Garnison Lockstedt

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

54.0040° N, 9.6854° O

Heutiger Name

Lockstedt

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Über die Garnison Lockstedt

Auf den Heideflächen zwischen Itzehoe und Kellinghusen wurde schon vor der Reichsgründung exerziert: Bereits 1846 diente das Gelände dem holstein-lauenburgischen Kontingent als Manövergebiet, und nach dem Deutsch-Dänischen Krieg richtete das preußische Militär 1865 bei dem Dorf Lockstedt ein Zeltlager mit festen Feuerstellen und Vorratsbauten ein. Im Dezember 1870, mitten im Krieg gegen Frankreich, begann der Bau eines Barackenlagers; schon im Februar 1871 wurden dort mehrere tausend französische Kriegsgefangene untergebracht — die Angaben schwanken zwischen 5.200 und etwa 6.000 Mann. Der Franzosenfriedhof in Hohenlockstedt erinnert bis heute an die Verstorbenen dieser Zeit.

Ab 1872 baute die preußische Armee das „Barackenlager bei Lockstedt" zum Truppenübungsplatz des IX. Armee-Korps aus, dessen Generalkommando in Altona saß. Der Korpsbezirk umfasste Schleswig-Holstein, die Hansestädte und beide Mecklenburg — deren Regimenter kamen turnusmäßig zum Scharfschießen und zu Gefechtsübungen nach Lockstedt, darunter ab 1889 das Schleswigsche Feldartillerie-Regiment Nr. 9 aus Itzehoe. Aus anfangs rund 4.500 Hektar wuchs der Platz bis 1914 auf etwa 60 Quadratkilometer. Um die eigentliche Lagerstadt entstand feste Infrastruktur: 1889/90 der Eisenbahnanschluss an die Strecke Wrist–Itzehoe, im Jahr 1900 der markante Wasserturm mit Signalball, dazu Schießanlagen, Massivbaracken, Offiziersunterkünfte und ein vom Architekten Fritz Höger entworfenes Soldatenheim.

Für die Frage, ob Lockstedt eine Garnison oder nur ein Übungsplatz mit wechselnder Belegung war, ist die Heeresvermehrung von 1912 entscheidend. Zum 1. Oktober 1912 wurde das Lauenburgische Fußartillerie-Regiment Nr. 20 aufgestellt; sein Stab lag in Itzehoe, das I. und II. Bataillon bezogen bis 1914 Quartier im Lockstedter Lager, ehe das Regiment in die neu gebaute Fußartilleriekaserne in Bahrenfeld bei Altona umzog. Ebenfalls 1912 erhielt das Schleswig-Holsteinische Infanterie-Regiment Nr. 163 nach dem Wehrgesetz vom Juni 1912 ein drittes Bataillon, das für die noch unfertige Kaserne in Heide bestimmt war und übergangsweise im Lockstedter Lager stationiert wurde — von dort zog es im August 1914 in den Krieg. Anders als bei reinen Übungsplätzen wie Alten-Grabow lag in Lockstedt in der Friedensgliederung 1914 also tatsächlich ein Truppenteil mit dem Platz als Standort.

Mit Kriegsbeginn 1914 wurde das Lager zur Ausbildungsmaschine des IX. Korpsbezirks: Ersatzbataillone und Rekruten durchliefen den Platz in großer Zahl, nach Angaben der schleswig-holsteinischen Landesgeschichte bis zu 115.000 Soldaten jährlich. Die Barackenstadt erreichte in dieser Zeit ihre größte Ausdehnung; die Angaben zur Kapazität reichen von 18.000 einquartierten Soldaten bis zu 58.000 Mann und 10.000 Pferden für das Gesamtlager.

In die Kriegsjahre fällt auch das Kapitel, das Lockstedt international bekannt machte. Finnland stand als Großfürstentum unter russischer Herrschaft; finnische Aktivisten suchten ab 1914 die Verbindung zum Deutschen Reich, um eine eigene Truppe ausbilden zu lassen. Am 25. Februar 1915 begann im Lockstedter Lager der zur Tarnung so genannte „Pfadfinderkurs" — geleitet von Major Maximilian Bayer, der als Reichsfeldmeister der deutschen Pfadfinderbewegung die Legende glaubwürdig machte. Aus der ersten Gruppe von einigen Dutzend Freiwilligen wurde Ende August 1915 die „Ausbildungstruppe Lockstedt" mit rund 1.200 Mann; insgesamt durchliefen 1.897 finnische Freiwillige die Ausbildung.

Im Mai 1916 erhielt die Truppe die Bezeichnung Königlich Preußisches Jägerbataillon Nr. 27 und wurde mit rund 1.500 Mann an die Ostfront verlegt. Das Bataillon lag ab Sommer 1916 an der Rigaer Front — an der Misse bei Mitau, bei Schmarden und am Rigaer Meerbusen. Nach der finnischen Unabhängigkeitserklärung vom 6. Dezember 1917 wurde es im Februar 1918 in Libau aufgelöst; die Jäger schworen den Eid auf die finnische Regierung und landeten am 25. Februar 1918 in Vaasa. Sie stellten im finnischen Bürgerkrieg und danach über Jahrzehnte das Rückgrat des Offizierkorps der finnischen Armee. Wichtig für die Einordnung: Diese Ausbildung war Kriegsgeschichte auf dem Übungsplatz, keine Friedensgarnison — sie begründet Lockstedts Sonderstellung, nicht seinen Garnisonsstatus.

Nach 1918 endete die militärische Nutzung zunächst vollständig: Der Übungsplatz wurde aufgelöst, das Gelände besiedelt und parzelliert; 1927 entstand die Landgemeinde Lockstedter Lager. Es folgten Industrieansiedlungen (ab 1928 die Bürstenfabrik Schmidt, ab 1934/35 eine Heeresmunitionsanstalt) und 1936 der Flugplatz, aus dem später der Heeresflugplatz Hungriger Wolf wurde. 1956 benannte sich die Gemeinde in Hohenlockstedt um, weil das Wort „Lager" nach 1945 belastet war. Die Bundeswehr baute 1959 die spätere Waldersee-Kaserne für Heeresflieger, die bis zur Auflösung des Heeresfliegerregiments 6 im Jahr 2004 bestand. Vom alten Lager zeugen heute der Wasserturm als Wahrzeichen, das Kunsthaus M.1 in einer erhaltenen Massivbaracke, der Franzosenfriedhof — und die lebendige Finnland-Verbindung des Ortes, unter anderem die seit 1973 bestehende Freundschaft mit der finnischen Stadt Lapua.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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