Garnison Rostock

Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin
Heeresstandort

Großherzogtum

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

54.0887° N, 12.1400° O

Heutiger Name

Rostock

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Über die Garnison Rostock

Rostock war zwischen 1871 und 1918 die Garnison eines einzigen aktiven Truppenteils: des Großherzoglich Mecklenburgischen Füsilier-Regiments Nr. 90, das seit dem 26. August 1911 den Namen „Kaiser Wilhelm" führte. Regimentsstab und der überwiegende Teil der Kompanien lagen in Rostock, das II. Bataillon in Wismar. Diese Zweiteilung war kein Provisorium, sondern der Dauerzustand bis zur Auflösung 1919 — auch die Ersatzformationen des Weltkriegs folgten ihr: Das I. Ersatz-Bataillon wurde in Rostock, das II. in Wismar aufgestellt.

Der Verwaltungsrahmen war preußisch, das Kontingent mecklenburgisch. Mecklenburg-Schwerin schloss am 24. Juli 1868 eine Militärkonvention mit Preußen; Mecklenburg-Strelitz hatte bereits am 6. Mai 1868 einen eigenen Vertrag abgeschlossen, der am 15. Mai ratifiziert wurde. Beide Großherzogtümer traten also nicht der preußisch-sachsen-weimarischen Konvention vom Februar 1867 bei, sondern verhandelten gesondert. Sinnbildlich besiegelt wurde der Anschluss an die preußische Armee mit einer Parade der 17. Division vor König Wilhelm I. am 11. September 1868 bei Groß Rogahn westlich von Schwerin. Fortan gehörten die mecklenburgischen Verbände zum IX. Armee-Korps, dessen Generalkommando in Altona saß.

Kontingent und Garnison fielen dabei deutlich auseinander. Der Divisionsstab der 17. Division lag in Schwerin, ebenso der Stab der 34. Infanterie-Brigade, der Kavallerie- und der Feldartillerie-Brigade. Das mecklenburgische Kontingent verteilte sich auf sieben Standorte: Grenadier-Regiment Nr. 89 in Schwerin und Neustrelitz, Füsilier-Regiment Nr. 90 in Rostock und Wismar, die Dragoner-Regimenter Nr. 17 und 18 in Ludwigslust und Parchim, dazu Feldartillerie in Schwerin, Güstrow und Neustrelitz. In Rostock — mit 65.383 Einwohnern bei der Volkszählung 1910 die mit Abstand größte Stadt beider Mecklenburg — lag von alldem nur Infanterie. Weder Reiter noch Geschütze, weder Pioniere noch Train waren hier stationiert; die Residenzstadt Schwerin zog die Stäbe und die Sonderwaffen an sich.

Die Wurzeln des Regiments reichen weit vor das Kaiserreich zurück. 1748 wurde in Rostock ein mecklenburgisches Infanterie-Regiment errichtet, das nach seinen Chefs benannt wurde — „Jensen", später „Jung-Zülow", „von Glüer", „von Pressentin", „Erbprinz". Als Stiftungstag galt jedoch der 12. Juli 1788, der Tag einer feierlichen Fahnenzeremonie in Rostock. Deshalb feierte das Regiment am 10. August 1913 sein „125. Errichtungs-Jubiläum" in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. — ein Datum, das sich mit der Jahreszahl 1748 nicht deckt und zeigt, wie beweglich solche Traditionsrechnungen waren. Die Formierung zum Füsilier-Regiment Nr. 90 selbst erfolgte am 1. Oktober 1867.

Die Bausubstanz der Garnison entstand in Etappen. 1818 wurde ein Gebäude am Blücherplatz zur Hauptwache umgebaut. Der eigentliche Kasernenbau folgte am westlichen Stadtrand an der Ulmenstraße; 1908 kam an der Ecke Hansa-/Ulmenstraße eine eigene Kaserne für die Maschinengewehr-Kompanie hinzu. Über das Baujahr der großen Infanteriekaserne widersprechen sich die Quellen: Die Regimentschronik nennt 1878, die baugeschichtliche Überlieferung des heutigen Universitätsgeländes datiert den Beginn der Anlage auf 1886. In Wismar wuchs parallel eine kleinere Infrastruktur — Quartierhäuser 1881 und 1882, 1901 der Umbau des Zeughauses zur Kaserne, 1903 eine Offizierspeiseanstalt.

Im August 1914 rückte das Regiment aus: Teile vom Rostocker Bahnhof, das II. Bataillon von Wismar aus, beide zur Westfront, wo das Regiment im Verband der 34. Infanterie-Brigade an den Kämpfen um die Festung Lüttich beteiligt war. Die Kaserne an der Ulmenstraße wurde für den Rest des Krieges zur Aufstellungsmaschine: Insgesamt sechs Bataillone entstanden hier, darunter im Oktober 1916 eines für das Infanterie-Regiment Nr. 409 und im Januar 1917 eines für das Infanterie-Regiment Nr. 463. Das Feldregiment selbst wuchs 1915 um eine 13. und 14. Kompanie, 1916 um zwei weitere Maschinengewehr-Kompanien und im August 1918 um eine Minenwerfer-Kompanie. Ende Januar 1919 kehrte es nach Rostock zurück und wurde im Februar 1919 aufgelöst; die Tradition wies ein Erlass vom 24. August 1921 der 2. Kompanie des 6. Infanterie-Regiments der Reichswehr in Schwerin zu.

Neben der aktiven Truppe saß in Rostock das Bezirkskommando 34 mit den Unterbezirken Rostock/Wismar und Neustrelitz/Schwerin/Waren. Der Landwehrbezirk Rostock umfasste bereits nach dem Stand vom 1. Januar 1868 neben der Stadt selbst unter anderem Warnemünde, Schwaan, Ribnitz, Tessin, Güstrow, Krakow, Malchin, Teterow, Waren, Malchow und Röbel. Ein Bezirkskommando verwaltete Ersatz- und Landwehrangelegenheiten, es war jedoch keine stationierte Truppe — die militärische Präsenz in der Stadt blieb im Frieden das Füsilier-Regiment.

Die naheliegende Annahme, Hansestadt, Hafen und Werften hätten Rostock zu einem Marinestandort gemacht, trifft für die Friedenszeit nicht zu. Die Neptunwerft baute für die Kaiserliche Marine, im Krieg unter anderem Minensuchboote, doch Rüstungsproduktion begründet keine Garnison. Der Wasserflugplatz auf der Hohen Düne bei Warnemünde wurde 1913 nicht vom Militär, sondern von der Stadt Rostock angelegt — als Schauplatz des zivilen „Ostseeflugs Warnemünde", der vom 1. bis 10. August 1914 stattfinden sollte. Am 1. August 1914 beschlagnahmte die Kaiserliche Marine die dort versammelten Flugzeuge samt Platz und richtete eine Marine-Flugstation ein; den förmlichen Status einer Seeflugstation erhielt sie Ende Oktober 1915, unterstellt der I. Seefliegerabteilung im Ostseebereich. Die Marine kam also erst mit der Mobilmachung nach Rostock, nicht vorher.

Beide Orte tragen ihre Vorgeschichte bis heute sichtbar. Das Kasernengelände an der Ulmenstraße blieb nach 1919 militärisch: Reichswehr, Wehrmacht, Sowjetarmee und zuletzt die Grenzbrigade Küste der DDR-Grenztruppen nutzten es, bis die militärische Nutzung 1992 endete. Seither ist es der Ulmencampus der Universität Rostock, auf dem Teile der Geistes- und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät untergebracht sind; das ehemalige Exerzierhaus und weitere Bauten stehen als Denkmale und wurden für den Hochschulbetrieb hergerichtet. Auf der Hohen Düne wiederum betreibt die Bundeswehr bis heute einen Marinestützpunkt — die einzige militärische Linie in Rostock, die ohne Bruch bis in die Gegenwart reicht, geht damit ausgerechnet auf jene Einrichtung zurück, die 1914 aus einer zivilen Flugveranstaltung hervorging.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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