Elsenborn im Kaiserreich

Königreich Preußen
Ohne Garnison im Kaiserreich

Königreich

Truppengattung

Koordinaten

50.4555° N, 6.2200° O

Heutiger Name

Elsenborn

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Über Elsenborn

Elsenborn liegt auf der Hochfläche des Hohen Venns, rund 600 Meter über dem Meer, im damaligen Kreis Malmedy des Regierungsbezirks Aachen — also im äußersten Westen der preußischen Rheinprovinz. In den 1880er Jahren suchte die preußische Armee nach geeigneten Übungsflächen im Westen des Reiches, denn die wachsende Reichweite der Artillerie machte großräumige Schießplätze nötig. Ab dem Frühjahr 1891 ließ der Kommandierende General des VIII. Armee-Korps, General von Loë, die Gegend erkunden; die Wahl fiel nach dem Verwerfen eines ersten Vorschlags auf die brachliegenden Heide- und Ödlandflächen bei Elsenborn.

1893/94 wurde das Gelände militärisch in Nutzung genommen, 1895 gilt als offizielles Gründungsjahr des Truppenübungsplatzes für das in Koblenz kommandierte VIII. Armee-Korps. Der Platz umfasste rund 28 Quadratkilometer ohne die Sicherheitszonen. Der Reichstag hatte 2.350.000 Mark für den Ausbau bewilligt; der ursprüngliche Plan, das gesamte Dorf Elsenborn in den Platz einzubeziehen, hätte etwa sechs Millionen Mark erfordert und unterblieb — das Dorf blieb bestehen. Gegen die Enteignungen regte sich Widerstand der bäuerlichen Bevölkerung, den ein Gerichtsentscheid von 1904 endgültig abwies.

Das Lager wuchs in wenigen Jahren zu einer kleinen Stadt aus Wellblech: 1895/96 entstanden die ersten Blechbaracken für Offiziere und Trinkwasserleitungen, 1896/97 Unterkünfte für Mannschaften und Pferde, 1898 Krankenrevier, Badehäuser und ein eigenes Elektrizitätswerk. Das Barackenlager konnte bis zu 5.000 Soldaten und 1.500 Pferde aufnehmen — das entsprach etwa drei Brigaden. 1911/12 kamen eine Poststation und eine feste Kasernenanlage für das Dauerpersonal des Platzes hinzu. Zur Ausstattung gehörten mehrere Schießbahnen mit beweglichen Zielscheibenanlagen, die als technische Neuheit galten und Besucher anderer Übungsplätze anzogen, drei Beobachtungstürme sowie ein Flugplatzfeld östlich des Lagers.

Verkehrlich hing der Platz am Bahnhof Sourbrodt an der Vennbahn und an der Straße Aachen–Trier. 1900/01 wurde eine Feldbahn mit 600 Millimetern Spurweite und 3,2 Kilometern Länge vom Bahnhof Sourbrodt ins Lager gebaut, im Volksmund „Feuriger Elias“ genannt. Für das Dorf Elsenborn bedeutete der Platz einen wirtschaftlichen Umbruch: Bäckereien, Metzgereien, Gastwirtschaften, Fotoateliers und Kinos entstanden rund um das Lager, zwischen 1902 und 1916 erhielt der Ort Wasserleitung, Stromanschluss, befestigte Straßen und eine Schule.

Eine Friedensgarnison im eigentlichen Sinn war Elsenborn nicht. Am Platz bestand eine Kommandantur — erster Kommandant war nach lokaler Überlieferung ein Oberst Freiherr von Wykradt-Hüchtenbruck —, die dem Platzbetrieb vorstand; die 1911/12 errichtete Kaserne diente diesem ständigen Verwaltungs- und Aufsichtspersonal. Ein Truppenteil der Friedensgliederung mit Elsenborn als Standort ist dagegen nicht nachweisbar: Die Verbände des VIII. Armee-Korps lagen in Koblenz, Trier, Aachen, Köln und den übrigen Garnisonen des Korpsbezirks und rückten nur für die Übungsperioden ins Lager. Zunächst nutzten vor allem Artillerie- und Kavallerieeinheiten den Platz, später stand er allen Waffengattungen offen — die Belegung wechselte mit dem Übungsjahr, wie es auch für Plätze wie Alten-Grabow typisch war.

Mit der Mobilmachung 1914 wurde Elsenborn Aufmarsch- und Ausbildungsraum unmittelbar hinter der belgischen Grenze. Während des Ersten Weltkriegs diente der Platz als Ausbildungszentrum und Artilleriedepot — und zugleich als Gefangenenlager, in dem vor allem russische und polnische Kriegsgefangene festgehalten wurden. Die Gefangenen mussten unter anderem 1914/15 eine Umgehungsstraße von Kalterherberg nach Nidrum bauen, um die Sperrungen des Platzgebiets zu umgehen; der Priester Pietkin aus Sourbrodt kümmerte sich um sie.

Im Dezember 1918 gab die preußische Verwaltung das Lager auf, britische Truppen übernahmen es im Rahmen der Rheinlandbesetzung. Mit dem Versailler Vertrag fiel Elsenborn mit den Kreisen Eupen und Malmedy am 10. Januar 1920 an Belgien; am 4. Februar 1920 übernahm die belgische Armee das Kommando über den Platz, und am 2. Mai 1920 inspizierte König Albert I. das Lager erstmals. Nur die deutsche Besetzung 1940 bis 1945 unterbrach die belgische Militärverwaltung; im Zweiten Weltkrieg nutzte die Wehrmacht den Platz erneut als Ausbildungslager, ein amerikanischer Luftangriff am 9. August 1944 zerstörte große Teile der Anlagen.

Bis heute ist das Camp Elsenborn der meistgenutzte Übungsplatz der belgischen Armee und dient auch verbündeten NATO-Truppen; seit 1998 besteht am Lager ein öffentliches Museum. Die über ein Jahrhundert militärischer Nutzung hat zugleich die Venn-Landschaft vor Bebauung und Intensivlandwirtschaft bewahrt — der Platz gilt heute als ökologisch wertvolles Heide- und Moorgebiet mit seltenen Arten.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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