Garnison Zerbst

Herzogtum Anhalt
Heeresstandort

Herzogtum

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

51.9697° N, 12.0745° O

Heutiger Name

Zerbst

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Über die Garnison Zerbst

Zerbst war im Kaiserreich eine mittelgroße anhaltische Kreisstadt mit 18.128 Einwohnern (1905), Eisenbahnknoten an den Strecken nach Bitterfeld und Biederitz, mit Eisengießereien, Stärke-, Seifen- und Thermometerherstellung, Zigarrenfabriken und Brauereien. Zum Stadtbild gehörte über ein halbes Jahrhundert lang ein Infanteriebataillon: Das zeitgenössische Ortslexikon führt Zerbst schlicht mit der Garnison „Infanterie-Bataillon Nr. 93". Die Stadt war damit weder Regimentssitz noch Behördenstandort des Heeres, aber ein fester Truppenstandort.

Der rechtliche Rahmen dafür war nicht ein eigener anhaltischer Vertrag mit Preußen, sondern ein Beitritt: Das Herzogtum Anhalt trat der preußisch-sachsen-weimarischen Militärkonvention vom 4. Februar 1867 bei, die neben Anhalt auch Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, die beiden Schwarzburg, beide Reuß, Lippe und Schaumburg-Lippe erfasste. Preußen übernahm Verwaltung, laufende Unterhaltung und Pensionskasse des anhaltischen Truppenteils, Anhalt leistete dafür Bundesbeiträge. Ein eigenes Landeskontingent im Sinne Bayerns, Sachsens oder Württembergs gab es nicht mehr — die anhaltischen Soldaten waren preußische Soldaten mit anhaltischer Herkunftsbezeichnung. Auf Wunsch des Herzogs trug das Regiment den Namenszug „L.F." mit Krone auf den Achselklappen.

Militärisch reicht die Zerbster Linie weiter zurück. 1807 entstand das Bataillon Anhalt mit seiner 2. Kompanie in Zerbst; nach der Vereinigung der anhaltischen Herzogtümer 1863 lag hier eine Scharfschützenkompanie, während die beiden Bataillone in Dessau und Bernburg standen. Mit der Umbildung von 1867 zum Anhaltischen Infanterie-Regiment Nr. 93 in preußischer Normalstärke wurde ein drittes, als Füsilier-Bataillon geführtes Bataillon neu errichtet, und diesem wurde Zerbst als Garnisonsort zugewiesen. Aus der Kompaniestadt wurde damit eine Bataillonsstadt.

Der wenig bekannte Bruch kam 1897. Ein großer Teil des in Zerbst liegenden III. Bataillons wurde an das neu aufgestellte Infanterie-Regiment Nr. 152 abgegeben, der Rest nach Dessau verlegt und dort mit der 13. und 14. Kompanie zu einem neuen III. Bataillon zusammengestellt. Zerbst stand damit vor dem Verlust seiner Garnison. Im Herbst 1898 kam durch das Betreiben des Regimentskommandeurs, Oberst von Kracht, das II. Bataillon von Bernburg nach Zerbst; von Kracht wurde dafür Ehrenbürger der Stadt. Bernburg verlor, Zerbst behielt — eine Standortentscheidung, die zeigt, wie viel Kleinstädten an der Garnison und ihrer Kaufkraft lag.

Für 1914 lässt sich der Standort sauber belegen. Das Anhaltische Infanterie-Regiment Nr. 93 bildete zusammen mit dem Füsilier-Regiment „General-Feldmarschall Graf Blumenthal" (Magdeburgisches) Nr. 36 die 15. Infanterie-Brigade der 8. Division mit Sitz in Halle an der Saale; die Division gehörte zum IV. Armee-Korps in Magdeburg. Die Friedensgliederung nennt als Garnisonen des Regiments Dessau und Zerbst, letzteres ausdrücklich für das II. Bataillon. Bis 1870/71 hatte das Regiment noch zur 14. Infanterie-Brigade der 7. Division gehört; der Wechsel zur 8. Division fällt in die Friedensjahre danach.

Die erhaltene Kaserne der Stadt stammt aus der späten Kaiserzeit: Sie wurde zwischen 1905 und 1907 als Backsteinanlage errichtet, also erst rund sieben Jahre nach dem Einzug des II. Bataillons. In Dokumenten späterer Jahrzehnte erscheint das Gelände als Gneisenau-Kaserne, daneben als Scharnhorstkaserne; die Bauzeichnungen einzelner Blöcke, darunter das Offizierskasino, liegen im Landesarchiv Sachsen-Anhalt. Wo das Füsilier-Bataillon zwischen 1867 und 1897 und das II. Bataillon zwischen 1898 und der Fertigstellung des Neubaus untergebracht waren, geht aus den zugänglichen Darstellungen nicht hervor.

Der Erste Weltkrieg machte Zerbst zusätzlich zum Lagerstandort. Hinter der Mozartstraße, nahe der Feuersäule, entstand ein Kriegsgefangenenlager, durch das im Lauf des Krieges etwa 15.000 bis 20.000 Gefangene gingen — Russen, Franzosen, Briten und Belgier, untergebracht in 56 Baracken und bewacht von einem Landsturm-Bataillon. Ein deutscher Soldatenbrief von 1915 nennt 13.000 Gefangene in 48 Baracken. Viele starben an Unterernährung und Seuchen; sie wurden auf dem zwischen 1916 und 1920 angelegten Muchelfriedhof bestattet, wo anfangs rund 450 Holzkreuze standen. Ein Landsturm-Bataillon ist eine Kriegsformation und gehört nicht zur Friedensgliederung — die Garnisonseigenschaft der Stadt hängt nicht an ihm.

Das Regiment kämpfte ab dem 2. August 1914 ausschließlich an der Westfront. Am 23. Dezember 1918 rückte es in Dessau ein; das II. Bataillon blieb bis nach Weihnachten dort und marschierte danach in seinen Garnisonsort Zerbst, wo es demobilisiert wurde. Die Auflösung des Regiments erfolgte am 9. Januar 1919. In der Reichswehr blieb Zerbst zunächst Standort: Zum Reichswehr-Schützen-Regiment Nr. 8 gehörten das I. Bataillon und eine Minenwerfer-Kompanie in der Stadt, später lagen hier die 2. und 3. Kompanie des Infanterie-Regiments 12.

Die Nutzung der Anlage riss danach nie ab. 1933 bis 1935 wurden die beiden Reichswehrkompanien zum I. Bataillon des Infanterie-Regiments Halberstadt erweitert, seit dem 16. Oktober 1935 lag das III. Bataillon des Infanterie-Regiments 33 in Zerbst, und ab 1936 entstand vor der Stadt ein Fliegerhorst, der im März 1937 fertig war und ab 1942 eine Jagdfliegerschule aufnahm. Der Luftangriff vom 16. April 1945 zerstörte etwa 80 Prozent der Stadt. Nach 1945 nutzte die Rote Armee Flugplatz und Kaserne; der Abzug erfolgte 1992/93. Die Kaserne wurde zwischen 1998 und 2003 saniert und beherbergt heute als „Wilhelminischer Hof" Miet- und Eigentumswohnungen, das Flugplatzgelände einen Solarpark. Dass Zerbst bis 1793 Residenz der Linie Anhalt-Zerbst und Geburtsstadt der späteren Zarin Katharina II. war, hat für die Kaiserzeit nur einen indirekten Nachhall: Mit dem Erlöschen der Linie wurde die Zerbster Grenadier-Garde aufgelöst, der größte Teil ging in österreichische Dienste, und die Stadt war für Jahrzehnte ohne eigene Truppe.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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