Garnison Aachen

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

50.7764° N, 6.0839° O

Heutiger Name

Aachen

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Über die Garnison Aachen

Aachen kam 1815 an Preußen und wurde Sitz eines Regierungsbezirks in der Rheinprovinz. Militärisch blieb die Stadt jahrzehntelang ein Randstandort: Sie war keine Festung, ihre mittelalterlichen Wälle hatten längst keinen Wert mehr, und größere Truppenkörper wurden zunächst nicht dauerhaft hierher gelegt. Erst in den Jahrzehnten nach der Reichsgründung entstand in Aachen eine feste Garnison mit eigenen, eigens errichteten Kasernen. Das hatte einen naheliegenden Grund: Die Stadt lag im äußersten Westen des Reiches, wenige Kilometer von der belgischen und der niederländischen Grenze, und am Ende der 1841 eröffneten Eisenbahnlinie aus Köln, die 1843 bis zum Grenzbahnhof Herbesthal weitergeführt worden war.

Verwaltungsrechtlich gehörte Aachen zum Bereich des VIII. Armeekorps, dessen Generalkommando in Koblenz saß und dessen Korpsbezirk sich über die Rheinprovinz erstreckte. Zuständig war die in Köln stehende 15. Division. Aachen war Standort des Stabes ihrer 29. Infanterie-Brigade, zu der 1914 das Infanterie-Regiment „von Lützow“ (1. Rheinisches) Nr. 25 und das 10. Rheinische Infanterie-Regiment Nr. 161 zählten. Eine Brigadeunterkunft und ein Regiment – das war die Größenordnung, in der Aachen im Kaiserreich Garnison war. Kavallerie- oder Artillerieverbände von Rang lagen nicht in der Stadt; die schweren Waffen des Korps standen in Köln, Koblenz und Trier.

Der Aufbau begann 1877, als Stab, I. Bataillon und Füsilier-Bataillon des 5. Westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 53 nach Aachen verlegt wurden; das II. Bataillon kam zunächst in das nahe Jülich. Für die Truppe entstand vor den damaligen Toren der Stadt im Ostviertel ein großer Neubau aus gelbem Klinker im wilhelminischen Barockstil, die sogenannte Gelbe Kaserne, die am 20. September 1882 in Betrieb ging. Das Regiment Nr. 53 hatte eine Besonderheit, die es unter Soldaten bekannt machte: Seit 1888 trug es statt der Regimentsnummer eine Krone auf den Schulterklappen, weshalb seine Angehörigen im Volksmund „Kronensöhne“ hießen.

1890 folgte ein zweiter Bau an der Kronprinzenstraße, ein schmuckloser Zweckbau mit rund 109 Meter langen Fassaden aus rotem Klinker, die Rote Kaserne. Nach dem Herbstmanöver 1890 rückte das bis dahin in Jülich stehende II. Bataillon des Regiments Nr. 53 dort ein, womit das Regiment erstmals geschlossen in Aachen lag. Lange blieb es nicht: Anfang der 1890er Jahre wechselte es in die eigens gebaute Kronenkaserne in Köln-Kalk. Im März 1895 kam als Ersatz das Füsilier-Regiment „Fürst Karl-Anton von Hohenzollern“ (Hohenzollernsches) Nr. 40 aus Köln nach Aachen. Es belegte beide Kasernen – die Rote Kaserne führte ab 1902 als Unterkunft des III. Bataillons die Bezeichnung „Kaserne III“ – und zog 1910 nach Rastatt weiter.

Aachener Hausregiment der letzten Friedensjahre wurde damit ab 1910 das Infanterie-Regiment „von Lützow“ (1. Rheinisches) Nr. 25. Es war 1815 aufgestellt worden und führte seine Herkunft auf das Lützowsche Freikorps der Befreiungskriege zurück, ein Traditionsbezug, der im Kaiserreich stark betont wurde. Das Regiment bezog die Gelbe Kaserne, Teile lagen in der Roten Kaserne, in der 1913 auch eine Maschinengewehr-Kompanie untergebracht wurde. Im Weltkrieg verlor der Verband, dessen Rekruten überwiegend aus Aachen und dem Umland kamen, 137 Offiziere sowie 3.637 Unteroffiziere und Mannschaften.

Die eigentliche Rolle Aachens im Aufmarschplan war nicht die einer Truppenunterkunft, sondern die eines Ausgangs- und Umschlagraums. Am Morgen des 3. August 1914 traf Erich Ludendorff im Aachener Union-Hotel mit General Otto von Emmich zusammen, dem eine eigens gebildete „Maas-Armee“ von rund 39.000 Mann für den Handstreich auf den Festungsring Lüttich unterstellt worden war. Als am Nachmittag der Befehl eintraf, belgisches Gebiet dürfe betreten werden, ordnete Emmich den Vormarsch für den nächsten Morgen an. Am 4. August rückten die dafür herausgezogenen Infanteriebrigaden aus Bereitstellungsräumen bei Aachen, Eupen und Malmedy über die Grenze; Lüttich fiel am 7. August. In der Stadt lag in diesen Tagen das Hauptquartier der 2. Armee, zu dem Ludendorff nach dem Durchbruch zurückkehrte.

Damit blieb Aachen für die gesamte Kriegsdauer ein logistischer Engpass. Über die Strecke Köln–Aachen–Lüttich mussten große Teile der Militärtransporte für die Westfront laufen; sie war ab dem 15. August 1914 wieder durchgehend befahrbar. Aachen diente außerdem als Ausladebahnhof für schwere Artillerie der 2. Armee, die über eine Transportlinie aus Mitteldeutschland herangeführt wurde. Auf den Wiesen bei Merzbrück östlich der Stadt wurde 1914 ein Behelfsflugplatz angelegt – der Ursprung des heutigen Flugplatzes Aachen-Merzbrück.

Das Kriegsende brachte den Bruch. Nach der Novemberrevolution 1918 erzwangen Arbeiter- und Soldatenräte die Übergabe der Kasernen, und am 30. November 1918 überschritten belgische Truppen die Grenze und rückten in Aachen ein; das Regiment Nr. 25 konnte nicht in seine Garnison zurückkehren und wurde bis Februar 1919 andernorts demobilisiert und aufgelöst. Belgische und später französische Besatzungstruppen nutzten die Anlagen bis 1929 – die Rote Kaserne firmierte bei den Belgiern als „Caserne Rouge“ und beherbergte Kraftfahrzeugeinheiten.

Von den kaiserzeitlichen Bauten steht heute nichts mehr. Die Gelbe Kaserne diente nach 1945 als Notunterkunft für zurückkehrende Aachener und wurde zwischen 1962 und 1965 abgebrochen; erhalten blieben acht dorische Säulen des Eingangs, die heute einen Zugang zum Kennedypark markieren. Die Rote Kaserne wurde ab 1934 zivil genutzt, beherbergte nach 1947 das Finanzamt und fiel 1974 einem Neubau desselben Amtes zum Opfer. Militärstandort ist Aachen dennoch geblieben: Die 1939 fertiggestellte Lützow-Kaserne an der Trierer Straße im Stadtteil Forst trägt den Namen des Traditionsstifters des alten Aachener Regiments und beherbergt heute die Technische Schule des Heeres.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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