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Garnison Altenburg

Herzogtum Sachsen-Altenburg
⚔ Heeresstandort

Herzogtum

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

50.9852° N, 12.4341° O

Heutiger Name

Altenburg

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Über die Garnison Altenburg

Altenburg war Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Altenburg, eines der kleinsten Bundesstaaten des Deutschen Reiches. Das Land umfasste rund 1.320 Quadratkilometer in zwei durch reußisches Gebiet getrennten Landesteilen, dem Ost- und dem Westkreis; die Residenzstadt zählte 1905 knapp 39.000 Einwohner. Militärisch bedeutete das: kein Korpssitz, keine Festung, keine Rüstungsindustrie von Rang. Was Altenburg von anderen thüringischen Kleinstädten unterschied, war der Umstand, dass hier das gesamte Landeskontingent zusammengezogen wurde – und dass dieses Kontingent ab 1897 groß genug war, um ein eigenes Regiment zu tragen.

Vor 1866 war die militärische Lage überschaubar. Als Mitglied des Deutschen Bundes stellte das Herzogtum ein Kontingent von 982 Mann Infanterie und bildete damit das 1. Bataillon der Reservedivision des Bundesheeres. Neben dem Bataillon bestand eine Jägerkompanie; 1850 kam ein zweites Bataillon hinzu, so dass ein Füsilierregiment mit zwei Bataillonen zu je vier Kompanien entstand. Wie eng Militär und Innenpolitik verzahnt waren, zeigte sich 1848: Nach den Altenburger Barrikadentagen im Juni und dem Rücktritt Herzog Josephs am 30. November wurde Militär in die Stadt verlegt, um weitere Aufstände zu verhindern.

Mit dem Beitritt zum Norddeutschen Bund verlor das Herzogtum seine militärische Eigenständigkeit. Sachsen-Altenburg trat der zwischen Preußen und Sachsen-Weimar-Eisenach am 4. Februar 1867 geschlossenen Militärkonvention bei, zu der ein Protokoll vom 22. Februar 1867 gehört; genealogische Überlieferungen nennen für das Herzogtum zusätzlich eine eigene Konvention vom 26. Juni 1867. Gut belegt ist die erneuerte Konvention vom 15. September 1873. Sie hob den Paragrafen des Landesgrundgesetzes auf, nach dem dem Herzog die ausschließliche Verfügung über das Militär zustand. Der Landesherr behielt danach mehr als bloße Ehrenrechte, aber deutlich weniger als eine eigene Kommandogewalt: Er stand zu den Truppenteilen im Lande im Verhältnis eines kommandierenden Generals und übte die entsprechende Disziplinarstrafgewalt aus. Die Ernennung der Offiziere seines Kontingents war dagegen an den preußischen König und späteren Kaiser abgetreten, die Verwaltung preußisch. Das Herzoglich Sachsen-Altenburgische Gendarmeriekorps verlor infolge der Konvention seinen militärischen Charakter und bestand nur noch als Gendarmerie bis 1918 fort.

Von 1867 an bildete das altenburgische Kontingent gemeinsam mit denen der beiden Fürstentümer Reuß und Schwarzburg-Rudolstadts das 7. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 96, dessen Stiftungstag auf den 1. Oktober 1867 datiert. Auf Altenburg entfielen der Regimentsstab und das I. Bataillon, auf Gera das II. und auf Rudolstadt das III. Bataillon. Das Regiment gehörte zum IV. Armeekorps in Magdeburg. 1896 schied Sachsen-Altenburg aus dem Verband aus; der Regimentsstab verlegte daraufhin von Altenburg nach Gera, das I. Bataillon wurde zwischenzeitlich in Naumburg untergebracht und folgte erst 1909 nach.

Der eigentliche Einschnitt kam am 1. April 1897 mit der Aufstellung des 8. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 153. Altenburg wurde Standort des Regimentsstabes sowie des I. und II. Bataillons, das III. Bataillon lag in Merseburg. In der Friedensgliederung von 1914 gehörte das Regiment zur 16. Infanterie-Brigade in Torgau, zur 8. Division in Halle an der Saale und damit weiterhin zum IV. Armee-Korps. In der Stadt bestand außerdem das Bezirkskommando Altenburg, dem das Landwehr-Bataillon Altenburg zugeordnet war. Damit war Altenburg für den größeren Teil der Kaiserzeit kein Bataillons-, sondern ein Regimentsstandort.

Für die Unterbringung reichte die bestehende Anlage nicht aus. Die 1845 am Anfang der Leipziger Straße errichtete Herzog-Joseph-Kaserne war für das neue Regiment zu klein, so dass weiter stadtauswärts an derselben Straße, bereits auf Rasephaser Gemarkung, die Herzog-Ernst-Kaserne gebaut wurde. Beide Namen verweisen auf regierende Herzöge – ein üblicher Vorgang in den Residenzstädten der Kleinstaaten, in denen die Dynastie auch dann sichtbar blieb, wenn die Truppe längst preußisch verwaltet wurde.

Diese Bindung an das Herrscherhaus war mehr als symbolisch. Ernst II. war 1894 als Leutnant in das 1. Garde-Regiment zu Fuß eingetreten und diente 1903 bis 1905 im Großen Generalstab. Mit seinem Regierungsantritt am 7. Februar 1908 wurde er Chef des Infanterie-Regiments Nr. 153 und des 1. Königlich Sächsischen Jäger-Bataillons Nr. 12 in Freiberg. Bei Kriegsausbruch 1914 führte er sein Regiment als Generalleutnant an der Westfront, wurde am 19. August 1914 General der Infanterie, übernahm am 7. Oktober 1914 die 16. Infanterie-Brigade und am 20. März 1915 die 8. Division. Am 30. Mai 1915 erhielt er den Orden Pour le Mérite und schied aus dem aktiven Dienst aus; 1916 führte er die Division noch einmal für wenige Monate.

Neben der Infanterie entstand vor dem Krieg ein zweiter militärischer Bezugspunkt. Auf einem Exerzierplatz im Leinawald östlich der Stadt, auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Nobitz, hatten schon zuvor Flugtage stattgefunden; 1913 wurde der Platz offiziell als Flugstützpunkt beziehungsweise Fliegerstation eröffnet, was Herzog Ernst II. betrieben hatte. 1916 verlegte die Fliegerersatzabteilung 1 von Adlershof hierher. Rund 110 Hektar wurden gerodet und planiert, Baracken und Flughallen errichtet, eine Fliegerschule eingerichtet; in einem Werftgebäude montierte man Flugzeuge der Typen Albatros, DFW, Rumpler und Fokker. Auf diesem Militärflugplatz begannen am 7. November 1918 die Unruhen, die zur Abdankung Ernsts II. am 13. November führten.

Von der Garnison ist im Stadtbild Unterschiedliches geblieben. Die Herzog-Joseph-Kaserne steht noch und wird heute von der Polizei sowie vom Labyrinthehaus genutzt, einem Themen- und Kulissenlabyrinth auf über 2.000 Quadratmetern. Das Kasernenareal weiter draußen an der Leipziger Straße diente nach 1945 sowjetischen Truppen und ist inzwischen weitgehend verschwunden. Der Flugplatz im Leinawald wurde ab 1936 zum Fliegerhorst der Luftwaffe ausgebaut, war von 1945 bis 1992 sowjetisch belegt und wird heute als Verkehrslandeplatz Leipzig-Altenburg betrieben – die einzige militärische Anlage des Herzogtums, die ununterbrochen in Betrieb blieb.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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