Garnison Döberitz

Königreich Preußen
Heeresstandort und Fliegertruppe

Königreich

Truppengattung

Koordinaten

52.5356° N, 13.0825° O

Heutiger Name

Döberitz

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Über die Garnison Döberitz

Die Döberitzer Heide, ein sandiges Heide- und Waldgelände rund 25 Kilometer westlich des Berliner Stadtzentrums, hatte eine lange militärische Vorgeschichte, bevor das Kaiserreich sie zum Übungsplatz machte: Schon 1713 ließ Friedrich Wilhelm I. hier exerzieren, und im September 1753 hielt Friedrich II. ein Großmanöver mit rund 44.000 Soldaten ab. In den Jahren 1893 und 1894 erwarb der preußische Militärfiskus das Gelände systematisch; am 1. April 1895 wurde der Platz in Gegenwart Kaiser Wilhelms II. offiziell übergeben. Mit einer Fläche von etwa 4.400 Hektar gehörte Döberitz zu den großen Truppenübungsplätzen des Deutschen Reiches.

Anders als die meisten Übungsplätze, deren Kommandanturen direkt dem Kriegsministerium unterstanden, war Döberitz der Übungsplatz des Gardekorps. Die in Berlin, Potsdam und Spandau garnisonierten Garde-Regimenter rückten in den Übungsmonaten zu Schieß- und Gefechtsübungen in die Heide aus. Für den Übungsbetrieb entstand an der Berlin-Hamburger Chaussee zwischen Rohrbeck im Westen und Dallgow im Osten das Lager Döberitz, ein ausgedehntes Barackenlager mit Garnisonsverwaltung. Die Platzkommandantur hatte ihren ständigen Sitz zunächst in Spandau und arbeitete bis 1910 nur während der Übungsmonate vor Ort.

Für die übenden Verbände blieb Döberitz ein saisonaler Aufenthaltsort: Die Belegung des Lagers wechselte mit dem Übungskalender, ein Infanterie-, Kavallerie- oder Artillerieregiment mit Döberitz als Friedensstandort gab es nicht. Nach diesem Muster wäre Döberitz – wie Alten-Grabow oder Gruppe – keine Garnison im engeren Sinn gewesen. Was den Ort dennoch zur Friedensgarnison machte, kam aus einer ganz neuen Richtung: aus der Luft.

Anfang 1910 richtete die Preußische Armee auf dem Übungsplatz den ersten Militärflugplatz Deutschlands ein. Ab März 1910 planierten Pioniere das Startfeld, am 1. Mai 1910 nahm die Provisorische Fliegerschule Döberitz den Betrieb auf; organisatorisch gehörte das dort aufgestellte Fliegerkommando zur Versuchsabteilung der Verkehrstruppen. Der Zivilpilot Simon Brunnhuber schulte als erster Fluglehrer Offiziere auf einem Doppeldecker vom Typ Farman III; die Maschine wurde am 18. Dezember 1910 als erstes deutsches Militärflugzeug unter der Heeresbezeichnung B 1 angekauft.

Die Institutionalisierung folgte rasch. 1911 ging aus dem Fliegerkommando die Lehr- und Versuchsanstalt für Militär-Flugwesen hervor, die der neu geschaffenen Inspektion des Militär-Luft- und Kraftfahrwesens unterstand. Zum 1. Oktober 1912 wurde daraus eine eigenständige Fliegertruppe mit Kommando in Döberitz, und mit der Heeresverstärkung zum 1. Oktober 1913 entstanden vier Flieger-Bataillone: Das Flieger-Bataillon Nr. 1 lag mit Stab und zwei Kompanien in Döberitz, die dritte Kompanie in Großenhain. Damit stand in der Friedensgliederung von 1914 ein aktiver Truppenteil mit Döberitz als Standort – der Prüfstein für eine echte Garnison war erfüllt. Das fliegende und technische Personal wohnte zunächst in Großzelten, dann in Wellblechbaracken und wurde bis 1914 in feste Gebäude umquartiert.

Im Ersten Weltkrieg wurde Döberitz zum Durchgangs- und Ausbildungsort für Ersatzformationen und blieb zentrale Ausbildungs- und Erprobungsstätte der Fliegertruppe. Am westlichen Lagerrand entstand zu Kriegsbeginn ein provisorisches Kriegsgefangenenlager, das ab 1915 um zwei von den Gefangenen selbst errichtete Lager bei Rohrbeck und Dyrotz erweitert wurde. Bis Oktober 1918 waren dort insgesamt mehr als 30.000 Gefangene aus sieben Nationen interniert – ein nüchtern zu benennender Teil der Ortsgeschichte, der in der Erinnerung lange hinter der Fliegertradition zurückstand.

Nach dem Krieg blieb der Platz militärisches Sperrgebiet. Im März 1920 marschierte die in Döberitz liegende Marine-Brigade Ehrhardt von hier nach Berlin und löste den Kapp-Putsch aus. In der NS-Zeit wurde der Platz massiv ausgebaut; am Westrand entstand für die Olympischen Spiele 1936 das Olympische Dorf bei Elstal, und die Geländestrecke des Vielseitigkeitsreitens führte über das Übungsgelände – eine Randepisode, die die militärische Kontinuität des Ortes eher unterstreicht als unterbricht.

Von 1945 bis 1992 nutzten sowjetische Truppen das Areal, zeitweise mit bis zu 20.000 Soldaten. Danach endete die große militärische Nutzung: Die Döberitzer Heide ist seit 1997 Naturschutzgebiet, seit 2004 betreibt die Heinz-Sielmann-Stiftung dort eine Wildnis-Kernzone mit Wisenten und Przewalski-Pferden. Die Bundeswehr nutzt seit 1996 im Süden noch rund 600 Hektar als Standortübungsplatz; die Gebäude des historischen Flugplatzes Döberitz wurden um das Jahr 2000 abgerissen. An die Wiege der deutschen Militärfliegerei erinnern heute vor allem Gedenksteine und die Ortsgeschichte von Dallgow-Döberitz und Elstal.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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