Garniſon Rendsburg

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

54.3003° N, 9.6650° O

Heutiger Name

Rendsburg

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Über die Garniſon Rendsburg

Rendsburg an der Eider gehört zu den ältesten Festungs- und Garnisonsplätzen des Nordens. Eine erste Befestigung entstand um 1100 unter dem dänischen Jarl Björn; um 1660 wurde der Ort mit einer ersten dauerhaften Stationierung zur Garnisonsstadt. Zwischen 1669 und 1673 ließ der dänische Generalmajor Henrik Ruse die erste große Festungsanlage errichten, ab 1690 folgte unter Generalmajor Jobst Scholten die Erweiterung um die barocke, planmäßig angelegte Festungsstadt Neuwerk. Für den dänischen Gesamtstaat besaß die Festung an der Grenze zwischen den Herzogtümern Schleswig und Holstein eine Schlüsselstellung; 1848 wurde sie zum Ausgangspunkt der Schleswig-Holsteinischen Erhebung. 1852, im Jahr des Londoner Protokolls, erging aus Kopenhagen der Befehl, die Festungswerke abzubrechen — das Ende Rendsburgs als aktive Festung zeichnete sich damit bereits vor der preußischen Zeit ab.

Mit dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 endete die dänische Herrschaft. Die Gasteiner Konvention von 1865 sah Rendsburg noch für den Ausbau als Bundesfestung vor, doch nach dem Krieg von 1866 wurde Schleswig-Holstein 1867 preußische Provinz, und die Stadt wurde Garnison der Preußischen Armee. An die Stelle der Festungsfunktion trat der reguläre Garnisonsbetrieb mit Kasernen, Depots und Lazarett; die Wälle des 17. Jahrhunderts prägen als Grundriss der Stadtteile Altstadt und Neuwerk das Stadtbild bis heute.

Kern der Garnison im Kaiserreich war das am 27. September 1866 in Münster aufgestellte Infanterie-Regiment Nr. 85, dem Kaiser Wilhelm II. am 27. Januar 1889 den endgültigen Namen „Herzog von Holstein“ verlieh. Stab, I. und II. Bataillon lagen in Rendsburg, das III. Bataillon zuletzt in Kiel; das Regiment unterstand der 18. Division des IX. Armee-Korps. Im Krieg von 1870/71 focht es bei Colombey, Gravelotte und Noisseville, nahm an der Belagerung von Metz teil und kämpfte bei Orléans und Le Mans. Im Ersten Weltkrieg stand das Regiment an der Westfront, unter anderem an der Somme, bei Arras und in Flandern; ab dem 26. Dezember 1918 wurde es in Rendsburg demobilisiert.

Neben der Infanterie lagen weitere Truppenteile in der Stadt: von 1866 bis 1899 Stab und II. Abteilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 9, ab 1899 die I. Abteilung des Lauenburgischen Feldartillerie-Regiments Nr. 45 sowie durchgehend die 1866 aufgestellte Train-Einheit Nr. 9; um 1905 hatte zudem der Stab der 36. Infanteriebrigade seinen Sitz in Rendsburg. Für diese Verbände entstanden nacheinander drei Kasernenanlagen: 1877 die Train-Kaserne an der Herrenstraße, 1879 bis 1881 die Infanteriekaserne an der Kaiserstraße in Neuwerk (1897/98 erweitert) und 1903 bis 1905 die Artilleriekaserne in Neuwerk, die seit 1928 Eider-Kaserne heißt. Die Train-Kaserne wurde 1972 abgerissen, von der Infanteriekaserne blieb nach Abbrüchen 1981 im Wesentlichen der 1983/84 zum Wohn- und Geschäftshaus umgebaute Uhrenblock; die Eider-Kaserne wurde bis 2008 militärisch genutzt.

Das prägende Zeitzeichen der Epoche war der Kanal. Nach achtjähriger Bauzeit wurde 1895 der Kaiser-Wilhelm-Kanal eröffnet, der Rendsburg zur Kanalstadt mit großen Hafenanlagen machte. Zwischen 1911 und 1913 entstand unter Leitung des Ingenieurs Friedrich Voß die Rendsburger Hochbrücke: eine 2.486 Meter lange Stahlkonstruktion mit 42 Metern lichter Höhe über dem Kanal und 140 Metern Hauptspannweite, deren Eisenbahntrasse die Stadt in einer rund 4,5 Kilometer langen Schleife umrundet. Die Baukosten betrugen 13,4 Millionen Goldmark. Am 1. Oktober 1913 ging die Brücke in Betrieb, am 2. Dezember 1913 folgte die unter dem Brückenträger hängende Schwebefähre, die seither im Viertelstundentakt Fahrzeuge und Fußgänger über den Kanal trägt. Die Hochbrücke wurde zum Wahrzeichen der Stadt und gilt als herausragendes Denkmal der Ingenieurbaukunst.

Die Stadt selbst wuchs im Kaiserreich stetig: 1879 zählte Rendsburg rund 13.400 Einwohner, 1905 waren es 15.577. Als Kreisstadt im Regierungsbezirk Schleswig beherbergte sie Amtsgericht und Oberförsterei; zur Wirtschaft gehörten Schiffswerften und Reparaturwerkstätten am Kanal, die 1876 gegründete Chemische Düngerfabrik, Weberei, Pianofortebau und Brauereien, 1895 ging das städtische Elektrizitätswerk ans Netz. Unmittelbar gegenüber am Nordufer lag die 1827 gegründete Carlshütte in Büdelsdorf, das große Eisenhüttenwerk der Region; 1905 kam die Werft Nobiskrug hinzu. Garnison, Kanal und Industrie zusammen gaben der alten Festungsstadt bis 1918 ihr Gepräge — als das Infanterie-Regiment Nr. 85 nach dem Weltkrieg heimkehrte, endete mit seiner Demobilisierung auch die Garnisonsepoche des Kaiserreichs.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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