Garnison Dessau

Herzogtum Anhalt
Heeresstandort

Herzogtum

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

51.8310° N, 12.2431° O

Heutiger Name

Dessau

Aktuelles Wetter in Dessau

Wetterdaten werden geladen...

Über die Garnison Dessau

Dessau war zwischen 1871 und 1918 keine preußische Stadt, sondern Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Anhalt, eines der 25 Bundesstaaten des Deutschen Reiches. Das Herzogtum war 1863 aus den Linien Anhalt-Dessau-Köthen und Anhalt-Bernburg zusammengewachsen, umfasste rund 2.294 Quadratkilometer in fünf Kreisen – Dessau, Köthen, Zerbst, Bernburg und Ballenstedt – und zählte 1910 gut 331.000 Einwohner. Dessau selbst hatte 1905 knapp 55.000 Einwohner. Im Staatsministerium in Dessau liefen Justiz, Finanzen, Schul- und Kirchenwesen des Landes zusammen.

Militärisch endete Anhalts Eigenständigkeit früh. Nach der Vereinigung der drei Landesteile war 1863 aus den Kontingenten von Dessau, Köthen und Bernburg ein gemeinsames herzogliches Infanterie-Regiment gebildet worden. 1866 trat Anhalt dem Norddeutschen Bund bei, und 1867 wurde das Kontingent vollständig in die preußische Armee eingegliedert – als Anhaltisches Infanterie-Regiment Nr. 93. Anhalt schloss dabei keinen eigenständigen Vertrag im Sinne Sachsens, Württembergs oder Badens, sondern gehörte zu den Staaten, die der preußisch-sachsen-weimarischen Militärkonvention vom 4. Februar 1867 nebst Protokoll vom 22. Februar 1867 beitraten. Die Vereinbarung über die Neuformierung des Kontingents trägt das Datum vom 28. Juni 1867; sie legte die preußische Etatstärke fest – im Frieden 532 Mann und 18 Offiziere je Bataillon.

Das Regiment verteilte sich von Anfang an auf mehrere anhaltische Städte. Der Stab und das I. Bataillon lagen in Dessau, das II. Bataillon in Bernburg, und für das 1867 neu aufgestellte III. Bataillon wurde Zerbst als Garnison bestimmt. Im Herbst 1898 gab Bernburg sein 93er Bataillon ab; die Stadt blieb aber Garnison, denn dort lag bis 1914 ein Bataillon des preußischen Füsilier-Regiments „General-Feldmarschall Graf Blumenthal" (Magdeburgisches) Nr. 36, dessen übrige Teile in Halle standen. Dessau behielt durchgehend Stab und I. Bataillon.

In der Friedensgliederung von 1914 gehörte das Regiment zur 15. Infanterie-Brigade in Halle an der Saale, zur 8. Division mit Stab ebenfalls in Halle und damit zum IV. Armee-Korps in Magdeburg. Als Garnisonen des Regiments werden für dieses Jahr Dessau und Zerbst genannt. Ältere Darstellungen ordnen das Kontingent bei seiner Aufstellung 1867 dagegen der 7. Division desselben Korps zu – ein Unterschied in der Division, nicht im Korpsbezirk; wann genau der Wechsel erfolgte, geben die eingesehenen Quellen nicht an.

Widersprüchlich bleiben die Angaben zur Verteilung der beiden übrigen Bataillone kurz vor 1914. Wikipedia und ihr folgende Portale führen das II. Bataillon nach 1898 dauerhaft in Zerbst, so dass dort II. und III. Bataillon zusammengelegen hätten. Eine uniformkundliche Darstellung nennt dagegen Stab, I. und III. Bataillon samt Maschinengewehr-Kompanie in Dessau und nur das II. Bataillon in Zerbst; die Dessauer Stadtgeschichte wiederum weist die 1898 fertiggestellte Kaserne am Rosenhof dem II. Bataillon zu. Unstrittig ist allein, dass Dessau Regimentsstab, I. Bataillon und ab 1898 einen weiteren Truppenteil beherbergte.

Die Unterbringung in Dessau ruhte auf zwei Anlagen. Die Leopoldkaserne, 1852 bis 1855 mitten in der Stadt errichtet, war die ältere; von ihr steht heute nur noch das große Eckgebäude an der Ecke Friedrich-von-Schill-Straße und Hans-Heinen-Straße, in dem das Sozialamt der Stadt untergebracht ist. Als Exerzierplatz diente der große Hof an der Wolfgangstraße, ein weiterer Platz lag wenige hundert Meter nördlich an der Werderstraße; das Regimentslazarett befand sich im Eckhaus Wolfgangstraße/Hans-Heinen-Straße, das später die Volkshochschule aufnahm. Ende September 1898 kam die Kaserne am Rosenhof hinzu, in Dessau der erste Kasernenbau nach dem Einzelhaussystem; sie wurde 1912/13 großzügig erweitert.

Dem Herzog blieben nach 1867 im Wesentlichen Ehrenrechte. Das Recht, die Offiziere des eigenen Kontingents zu ernennen, war an die preußische Krone beziehungsweise den Kaiser abgetreten – Reservatrechte im engeren Sinn behielten nur Bayern, Sachsen und Württemberg. Sichtbar blieb die Landeszugehörigkeit im Namen des Regiments und an der ganz grünen anhaltischen Landeskokarde am Helm. Die Stellung als Regimentschef bestand fort, war aber selbst kaiserliche Gnade: Kaiser Wilhelm I. ernannte Herzog Friedrich I. am 16. August 1876 zum Chef des Infanterie-Regiments Nr. 93; ihm folgte 1904 Friedrich II.

Im Feld stand das Regiment 1870/71 unter anderem vor Paris. Am 2. August 1914 mobilisierte es im Verband der 15. Infanterie-Brigade und wurde ausschließlich an der Westfront eingesetzt; das Friedensregiment kehrte als solches nicht nach Dessau zurück. In der Leopoldkaserne lagen während des Krieges die Ersatzbataillone, die den Nachschub an Mannschaften stellten. Ab dem 22. Dezember 1918 wurde das Regiment in Dessau demobilisiert und im Frühjahr 1919 aufgelöst; die Tradition übernahm 1921 das 12. Infanterie-Regiment der Reichswehr. An das Regiment erinnert ein Gedenkstein auf dem Ehrenfriedhof in Dessau.

Von der Garnison des Kaiserreichs ist in Dessau wenig geblieben. Die Leopoldkaserne wurde bis auf das Eckgebäude abgeräumt, das Areal am Rosenhof später von Reichswehr und Wehrmacht weitergenutzt und trägt Kasernennamen aus jüngerer Zeit; Teile davon stehen heute leer. Dass Dessau überhaupt Garnison war, verdankte die Stadt weniger ihrer Größe als ihrer Rolle als Residenz: Der Regimentsstab saß dort, wo auch der Landesherr saß, während die Masse der Truppe auf Zerbst und – bis 1898 – Bernburg verteilt blieb.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

Werbehinweis: Die vorstehenden Buchverweise führen zur Suche bei Amazon. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Benachbarte Garnisonen

Depesche einbinden

Es ist ausdrücklich gestattet und erwünscht, diese Garnisons-Depesche in eigene Publikationen zu übernehmen. Man kopiere den nachstehenden Quelltext und füge ihn an geeigneter Stelle ein — die Kachel verweist sodann auf diese Seite.