Lamsdorf, das heutige Łambinowice im Kreis Falkenberg des Regierungsbezirks Oppeln, war im Kaiserreich kein Garnisonsort im üblichen Sinn. Das Dorf selbst blieb eine kleine oberschlesische Landgemeinde; militärische Bedeutung erlangte die Gegend durch das ausgedehnte Übungsgelände, das die preußische Armee ab den 1860er Jahren in den Wäldern und Heideflächen zwischen Lamsdorf, Kleuschnitz und Wierschbel anlegte. Es diente dem VI. Armee-Korps mit Sitz in Breslau, dessen Korpsbezirk ganz Schlesien umfasste.
Den Anstoß gab 1860 das preußische Kriegsministerium, das ein neues Schießgelände für die Artillerie der schlesischen 6. Brigade aus Breslau benötigte. Bis 1862 kaufte der Fiskus über 330 Hektar Land an; die verwaltungsmäßige Bildung des Platzes auf Kleuschnitzer und Wierschbeler Gelände zog sich bis 1866 hin. Im Sommer 1864 fanden die ersten Übungen statt. Da die Verwaltung zunächst bei der Garnison Neisse lag, lief der Platz anfangs unter deren Namen; auch die Bezeichnung als Artillerie-Schießplatz hielt sich lange in den Verwaltungsakten, in denen das Areal einen eigenen Gutsbezirk bildete.
Das Barackenlager bestand aus zwei Teilen: dem Fußlager für die Fußartillerie, später Lager I genannt, und dem Feldlager der Feldartillerie, dem späteren Lager II. Soldaten rodeten Waldstücke, planierten das Gelände und errichteten Wege und hölzerne Unterkünfte. In den Jahren 1885 bis 1887 wurde der Platz um Flächen der Gemeinden und Gutsbezirke Guschwitz, Lamsdorf, Lippen und Kleuschnitz erweitert; 1887 erhielt er Bahnanschluss an die Strecke zwischen Oppeln und Neisse. Fortan übten dort Jahr für Jahr im Sommer über 2.000 Soldaten, außerdem diente der Platz der Ausbildung von Rekruten.
Eine Friedensgarnison entstand daraus nicht. Die Belegung wechselte mit den Übungsperioden, dauerhaft vor Ort war nur die Platzverwaltung. In der Friedensgliederung von 1914 ist kein Truppenteil mit dem Standort Lamsdorf nachweisbar — anders als etwa in Munster, wo ab 1912 ein Telegraphen-Bataillon ständig am Platz lag, entspricht Lamsdorf dem Muster reiner Übungsplätze wie Alten-Grabow. Wer die Garnisonen des VI. Armee-Korps sucht, wird in Breslau, Schweidnitz, Neisse oder Glatz fündig, nicht in Lamsdorf.
Schon im Deutsch-Französischen Krieg zeigte sich die zweite Funktion des Geländes: Ab September 1870 entstand auf dem Platz ein Kriegsgefangenenlager für rund 3.000 französische Soldaten. Im Winter 1870/71 wurde für die Verstorbenen ein Friedhof angelegt, auf dem 53 Gräber französischer Gefangener überliefert sind.
Im August 1914 richtete die Armee erneut ein Gefangenenlager ein, diesmal in ganz anderer Größenordnung. Bis Kriegsende durchliefen etwa 90.000 Kriegsgefangene der Entente das Lager — vor allem Russen, daneben Rumänen, Italiener, Serben, Franzosen, Briten und Belgier —, womit Lamsdorf zum achtgrößten Gefangenenlager des Deutschen Reiches wurde. Die Gefangenen lebten in sechs Teillagern, von denen vier (Lager III bis VI) eigens neu errichtet wurden, und mussten im Lagerbau, in der Industrie und in der Landwirtschaft der Umgebung arbeiten. Die Versorgungslage verschlechterte sich im Kriegsverlauf erheblich: Rund 7.000 Gefangene starben, viele an Hunger und Entkräftung. Das Lager bestand bis 1920 fort, bis die letzten Gefangenen in ihre Heimatländer zurückkehrten.
Nach dem Ersten Weltkrieg gab die Reichswehr den Platz auf; von 1921 bis 1924 diente das ehemalige Lager als Durchgangsstation für Deutsche aus den an Polen abgetretenen Gebieten. In den 1930er Jahren richtete die Wehrmacht den Truppenübungsplatz Lamsdorf neu ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände zum Standort der Stammlager VIII B (später 344) und 318/VIII F, durch die mehrere hunderttausend Kriegsgefangene gingen; rund 40.000 sowjetische Gefangene kamen dort um. Von Juli 1945 bis Herbst 1946 betrieben die polnischen Behörden in Łambinowice ein Arbeits- und Internierungslager für deutsche Zivilisten, in dem nach heutigem Forschungsstand etwa 1.000 bis 1.500 Menschen starben.
Heute ist Łambinowice ein zentraler polnischer Gedenkort. Seit 1964 dokumentiert das Zentrale Kriegsgefangenenmuseum (Centralne Muzeum Jeńców Wojennych) die Geschichte der Lamsdorfer Lager; 1968 wurde das Gelände zum Denkmal erklärt, seit 2002 trägt es den Status der Nationalen Gedenkstätte Łambinowice. Der Alte Kriegsgefangenenfriedhof mit 6.969 Gräbern erinnert vor allem an die Toten des Ersten Weltkriegs, daneben an die Gefangenen von 1870/71. Ein Teil des einstigen Übungsgeländes wird bis heute vom polnischen Militär genutzt.
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