Striegau lag im Südwesten der preußischen Provinz Schlesien, rund 50 Kilometer westlich von Breslau und etwa 15 Kilometer nordwestlich von Schweidnitz, am Striegauer Wasser. Die Stadt war Sitz des Landratsamts für den gleichnamigen Kreis Striegau, der zum Regierungsbezirk Breslau gehörte. Erst 1919 kam der Kreis zur neugebildeten Provinz Niederschlesien; 1932 wurde er im Zuge der Sparverordnungen aufgelöst und auf die Nachbarkreise Schweidnitz, Jauer und Neumarkt verteilt. Heute heißt der Ort Strzegom und liegt in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien.
Zur Garnison des Kaiserreichs wurde Striegau spät, und zwar erst im letzten Friedensjahrzehnt. Im Zuge der Heeresvermehrung stellte das 5. Niederschlesische Infanterie-Regiment Nr. 154 im Jahr 1913 ein III. Bataillon auf, dessen Kompanien aus Abgaben mehrerer schlesischer Regimenter zusammengesetzt wurden. Dieses Bataillon bezog Striegau, während Regimentsstab sowie I. und II. Bataillon in Jauer verblieben. Das Regiment selbst bestand seit dem 1. April 1897.
In der Friedensgliederung von 1914 gehörte das Regiment Nr. 154 zur 18. Infanterie-Brigade mit Sitz in Liegnitz, gemeinsam mit dem in Liegnitz stehenden Grenadier-Regiment König Wilhelm I. (2. Westpreußisches) Nr. 7. Die Brigade unterstand der 9. Division in Glogau, diese wiederum dem V. Armee-Korps. Damit ist für Striegau im Sommer 1914 genau eine Truppengattung nachgewiesen: Infanterie, in Stärke eines Bataillons.
Unabhängig davon bestätigt die Überlieferung der Militärkirchenbücher den Befund. Für die Garnison Striegau in Schlesien ist ein Band erhalten, dessen Trauungseinträge im November 1913 und dessen Taufeinträge im Dezember 1913 einsetzen und bis 1920 reichen. Eine Militärgemeinde entsteht dort, wo Truppen dauerhaft liegen — der Beginn der Einträge fällt also mit dem Einzug des Bataillons zusammen.
Militär hatte in Striegau eine ältere, aber lange unterbrochene Tradition. Bis 1806 lag das I. Bataillon des Garnison-Regiments von Natalis Nr. 5 in der Stadt, von 1808 bis 1813 die 2. Eskadron des Husaren-Regiments Graf Götzen (2. Schlesisches) Nr. 6. Danach blieb Striegau über ein Jahrhundert ohne Truppen. Was durchgehend bestand, war das Bezirkskommando für den Kreis, das die Landwehrverwaltung und das Ersatzgeschäft besorgte; ein solcher Behördensitz macht einen Ort aber nicht zum Truppenstandort.
Wirtschaftlich lebte die Stadt vom Stein. Die Striegauer Berge im unmittelbaren Umland lieferten einen harten, hellgrauen Granit, der seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in großem Maßstab gebrochen wurde und die Haupterwerbsquelle der Einwohner bildete. Striegauer Granit ging weit über Schlesien hinaus, unter anderem an den Bau des Reichstagsgebäudes in Berlin und an die Befestigungsarbeiten auf Helgoland. Daneben bestanden Betriebe des Maschinen- und Dampfkesselbaus, eine 1873 von Otto Süssmann und Conrad Walter gegründete Porzellanfabrik sowie kleinere Nahrungsmittelbetriebe.
Die Verkehrslage war früh gesichert: Seit 1856 lag Striegau an der Bahnlinie Liegnitz–Königszelt, 1861 kam ein Gaswerk hinzu, 1890 ein zweiter, stadtnäherer Bahnhof. Die Einwohnerzahl stieg entsprechend, von 7.592 im Jahr 1861 auf 11.784 im Jahr 1885 und 13.427 im Jahr 1905. An Behörden hatte die Stadt neben dem Landratsamt ein Amtsgericht — das zuständige Landgericht saß in Schweidnitz —, ein Standesamt und das erwähnte Bezirkskommando; es gab eine evangelische und eine katholische Pfarrei.
Die Gegend war militärhistorisch vorbelastet. Am 4. Juni 1745 schlug Friedrich II. westlich der Stadt die verbündeten Österreicher und Sachsen; das Treffen ist als Schlacht bei Hohenfriedeberg geläufig, wurde zeitgenössisch aber auch Schlacht bei Striegau genannt, weil die Kämpfe an den Striegauer Bergen begannen. Die Erinnerung daran gehörte im Kaiserreich zum festen Repertoire der lokalen Selbstdarstellung.
Mit der Mobilmachung im August 1914 rückte das Bataillon aus. Das Regiment Nr. 154 wurde bis November 1918 ausschließlich an der Westfront eingesetzt; in Striegau blieben Ersatz- und Verwaltungsstellen zurück, deren Spuren sich in den Kirchenbüchern der Militärgemeinde bis 1920 finden. Nach dem Krieg diente die Kaserne weiter: Im Januar 1919 warb dort das Infanterie-Regiment 46 Freiwillige für den Grenzschutz gegen Polen. Ein zeitgenössischer Name der Anlage aus der Zeit vor 1918 ist nicht belegt.
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