Garnison Ober-Schleißheim

Königreich Bayern
Fliegertruppe

Königreich

Truppengattung

Koordinaten

48.2549° N, 11.5546° O

Heutiger Name

Ober-Schleißheim

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Über die Garnison Ober-Schleißheim

Ober-Schleißheim, ein Dorf gut zehn Kilometer nördlich von München, gehört zu den jüngsten und ungewöhnlichsten Garnisonsorten des Kaiserreichs. Im Garnisonsverzeichnis der Deutschen Armee von 1913/14 steht hinter dem Ortsnamen nur eine einzige Zeile: „Flieger-Kompanie“. Keine Infanterie, keine Kavallerie, kein Bezirkskommando — der militärische Rang des Ortes beruhte allein darauf, dass hier 1912 die erste Militärfliegerstation des Königreichs Bayern entstand.

Den Ausschlag gab das Gelände. Südlich der drei Wittelsbacher Schlösser lagen die Weiden des Königlichen Remonte-Depots Schleißheim, auf denen die bayerische Armee ihre jungen Pferde aufzog: eine weite, ebene Fläche, wie geschaffen für ein Flugfeld. Ein Bahnhof bestand seit 1858 an der Strecke München–Landshut, München war nah, und Grund und Boden gehörten bereits dem Staat. Eigene Gebäude gab es zunächst keine; die ersten Flugzeuge standen in drei Zelten.

Im Januar 1912 bildete General Karl Ritter von Brug bei der Kraftfahrer- und Luftschiffer-Abteilung in München-Oberwiesenfeld ein bayerisches Fliegerkorps-Kommando unter Rittmeister Luitpold Graf Wolffskeel von Reichenberg. Am 1. April 1912 wurde daraus in der Militärfliegerstation Ober-Schleißheim eine Fliegerkompanie mit vier Offizieren, acht Unteroffizieren und fünfzig Mann. Standardmuster der ersten Jahre war der zweisitzige Otto-Doppeldecker aus den Flugmaschinenwerken Gustav Otto in München-Milbertshofen. Am 18. April 1912 flog von Brug mit Wolffskeel auf einer solchen Maschine über dem Platz.

Der Ausbau folgte rasch. Im Oktober 1912 war die Flugplatzwache fertig, die zugleich die Flugplatzkommandantur und einfache Werkstätten aufnahm; rechts und links davon entstanden große hölzerne Flugzeughallen an Stelle der Zelte. Ab Februar 1913 fällte man die Bäume entlang der Münchner Allee, die das Flugfeld in Nord-Süd-Richtung durchschnitt und startende Maschinen gefährdete. Ab Mai 1913 wurden die ersten Unterkunfts- und Wirtschaftsgebäude für eine künftige Kaserne errichtet und ein Gleisanschluss vorangetrieben, ab September 1913 kamen zwei gemauerte Hallen südlich der bestehenden hinzu, von denen eine als Werft diente.

Am 1. Oktober 1913 wurde die Einheit zum 1. Königlich Bayerischen Kraftfahrer- und Fliegerbataillon mit Fliegerkompanie und Fliegerschule erweitert. Der Bataillonsstab saß in München — das Garnisonsverzeichnis führt dort das „Luft- und Kraftfahr-Bataillon“ —, während die Fliegerkompanie in Ober-Schleißheim lag. Genau dieser Zustand ist es, den die Liste für 1913/14 festhält, und er ist der Grund, warum der Ort überhaupt als Garnison geführt wird.

Die Mobilmachung beendete diese Gliederung am 1. August 1914. Das Bataillon wurde aufgelöst; aus den in Ober-Schleißheim stationierten Truppen entstanden die Feld-Fliegerabteilungen 1b, 2b und 3b mit je sechs Flugzeugen, die dem I., II. und III. Königlich Bayerischen Armeekorps zugeteilt wurden und mit dem übrigen bayerischen Heer an die Westgrenze abrückten. An ihrer Stelle richtete man am Platz die Flieger-Ersatzabteilung 1b ein, kurz FEA I, deren Aufgabe die Ausbildung des Nachwuchses war. Bei der Mobilmachung zählte die Station 44 Offiziere, 52 Unteroffiziere und 239 Mann unter Major Friedrich Stempel.

Im Krieg wurde Ober-Schleißheim zum alleinigen Ausbildungszentrum der bayerischen Flieger. Im Mai 1916 löste sich die Beobachterschule organisatorisch von der Fliegerschule und bekam ein eigenes Lehrgebäude, das sie mit der neu gegründeten Funkerschule teilte; dazu kamen eine Lichtbildstelle, Materiallager, Motorenprüfstände und ein Maschinengewehr-Schießplatz. Das Hindenburg-Programm von 1916 und das Amerika-Programm von 1917 trieben die Kapazitäten weiter hoch: Ab Sommer 1917 entstanden vier Normalflugzeughallen, ab 1918 eine Großflugzeughalle, und östlich der Wache wurde eine neue Werft begonnen, die erst 1919 fertig wurde. Ende 1917 waren 245 Offiziere am Platz, dazu 273 weibliche Hilfskräfte, überwiegend Schreibkräfte, die täglich aus München herausfuhren. Bis Kriegsende gingen von hier rund 900 Flugzeugführer und 735 Beobachter hervor.

Mit dem Waffenstillstand im November 1918 endete die Fliegertruppe. Nach dem Versailler Vertrag wurden die Normal- und die Großflugzeughallen 1920 abgebrochen und als Reparationsleistung abgegeben — eine von ihnen steht bis heute auf dem Flughafen Le Bourget bei Paris. Die hölzernen Hallen fielen ebenfalls. Erhalten blieben die Flugplatzwache von 1912 und die 1919 vollendete Werft; in ihnen ist heute die Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums untergebracht. Der Platz selbst wird seit 1912 ohne Unterbrechung beflogen und gilt damit als ältester noch aktiver Flugplatz Deutschlands.

Für die militärische Landkarte des Kaiserreichs bleibt Ober-Schleißheim ein Sonderfall: ein Dorf von rund tausend Einwohnern, das keine Kaserne im herkömmlichen Sinn und keine der klassischen Waffengattungen beherbergte, sondern eine einzige, damals ganz neue Formation. Die Flieger zählten organisatorisch zu den Verkehrstruppen; im bayerischen Heer standen sie zusammen mit den Kraftfahrern in einem gemeinsamen Bataillon. Belegt ist für den Ort deshalb genau eine Truppengattung — die Fliegertruppe.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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