Alten-Grabow lag im Kreis Jerichow I des Regierungsbezirks Magdeburg, Provinz Sachsen, Königreich Preußen. Der Ort war kein gewachsener Garnisonort mit Bürgerhäusern und Kasernenstraßen, sondern ein Militärgelände, das aus einem Mühlengut hervorging: der Truppenübungsplatz Alten-Grabow, angelegt für die Übungen des IV. Armee-Korps mit Generalkommando in Magdeburg. Zeitgenössische Quellen schreiben den Namen durchweg mit Bindestrich, so der Aufsatz „Der Truppenübungsplatz Alten-Grabow, Kreis Jerichow I“ von 1900 und die Postkarten aus dem Lager. Heute heißt die Siedlung Altengrabow und gehört als Teil des Ortsteils Dörnitz zur Stadt Möckern im Landkreis Jerichower Land, Sachsen-Anhalt.
Die Vorgeschichte beginnt 1891. In jenem Herbst übte das Berliner Gardekorps im Raum Loburg, Schweinitz, Görzke und Steinberg bis nach Wüstenjerichow, Reesdorf, Tucheim, Paplitz und Ziesar, während die oberste Militärbehörde nach einem geeigneten Schießplatzgelände suchte. Im Frühjahr 1893 begutachtete eine Abordnung aus Berlin die Gegend. Vom 25. Juli bis zum 19. August 1893 schoss das Infanterie-Regiment „Fürst Leopold von Anhalt-Dessau“ (1. Magdeburgisches) Nr. 26 auf den Gemarkungen von Thümermark, Bomsdorf und Schweinitz erstmals mit scharfer Munition.
Am 23. März 1894 fiel die Entscheidung für den Platz. Am 10. Mai 1894 kaufte der Militärfiskus das Dorf Gloine, dessen rund 350 Einwohner umgesiedelt wurden; im August folgte das Mühlengut Altengrabow, danach Klitsche, das Rittergut Briesenthal, das Vorwerk Niemeck und das Freigut Thümermark. 1895 standen die Platzgrenzen fest: 4.801 Hektar, gut 48 Quadratkilometer, mit einer Platzgrenze von etwa 35 Kilometern. Ankauf und Ausbau kosteten rund 4,94 Millionen Mark. Die letzten Bewohner verließen Gloine im März 1898; Kirche und Kirchhöfe blieben stehen und lagen fortan im Schussfeld.
Der Platz trug nacheinander drei Namen. Um 1895 hieß er Schießplatz Gloine, dann unter seinem ersten Kommandanten, Generalmajor Walter von Kalckstein, Truppenübungsplatz Loburg. Anfang 1900 gab das ehemalige Mühlengut Altengrabow dem Gelände den endgültigen Namen. In dessen Hauptgebäude residierte der Platzkommandant, und mit ihm war Alten-Grabow ein ständig besetzter Militärstandort, auch wenn die übende Truppe wechselte.
Das Lager wuchs schnell. Die erste Belegung im Juli 1895 kam mangels Unterkünften noch in Spitzzelten rund um Gloine unter. Ab März 1896 entstanden 16 massive Gebäude und 19 Wellblechbaracken. Ende Mai 1896 bezogen die Infanterie-Regimenter Nr. 26 und Nr. 66, das Husaren-Regiment Nr. 12 und das Kürassier-Regiment Nr. 7 ein Zeltlager im Raum Gloine. 1898 war der Ausbau des Barackenlagers am Mühlengut abgeschlossen, sodass eine Infanterie- und eine Kavallerie-Brigade gleichzeitig untergebracht werden konnten. 1899 kamen Artilleriebeobachtungstürme hinzu, 1903 eine Wasserleitung mit Windmotorpumpe, 1908 die Pumpstationen I bis IV, 1910 eine Offiziersbadeanstalt. Ansichtskarten der Jahre um 1902 bis 1910 zeigen eine Kaiser-Wilhelm-Straße mit Baracken und einer Milchhalle.
Ohne Bahnanschluss wäre der Betrieb nicht zu führen gewesen. Die preußischen Staatsbahnen hatten 1892 die normalspurige Nebenbahn Biederitz–Loburg eröffnet; die Kleinbahnen des Kreises Jerichow I ergänzten sie 1896 um eine schmalspurige Querverbindung von Groß Lübars über Altengrabow und Magdeburgerforth nach Ziesar, 1902 um den Abschnitt Groß Lübars–Loburg. Weil Truppen, Pferde und Geschütze in Regelspurwagen ankamen, erhielt der Abschnitt Loburg–Altengrabow ein Dreischienengleis für 1435 und 750 Millimeter Spurweite; die Schmalspurlokomotiven schleppten die Regelspurwagen über Zwischenwagen weiter.
Der Übungsbetrieb lief ab 1896 regulär. Im Juli 1897 fand die erste große Übung unter dem Namen „Belagerungskrieg“ statt, an der Infanterie, Kavallerie und schwere Artillerie teilnahmen und zu der auch eine Luftschifferabteilung gehörte. Am 22. August 1899 kam Wilhelm II. zum ersten Altengrabower Kaisertag; insgesamt besuchte er den Platz neunmal. Beim zweiten Besuch am 13. August 1900 rollte der Hofsonderzug in Loburg ein, wo Fensterplätze gegenüber dem Bahnhof für zwanzig Mark vermietet wurden. Vier Schwadronen Leib-Garde-Husaren und eine Schwadron Garde-Dragoner mussten den Platz damals wegen einer Pferdeseuche verlassen; Höhepunkt blieb die vom Kaiser selbst geführte Kavallerie-Attacke.
Rechtlich war Alten-Grabow kein Garnisonort im gewöhnlichen Sinn. Die Kommandantur eines Truppenübungsplatzes war ständig eingesetzt, gehörte aber nicht zur Gliederung des Armeekorps; der Kommandant unterstand nicht dem kommandierenden General, sondern der Heeresverwaltung im Kriegsministerium. Dauerhaft vor Ort waren daher der Platzkommandant mit seinem Stab, Verwaltung, Wach- und Arbeitskräfte sowie die Sanitätseinrichtung, nicht jedoch ein Truppenteil der Friedensgliederung von 1914. Wer in Alten-Grabow lag, lag dort für Wochen, nicht für Jahre.
Mit dem Krieg änderte sich das Bild schlagartig. Ersatzreserven, Kriegsfreiwillige und Ausbildungskommandos nahmen Platz und Lager in Besitz, frontfähige Divisionen wurden hier zusammengestellt, neue Waffen sowie Angriffs- und Abwehrverfahren erprobt. Dicht bei Dörnitz, außerhalb der Lagergrenze, entstand kurz nach Kriegsbeginn ein Kriegsgefangenenlager; untergebracht waren die Gefangenen unter anderem in Pferdeställen der Vorkriegszeit. Genannt werden Engländer, Schotten, Iren, Franzosen, Belgier, Senegalesen, Marokkaner, Russen, Sibirier, Kaukasier, Armenier und Mongolen. Die Belegungszahlen der Quellen gehen weit auseinander: das Datenblatt der Bundeswehr und die deutsche Wikipedia nennen etwa 1.200 Gefangene, das Lexikon der Wehrmacht rund 12.000. 1919 wurde das Lager aufgelöst, die stationierten Verbände demobilisiert, und das Barackenlager diente bis 1922 als Flüchtlingslager für Vertriebene aus den Ostprovinzen.
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