Neu-Ulm liegt am rechten Donauufer, gegenüber dem württembergischen Ulm. Die Stadt verdankt ihre Eigenständigkeit dem Pariser Vertrag vom 28. Februar 1810: Ulm kam zum Königreich Württemberg, die Siedlungen rechts der Donau blieben bayerisch. 1869 erhob König Ludwig II. den Ort zur Stadt, 1891 wurde er kreisfreie Stadt erster Klasse. Militärisch bildete Neu-Ulm das bayerische Gegenstück zum württembergischen Ulm — zwei Garnisonen zweier Bundesstaaten in einer Doppelstadt, getrennt durch den Fluss und die Kontingentsgrenze, verbunden durch dieselbe Festung.
Diese Festung war die Grundlage der Garnison. 1841 beschloss die Frankfurter Bundesversammlung den Bau der Bundesfestung Ulm mit einem Brückenkopf auf bayerischer Seite; auf Betreiben König Ludwigs I. wurde Neu-Ulm in den Festungsgürtel einbezogen. Von 1844 bis 1857 entstanden die Anlagen nach Plänen des Festungsbaudirektors Major von Herdegen und seines Nachfolgers, Ingenieurmajor Theodor Ritter von Hildenbrandt. Der innere Ring wurde als halbes Achteck mit vier geraden Fronten ausgeführt, davor lagen die Werke 12 Schwaighofen, 13 Ludwigsvorfeste und 14 Illerkanal. Mit der Reichsgründung 1871 übernahm das Reich die Anlage, die nun als Reichsfestung geführt und von württembergischen wie bayerischen Truppen belegt wurde.
Die Belegung wuchs schrittweise. Im September 1858 verlegte das I. Bataillon des 12. Infanterie-Regiments endgültig nach Neu-Ulm, ab Oktober 1861 lag auch der Regimentsstab dort, im Oktober 1868 folgte das II. Bataillon. Ab 1874 war Neu-Ulm Friedensstandort des gesamten Regiments und blieb es bis zum Ende der Monarchie.
Das Königlich Bayerische 12. Infanterie-Regiment „Prinz Arnulf“ war damit 1914 der prägende Truppenteil der Stadt. Es gehörte zur 4. Infanterie-Brigade unter Generalmajor Maximilian von Kirschbaum und weiter zur 2. Infanterie-Division unter Generalleutnant Maximilian von Höhn im I. Bayerischen Armee-Korps; Schwesterregiment der Brigade war das 15. Infanterie-Regiment in Neuburg an der Donau. Bei der Mobilmachung rückte das Regiment mit rund 90 Offizieren, 3300 Unteroffizieren und Mannschaften, 235 Pferden und 75 Fahrzeugen aus.
Die zweite Truppengattung stellte die schwere Artillerie. Am 21. Juli 1873 verlegte das I. Bataillon des Königlich Bayerischen 1. Fußartillerie-Regiments — seit 1886 „vakant Bothmer“ — nach Neu-Ulm und blieb dort bis 1914; das II. Bataillon lag in München. Untergebracht war es unter anderem in der Bastion 5, deren 1850 bis 1854 errichtetes Kriegsspital 1873 zur Artilleriekaserne umgebaut wurde. Für 1914 sind für Neu-Ulm damit Infanterie und Fußartillerie belegt.
Kavallerie hatte die Stadt zeitweise ebenfalls gesehen: Die Chevauxlegers-Kaserne an der Ecke Flößerweg/Silcherstraße entstand 1865 bis 1867 und beherbergte zuletzt die 4. Eskadron des 4. Chevaulegers-Regiments. Nach der stadtgeschichtlichen Überlieferung endete diese Belegung 1909, weshalb für die Friedensgliederung 1914 keine Kavallerie angesetzt wird. Ältere Ortsdarstellungen nennen Infanterie, Chevauxlegers und Fußartillerie in einem Zug, ohne die Jahre zu trennen — dieser Widerspruch bleibt bestehen und ist unter den Unsicherheiten vermerkt.
Die Militärbauten bestimmten das Stadtbild. Zwischen 1840 und 1870 entstanden der Festungsbauhof, der sogenannte Schirrhof (1845–1858), die Friedenskaserne (1860–1867), nach dem Regiment „Zwölfer-Kaserne“ und nach dem König auch Maximiliankaserne genannt, im Karree zwischen Maximilian-, Ludwig-, Bahnhof- und Kasernstraße, ferner das Garnisonslazarett (1862–1866), die Militärbäckerei 2 (1849), die Magazine I bis III sowie das Offizierskasino an der Maximilianstraße. Die im 19. Jahrhundert als Garnisonkirche errichtete katholische Kirche St. Johann Baptist wurde 1922 bis 1926 von Dominikus Böhm umgebaut; ihre neue Fassade besteht teilweise aus Steinen der abgebrochenen Festung.
Für die kleine Stadt war die Garnison wirtschaftlich beherrschend. 1910 zählte Neu-Ulm 12.395 Einwohner, die Garnison umfasste bis zu etwa 2500 Mann. Zugleich engten Festungsrayon und Mauerring die Entwicklung ein: Erst 1906 durften die Festungsmauern durchbrochen werden, 1909/1910 wurde der Wall von der Bahnhofstraße bis zum Augsburger Tor geschleift, 1912 kam mit der Gänstorbrücke eine zweite Donauquerung hinzu. Wasserturm (1900) und die Straßenbahn zwischen den Bahnhöfen von Ulm und Neu-Ulm (ab 1897) gehörten zu den zivilen Gegengewichten dieser Jahre.
Im August 1914 marschierten beide Verbände aus. Das 12. Infanterie-Regiment kämpfte in der Schlacht in Lothringen vom 20. August bis 5. September 1914 und verlor dabei 227 Gefallene, 1108 Verwundete und 156 Vermisste; am 1. September meldete es noch 27 Offiziere und 1650 Mann Gefechtsstärke. Das I. Bataillon der Fußartillerie trat als Korpsartillerie zum II. Armee-Korps der 6. Armee. Ab dem 14. Dezember 1918 wurde das Regiment in Neu-Ulm demobilisiert und aufgelöst; mit der Garnison verlor die Stadt rund 2500 Verbraucher und musste sich wirtschaftlich neu ausrichten. Garnisonsstadt wurde Neu-Ulm erst in den 1930er Jahren wieder.
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