Standorte im Deutschen Kaiserreich (Stand 1914)
Die Fliegertruppe war die jüngste Waffengattung des Kaiserreichs: Erst 1910 begann das Heer mit der systematischen Beschaffung von Flugzeugen, 1912/13 entstanden die ersten Flieger-Bataillone. Bei Kriegsausbruch 1914 war sie noch im Aufbau — Aufklärung war ihre Hauptaufgabe.
Die Standorte zerfallen in zwei Gruppen. In Preußen entstand die Fliegertruppe auf dem Truppenübungsplatz Döberitz: 1910 die erste Fliegerschule, ab 1. Oktober 1913 das Flieger-Bataillon Nr. 1 — der Gründungsort der deutschen Militärfliegerei. Daneben baute Bayern, das mit seiner eigenständigen Armee auch eine eigene Fliegertruppe unterhielt, ein geschlossenes Netz auf: fünf Standorte im Königreich plus Ober-Schleißheim, wo am 1. April 1912 die Königlich Bayerische Fliegerkompanie aufgestellt wurde. Bayerische Flieger unterstanden im Frieden dem bayerischen König, nicht dem preußischen Kriegsministerium.
Die Standorte waren typischerweise an bestehende Garnisonen angegliedert: ein Flugfeld am Stadtrand, Hallen, Werkstätten. Aus mehreren dieser Plätze gingen später zivile Flughäfen hervor.
Truppenübungsplatz des Gardekorps — und Geburtsort der preußischen Fliegertruppe: 1910 Fliegerschule, ab 1. Oktober 1913 Stab und zwei Kompanien des Flieger-Bataillons Nr. 1 als ständige Friedensgarnison.
Der wichtigste der sechs Standorte: Hier wurde am 1. April 1912 die Königlich Bayerische Fliegerkompanie aufgestellt, ab Oktober 1913 ergänzt um die Fliegerschule des 1. Kraftfahrer- und Fliegerbataillons. Das Garnisonsverzeichnis führt für den Ort schlicht „Flieger-Kompanie" — ein Dorf ohne klassische Kaserne, dessen militärischer Rang allein auf der ersten bayerischen Militärfliegerstation beruhte.
Bayerische Landesfestung an der Donau, der größte Festungsbau des Königreichs.
Bayerischer Standort in der Rheinpfalz — die bayerische Armee unterhielt auch links des Rheins eigene Verbände.