Garnison Leipzig

Königreich Sachsen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Koordinaten

51.3406° N, 12.3747° O

Heutiger Name

Leipzig

Aktuelles Wetter in Leipzig

Wetterdaten werden geladen...

Über die Garnison Leipzig

Leipzig kam spät zum Militär. Ein kurfürstliches Privileg befreite die Handelsstadt jahrhundertelang von der Einquartierung von Truppen; lediglich in der Pleißenburg gab es eine kleine Schlosswache und ab 1830 eine kleine königliche Garnison. Erst nach der Niederlage Sachsens im Krieg von 1866 änderte sich das grundlegend. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde Leipzig nach Dresden zum zweitwichtigsten Garnisonsstandort des Königreichs Sachsen – nicht als Festung, sondern als Standort großer Kasernenanlagen und höherer Kommandobehörden.

Der rechtliche Rahmen dafür war ungewöhnlich. Sachsen schloss am 7. Februar 1867 eine Militärkonvention mit Preußen, reorganisierte seine Armee nach preußischem Muster und stellte sie als XII. Armeekorps in das Bundes- und spätere Reichsheer. Nach Artikel 63 Absatz 1 der Reichsverfassung vom 16. April 1871 blieb die Sächsische Armee jedoch rechtlich eigenständig: Sachsen behielt ein eigenes Kriegsministerium in Dresden, der König blieb Kontingentsherr, und die Bauherrenschaft für Kasernen lag beim sächsischen, nicht beim preußischen Militärfiskus. Wer die Leipziger Garnisonsgeschichte liest, liest deshalb vor allem eine Auseinandersetzung zwischen der Stadt Leipzig und dem sächsischen Kriegsministerium.

Am 1. April 1899 wurde das XIX. (II. Königlich Sächsische) Armeekorps errichtet; sein Generalkommando saß in Leipzig, unterstellt war es der II. Armee-Inspektion. Zum Korpsbezirk zählten ab 1903 die Kreishauptmannschaften Chemnitz, Leipzig und Zwickau. Dem Korps unterstanden die 24. (2. Königlich Sächsische) Division in Leipzig und die 40. (4. Königlich Sächsische) Division in Chemnitz. Das Divisionskommando der 24. Division stand bereits seit 1869 in Leipzig und blieb dort bis zur Auflösung 1919. Erster Kommandierender General des Korps war Heinrich Leo von Treitschke, bei Kriegsausbruch 1914 führte es General der Kavallerie Maximilian von Laffert.

In der Friedensgliederung von 1914 lagen in Leipzig das Infanterie-Regiment „König Georg“ Nr. 106 und das Infanterie-Regiment „Prinz Johann Georg“ Nr. 107 (beide 4. Infanterie-Brigade Nr. 48), das 2. Ulanen-Regiment Nr. 18 der 2. Kavallerie-Brigade Nr. 24 sowie das 7. Feldartillerie-Regiment Nr. 77 der 2. Feldartillerie-Brigade Nr. 24. Hinzu kamen Korpstruppen, darunter das 2. Königlich Sächsische Train-Bataillon Nr. 19. Zeitweise war Leipzig auch Aufstellungsort: Am 1. April 1881 entstand hier aus den fünften Kompanien der Regimenter 104, 106, 107 und 108 das 10. Infanterie-Regiment Nr. 134, das 1903 nach Plauen im Vogtland verlegt wurde; 1896 bildeten die IV. Bataillone der Regimenter 106 und 107 das I. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 179, das nach Wurzen ging.

Der Grundstein des Kasernenviertels war ein Politikum. Kriegsminister Alfred von Fabrice bestimmte in den frühen 1870er Jahren gegen alle Vorschläge der Stadtverwaltung einen Höhenrücken an der Straße nach Halle zwischen den damals selbständigen Dörfern Möckern und Gohlis zum Standort. Dort entstand von 1875 bis 1877 die Kaserne Möckern, mit 345 Metern Länge bis heute das längste Gebäude Leipzigs. Sie kostete das sächsische Kriegsministerium 2.061.450,10 Mark und war als Regimentskaserne für rund 1.800 Menschen ausgelegt – Offiziere und Militärbeamte mit Familien im Erdgeschoss und Mittelbau, Mannschaftsstuben mit 16 bis 19 Mann in den Seitenbauten. Am 24. März 1877 rückte das Infanterie-Regiment Nr. 106 aus Chemnitz ein. Von 1882 bis 1925 bildete das Kasernengrundstück einen selbständigen Gutsbezirk, der weder der Gemeinde Möckern noch der Stadt Leipzig unterstand.

Den zweiten Bauschub löste ein Tauschgeschäft aus. Die Stadt wollte die Pleißenburg loswerden, um Platz für ihr Neues Rathaus zu schaffen; sie erwarb sie 1895 vom Königreich Sachsen, riss sie ab 1897 ab und ließ von 1899 bis 1905 den Neubau unter Hugo Licht errichten. Bedingung war der Bau einer Kaserne für das Infanterie-Regiment 107. So entstanden von 1895 bis 1897 auf Kosten der Stadt – teilweise verrechnet mit dem Kaufpreis von 2,5 Millionen Mark – die Prinz-Johann-Georg-Kaserne an der heutigen Olbrichtstraße, die König-Albert-Kaserne für das Ulanen-Regiment 18, das Divisionsgericht mit Militärgefängnis, die Garnisonsverwaltung und das Proviantamt. Auf Gohliser Flur folgten die Artilleriekaserne am Viertelsweg für das Regiment 77, das Artilleriedepot und ab 1901 das Bekleidungsamt des Heeres mit sechs Klinkergebäuden; um die Jahrhundertwende kam die Kaserne des Train-Bataillons 19 hinzu.

Das Militär prägte den Norden der Stadt auch außerhalb der Kasernenmauern. Auf Drängen und mit finanzieller Beteiligung der Armee wurden die Heerstraße (heute Olbrichtstraße), die Trainstraße und die Treitschkestraße angelegt, der Ausbau der Straßenbahn bis zur Endstelle Gohlis, Landsberger Straße war für die Soldaten die spürbarste Verbesserung. Weil die Stadt für die Unterbringung einberufener Reservisten und durchziehender Truppen aufkommen musste, errichtete sie eigene Einquartierungshäuser. Leipziger Baufirmen führten die Kasernenbauten aus, Gastwirtschaften, Fotografen und Postkartenverlage lebten von der Garnison. Der Alltag in den Kasernen hatte eine andere Seite: Zwischen 1873 und 1898 wurden in Leipzigs Truppenteilen 260 Vorgesetzte wegen grober Soldatenmisshandlung bestraft, von 1889 bis 1900 nahmen sich 60 junge Männer das Leben. Eine geplante evangelische Garnisonkirche und eine katholische Kapelle vor der Kaserne der 107er wurden aus Geldmangel nie gebaut.

Neben der Garnison standen zwei zivile Institutionen von Reichsrang. Seit dem 1. Oktober 1879 tagte in Leipzig das Reichsgericht, der oberste Gerichtshof der ordentlichen Gerichtsbarkeit; im Bundesrat hatte sich die Stadt mit 30 zu 28 Stimmen gegen Berlin durchgesetzt. Bis 1895 arbeitete es in der Georgenhalle, dann im Neubau von Ludwig Hoffmann und Peter Dybwad. Am 18. Oktober 1913, zum hundertsten Jahrestag der Völkerschlacht, wurde im Südosten der Stadt das von Bruno Schmitz entworfene, seit 1898 gebaute Völkerschlachtdenkmal eingeweiht – finanziert durch 26 eigens eingerichtete Lotterien und Spenden des Deutschen Patriotenbundes unter Clemens Thieme, Hauptgast war Kaiser Wilhelm II. Die halbe Million Einwohner zählende Messe- und Verlagsstadt inszenierte damit nationale Geschichte in einem Maßstab, den ihre Kasernen nie erreichten.

Von den militärischen Anlagen ist heute fast nichts mehr in Uniform. Im Ersten Weltkrieg diente die Kaserne Möckern als Ersatz- und Ausbildungsstandort und ab dem 16. November 1914 als Reservelazarett. Nach 1945 nutzte die sowjetische Armee den westlich der Olbrichtstraße gelegenen Teil bis 1992, östlich davon saß ab 1957 das Kommando des Militärbezirks III der NVA. Die Bundeswehr übernahm das Areal 1990 und benannte es 1993 Theodor-Körner-Kaserne; 2007 wurde es aufgegeben und zum Wohnquartier „Siebengrün“ umgebaut. Aus dem Bekleidungsamt wurden ab 2008 die „Kaisergärten“, aus der Trainkaserne das „Werk Motor“, aus der Heereswäscherei die „Rosental-Terrassen“. Die Kaserne Möckern beherbergt heute die Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland. Einziger verbliebener Militärstandort der Stadt ist die General-Olbricht-Kaserne an der Olbrichtstraße, deren Kernbauten aus den Jahren 1895 bis 1897 stammen.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

Werbehinweis: Die vorstehenden Buchverweise führen zur Suche bei Amazon. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Benachbarte Garnisonen

Depesche einbinden

Es ist ausdrücklich gestattet und erwünscht, diese Garnisons-Depesche in eigene Publikationen zu übernehmen. Man kopiere den nachstehenden Quelltext und füge ihn an geeigneter Stelle ein — die Kachel verweist sodann auf diese Seite.