Saarbrücken war im Kaiserreich kein einheitliches Gemeinwesen, sondern ein Nebeneinander dreier preußischer Städte: Saarbrücken, St. Johann und Malstatt-Burbach schlossen sich erst 1909 zur Großstadt Saarbrücken zusammen. Die Garnison verteilte sich entsprechend über das gesamte Stadtgebiet — Infanterie und Dragoner im alten Saarbrücken links der Saar, die Ulanen in St. Johann, die Artillerie im südöstlich gelegenen St. Arnual. Zwei Umstände bestimmten die militärische Rolle des Ortes: die Grenze zu Frankreich, die nur wenige Kilometer südlich verlief, und das Kohlen- und Hüttenrevier, dessen Bahnknoten Saarbrücken war. Beides machte die Stadt gleichzeitig zum Aufmarschraum und zum verwundbaren Ziel.
Die Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg war hier keine abstrakte Reichsangelegenheit, sondern Ortsgeschichte. Am 6. August 1870 kämpften preußische und französische Truppen auf den Spicherer Höhen südlich der Stadt. Militärisch war der Ausgang widersprüchlich und von Fehlentscheidungen auf beiden Seiten geprägt; in der öffentlichen Deutung wurde daraus rasch ein Sieg von nationaler Bedeutung. Noch 1870 legte die Saarbrücker Stadtverwaltung im Ehrental eine gemeinsame Begräbnisstätte für die Gefallenen beider Seiten an — bis April 1871 wurden dort mehrere hundert Kriegstote bestattet. Das Ehrental gilt als der älteste Soldatenfriedhof Deutschlands und steht heute unter Denkmalschutz.
Zwischen 1872 und 1874 entstand auf dem Winterberg das Winterbergdenkmal, ein 30 Meter hoher Turm auf künstlichem Hügel über einer zehnseitigen neugotischen Halle, die dem Königsstuhl von Rhens nachgebildet war. Auf halber Höhe trug der Turm ein Reliefband mit den Namen der 1870 beteiligten deutschen Regimenter, die Inschrift lautete „Deutschlands Helden 1870–1871“. Finanziert wurde der Bau durch eine Bürgerspendensammlung aus Saarbrücken und St. Johann, ergänzt um 2.000 Taler Kaiser Wilhelms I. Die Einweihung fand am 10. August 1874 im Beisein des preußischen Kriegsministers Georg von Kameke statt. Das Denkmal war das früheste Nationaldenkmal des neuen Kaiserreichs und wurde zum Wahrzeichen der Stadt.
Aus dieser Ausgangslage entwickelte sich eine Denkmal- und Festkultur, die Garnison und Bürgerschaft eng verband. Seit den 1880er Jahren warben Reiseführer mit dem Dreiklang Winterbergdenkmal, Schlachtfeld auf den Spicherer Höhen und Ehrental; die jährlichen August-Feiern, besonders die Jubiläen von 1895 und 1910, versammelten mit Paraden und Reden Zehntausende. Hinzu kamen ein Bismarckdenkmal (1899), ein Standbild Wilhelms I. (1904) und 1913 das Ulanendenkmal von Fritz Klimsch vor dem Alten Rathaus am Schlossplatz, das an die Gefallenen des Rheinischen Ulanen-Regiments Nr. 7 erinnerte. Albert Ruppersbergs Saarbrücker Kriegschronik von 1895 lieferte den erzählerischen Unterbau. Die Regimenter des Ortes waren Träger und Nutznießer dieser Erinnerungspolitik zugleich.
Verwaltungstechnisch gehörte Saarbrücken zur preußischen Rheinprovinz, Regierungsbezirk Trier. Militärisch lag die Stadt lange am Rand des VIII. Armeekorps mit Generalkommando in Koblenz: Die 32. Infanterie-Brigade in Saarbrücken unterstand der 16. Division in Trier. Das änderte sich grundlegend am 1. Oktober 1912, als das XXI. Armeekorps neu aufgestellt und sein Generalkommando in Saarbrücken eingerichtet wurde. Erster Kommandierender General war Fritz von Below. Das Korps zog seine Ersatzmannschaften aus Teilen der Regierungsbezirke Koblenz und Trier sowie aus Elsass-Lothringen und umfasste die 31. Division, deren Stab gleichzeitig von Straßburg nach Saarbrücken verlegte, und die neu gebildete 42. Division in Saarburg in Lothringen — die letzte Division, die das Friedensheer überhaupt noch aufstellte.
Wer 1914 tatsächlich in Saarbrücken lag, ist von dieser Kommandostruktur zu unterscheiden. Truppe vor Ort waren das 8. Rheinische Infanterie-Regiment Nr. 70 mit dem Stab der 32. Infanterie-Brigade, ferner die 31. Kavallerie-Brigade mit dem Westfälischen Dragoner-Regiment Nr. 7 und dem Ulanen-Regiment „Großherzog Friedrich von Baden“ (Rheinisches) Nr. 7 in St. Johann. Die Ulanen waren 1878 nach Saarburg abgerückt und 1896 in die alte Garnison zurückgekehrt. An Artillerie lag hier der Stab der 42. Feldartillerie-Brigade sowie die reitende Abteilung des Feldartillerie-Regiments „von Holtzendorff“ (1. Rheinisches) Nr. 8, dessen übrige Abteilungen in Saarlouis standen. Die beiden Feldartillerie-Regimenter der Saarbrücker 31. Division dagegen lagen in Hagenau im Elsass — Divisionsstab und Divisionstruppe fielen räumlich weit auseinander. 1913 zählte das Saarbrücker Militär 171 Offiziere, 104 Militärbeamte, 601 Unteroffiziere, 3.553 Mannschaften und 2.159 Pferde.
Mit dem Kriegsbeginn kehrte sich die Lage um: Aus der Grenzgarnison wurde ein Durchgangsraum. Teile der 31. Division standen ab dem 31. Juli 1914 im Grenzschutz gegen Frankreich, ehe sie in die Schlacht in Lothringen einrückten. Über den Saarbrücker Hauptbahnhof rollten mehrere tausend Soldaten nach Lothringen; die Kaserne des Regiments Nr. 70 war am 5. August so überfüllt, dass keine Freiwilligen mehr angenommen wurden, und Suppenküchen in St. Johann, Malstatt und Burbach mussten die Versorgungslücken schließen. Die Nähe zur Front machte Saarbrücken früh zum Ziel aus der Luft: Der erste Fliegerangriff forderte dreizehn Tote, bis 1918 kamen bei den Angriffen insgesamt 63 Menschen ums Leben, 85 wurden verletzt. Rund 120 Luftabwehrkanonen wurden zum Schutz der Stadt aufgestellt. Gleichzeitig brach der Bergbau ein, weil die Belegschaften eingezogen wurden.
Von der Garnison ist mehr geblieben als von den meisten Denkmälern. Die Artilleriekaserne in St. Arnual, ab 1896/98 an der Saargemünder Straße errichtet und bis 1913 erweitert, ist die einzige zumindest teilweise erhaltene Kasernenanlage des 19. Jahrhunderts in Saarbrücken; sie steht als Ensemble unter Denkmalschutz und wird heute überwiegend zivil genutzt. Die Ulanenkaserne an der Mainzer Straße dient seit langem der Polizei. Der Winterbergturm dagegen wurde am 10. September 1939 von der Wehrmacht gesprengt, damit er der französischen Artillerie keinen Orientierungspunkt bot; erhalten ist nur der rekonstruierte Sockel. Das Ulanendenkmal wurde nach 1945 abgeräumt und 1957 in die Parkanlage am Staden versetzt. Und die 1937/38 erbaute Below-Kaserne, benannt nach dem ersten Kommandierenden General des XXI. Armeekorps, beherbergt seit 1948 die Universität des Saarlandes — Tor- und Stabsgebäude bilden bis heute den Eingang zum Campus.
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