 1910. Danzig wurde — wie das benachbarte Elbing — zu einem Zentrum des modernen Schiffbaus, in dem neben der staatlichen Marinewerft die privaten Schichau-Werke arbeiteten. Am 6. Oktober 1904 eröffnete die Königlich Preußische Technische Hochschule Danzig, eine von nur zwei Hochschulen im deutschsprachigen Raum mit einer eigenen Abteilung für Schiffbau; ihre Nachfolgerin ist die heutige Politechnika Gdańska, die größte technische Universität Nordpolens. Nach dem Ende des Kaiserreichs schied Danzig 1920 aus dem Deutschen Reich aus; das militärische Erbe der Garnison- und Werftstadt ist im Stadtbild von Gdańsk bis heute ablesbar.
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