Garnison Schwerin

Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin
Heeresstandort

Großherzogtum

Truppengattung

Heer

Koordinaten

53.6288° N, 11.4148° O

Heutiger Name

Schwerin

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Über die Garnison Schwerin

Schwerin war im Deutschen Kaiserreich beides zugleich: Hauptstadt und Residenz des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin und der ranghöchste Militärstandort des Landes. Militär gehörte hier seit dem 17. Jahrhundert zum Stadtbild; als der Hof im 19. Jahrhundert von Ludwigslust nach Schwerin zurückkehrte und die Stadt ab 1837 planmäßig zur Residenz ausgebaut wurde, wuchsen Kasernen und Exerzierplätze bewusst in dieses Ensemble hinein. Die Artilleriekaserne am Ostorfer Rand wurde so gesetzt, dass Sichtachsen zwischen Schloss, Altem Garten und Kasernengelände entstanden — das Militär war Teil der herrschaftlichen Selbstdarstellung, nicht an den Stadtrand verdrängt.

Der rechtliche Rahmen dafür entstand vor der Reichsgründung. Am 24. Juli 1868 schloss Mecklenburg-Schwerin eine Militärkonvention mit Preußen; Mecklenburg-Strelitz folgte am 9. November 1868. Beide Verträge übertrugen das Kontingent der Großherzogtümer der preußischen Befehlsgewalt, das Recht der Offiziersernennung ging an den preußischen König und späteren Kaiser über. Am 11. September 1868 nahm König Wilhelm I. bei Groß Rogahn vor den Toren Schwerins eine Parade der 17. Division ab, die den Anschluss an die preußische Armee öffentlich besiegelte. Zum 1. Januar 1873 wurden die mecklenburgischen Verbände auch verwaltungstechnisch vollständig in die preußische Armee eingegliedert und trugen von da an den Zusatz „Großherzoglich Mecklenburgisch“.

Damit gehörte Mecklenburg zum Bezirk des IX. Armee-Korps, das neben beiden Mecklenburgs auch Schleswig-Holstein und die Hansestädte umfasste. Das Generalkommando saß zunächst in Schleswig und ab 1871 an der Palmaille in Altona — Schwerin war also kein Korpssitz. Die höhere Kommandostelle vor Ort war die 17. Division, am 11. Oktober 1866 in Kiel aufgestellt und 1871 nach Schwerin verlegt, wo ihr Stab bis 1919 blieb. Die zweite Division des Korps lag in Flensburg. Für die mecklenburgische Öffentlichkeit war der Divisionskommandeur in Schwerin damit die sichtbarste militärische Autorität des Landes.

In der Stadt häuften sich die Stäbe. Neben der Division residierten hier die 34. Infanterie-Brigade, die als „Großherzoglich Mecklenburgische“ die Kontingente beider Großherzogtümer bündelte, die 17. Kavallerie-Brigade, die 1872 von Kiel nach Schwerin kam, und die 17. Feldartillerie-Brigade. Die zugehörigen Reiterregimenter lagen allerdings anderswo: das 1. Großherzoglich Mecklenburgische Dragoner-Regiment Nr. 17 in Ludwigslust, das 2. Dragoner-Regiment Nr. 18 seit 1867 in Parchim. Schwerin war insofern stärker Kommandoort als Truppenlager.

Der Hausverband der Stadt war das Großherzoglich Mecklenburgische Grenadier-Regiment Nr. 89, aufgestellt zum 1. Oktober 1867 und mit einem Stiftungstag zurückgeführt auf den 3. April 1782. Seine Besonderheit lag in der Aufteilung über zwei Bundesstaaten: I. und III. Bataillon standen in Schwerin, das II. Bataillon stellte Mecklenburg-Strelitz und lag in Neustrelitz. Dazu kam das Mecklenburgische Jäger-Bataillon Nr. 14, 1821 als leichtes Infanteriebataillon errichtet und mit Unterbrechungen in Schwerin stationiert, zuletzt von 1867 bis 1890. Danach verlegte es nach Colmar im Elsass — für die letzten knapp drei Jahrzehnte des Kaiserreichs zählte es also nicht mehr zur Garnison Schwerin, was in älteren Aufstellungen leicht übersehen wird.

Die Artillerie kam erst spät in eigener Verantwortung hinzu. Zunächst lagen in Schwerin Batterien des Holsteinischen Feldartillerie-Regiments Nr. 24. Am 25. März 1899 wurde das Großherzoglich Mecklenburgische Feldartillerie-Regiment Nr. 60 befohlen und zum 1. Oktober desselben Jahres aus zwei abgegebenen Abteilungen des Regiments Nr. 24 gebildet. Es umfasste Stab und zwei Abteilungen zu je drei Batterien, rund 1.350 Mann und 36 Geschütze — 18 Feldkanonen 7,7 cm und 18 leichte Feldhaubitzen 10,5 cm. 1913 ernannte Kaiser Wilhelm II. Großherzog Friedrich Franz IV. zum Regimentschef.

Dass mecklenburgische Fürsten in der preußischen Armee Karriere machten, zeigt Friedrich Franz II. Er war 1854 General der Infanterie geworden, führte im Krieg von 1870/71 als Kommandierender General das XIII. Armee-Korps und anschließend eine Armee-Abteilung aus dem bayerischen I. Armee-Korps, zwei preußischen Kavalleriedivisionen und dem eigenen Korps. Sie sicherte den Raum zwischen Châlons und Reims, nahm Toul und besetzte am 5. Dezember 1870 Orléans. 1873 wurde er zum Generaloberst befördert. Diese Verbindung von Dynastie und preußischem Oberkommando prägte das militärische Selbstverständnis der Residenzstadt bis 1918.

Baulich hinterließ das drei Kasernenkomplexe. Die Alte Artilleriekaserne an der heutigen Johannes-Stelling-Straße 9/11 entstand nach Plänen des Militärbaumeisters Ludwig Wachenhusen ab 1856 und wurde 1861/62 fertig; sie bot Stallungen für rund 100 Pferde, Offizierswohnungen in den Ecktürmen und Lagerräume im Gewölbekeller. Für das neue Regiment Nr. 60 folgte 1897 bis 1900 die Neue Artilleriekaserne an derselben Straße, geplant und beaufsichtigt von Baurat Oskar Wutsdorff vom preußischen Kriegsministerium; ihr Offizierskasino von 1900 steht in Blickbeziehung zum Schloss. Für die Grenadiere wurde von 1901 bis 1904 an der Werderstraße eine Infanteriekaserne errichtet, die der Schweriner Magistrat am 29. März 1904 übergab; 1908 kam ein Exerzierhaus hinzu. Das Offizierskasino des Regiments Nr. 89 lag am Großen Moor 30.

Nach dem Waffenstillstand kehrten die Verbände in ihre Heimatgarnisonen zurück. Das Grenadier-Regiment Nr. 89 wurde ab Februar 1919 abgewickelt, das Feldartillerie-Regiment Nr. 60 zum 31. Mai 1919 aufgelöst. Gegenüber der Artilleriekaserne wurde am 27. Mai 1923 ein Bronzedenkmal für die Gefallenen des Regiments enthüllt, die „Kriemhild“ von Wilhelm Wandschneider; nach 1945 wurde es zerstört. Die Kasernen selbst blieben durchgehend militärisch genutzt — Reichswehr, Wehrmacht, ab 1945 Rote Armee und Nationale Volksarmee, letztere bis 1989. Heute beherbergen die beiden Artilleriekasernen unter anderem das Finanzamt Schwerin, die Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern und das Landesamt für Verfassungsschutz; sie gehören seit dem 27. Juli 2024 zum UNESCO-Welterbe „Residenzensemble Schwerin“. Die Kaserne an der Werderstraße, 1925 in Grenadier-Kaserne und in der DDR in Kurt-Bürger-Kaserne umbenannt, ist als Werder-Kaserne seit 2007 Sitz des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern der Bundeswehr.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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